65-Jähriger wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt

23.12.2016, 06:00 Uhr

Als der 58-Jährige von zwei Angehörigen des THW aufgefordert wurde, aus dem absoluten Halteverbot wegzufahren, wo er geparkt hatte, gab dieser Gas und fuhr in Richtung des einen Mannes, der sich mit einem Sprung zur Seite rettete. Jetzt stand der 58-Jährige vor Gericht: Gegen ihn wurde Anklage erhoben wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Außerdem wurde ihm sein Führerschein entzogen.

Der Mann gab an, er habe sich geärgert, habe mit dem Zeugen und dem Geschädigten diskutiert und sei dann „etwas zu schnell losgefahren“. Allerdings habe er nicht gesehen, dass jemand weggesprungen sei. Das sei auch gar nicht nötig gewesen: Beide Männer hätten nicht vor seinem Auto gestanden.

Reflexartig weggesprungen

Der THWler erklärte, er habe den Angeklagten auf das Halteverbot hingewiesen, dann habe es eine Diskussion gegeben und ein Kollege von ihm sei dazu gekommen. Er selbst habe sich dann etwas vom Auto entfernt, bis er im Augenwinkel das Auto habe kommen sehen und reflexartig weggesprungen sei.

Mithilfe von mehreren Skizzen und Bildern vom Tatort versuchen Staatsanwalt Markus Reznik und Verteidigerin Shanti Ray-Voigt sich mit dem Zeugen einen besseren Überblick über die Tatsituation zu verschaffen. Erschwerend kam hinzu, dass der Geschädigte sich bei vielen Details nicht mehr sicher war. Aber eines wisse er sicher: „Wenn ich nicht weg wäre, hätte der mich zusammengefahren.“

Ein Zeuge bestätigte seine Version. Er war beim Anfahren des Autos an der Fahrertür gestanden und ist ebenfalls zurückgesprungen: Der Angeklagte sei schließlich mit Vollgas losgefahren. Der ermittelnde Polizist erklärte, als er ankam, sei der Angeklagte in sein Auto gestiegen und losgefahren, die Rufe der Polizisten habe er ignoriert. Erst an einer roten Ampel konnten die Beamten zu ihm aufschließen. Der Angeklagte habe bereits vor Ort lautstark alle Vorwürfe bestritten, sei sehr aufgebracht gewesen. Auch vor Gericht war der 58-Jährige aufgeregt, er versuchte mehrmals die Schilderung der Vorgänge des Zeugens zu korrigieren.

Staatsanwalt Reznik erklärte, dass es seiner Meinung nach dem 58-Jährigen auf den Schreck ankam. Daher plädierte er auf eine Verurteilung wegen Nötigung, einen Führerscheinentzug für drei Monate und eine Geldstrafe von 900 Euro. Verteidigerin Ray-Voigt sagte, dass nicht belegt sei, dass ihr Mandant den Geschädigten absichtlich zu einem Sprung zwingen wollte. Daher forderte sie einen Freispruch.

Richterin Schneider folgte dem Staatsanwalt und verurteilte den Mann zu einer Geldstrafe von 900 Euro und einem Fahrverbot von drei Monaten. Da der Führerscheinentzug bereits zurück liegt, erhält der Angeklagte Anfang Januar seinen Führerschein zurück.