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Mittwoch, 22.05.2019

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Absturz vor 40 Jahren: Militärjet löste ein Flammenmeer aus

Der Pilot stammte aus dem selben Dorf, in das er später mit Flugzeug abstürzte - 19.04.2019 10:23 Uhr

Zerstörte Häuser, ausgebrannte Autowracks, weit verstreute Flugzeugtrümmer: Dieses Bild bot sich den Rettungskräften, nachdem eine Phantom F-4 auf eine Fabrik in Bräuningshof gestürzt war. © Friedl Ulrich


40 Jahre ist es inzwischen her, als kurz vor Ostern ein Düsenjäger im Tiefflug über zwei Jugendliche hinwegdonnerte, die gerade über die Fußgängerbrücke beim Baiersdorfer Bahnhof radelten. Die beiden Jungs dachten sich zunächst nicht viel: Das nahe Walberla diente im Kalten Krieg häufig Kampfpiloten als Orientierungspunkt, um für den Ernstfall zu üben.

Wesentlich mulmiger war hingegen den Besuchern eines Biergartens in Atzelsberg zumute, die eigentlich das sonnige Frühlingswetter genießen wollten. Plötzlich tauchte der Düsenjet in geringer Höhe über ihnen auf und begann über dem Ort, Rathsberg und Bräuningshof zu kreisen. Wenig später hörten sie einen Riesenschlag aus nördlicher Richtung. Flammen loderten in den Himmel, umsäumt von gewaltigen Rauchwolkenwolken.

An der Unglücksstelle war alles verwüstet

Die Phantom F-4 war in Bräuningshof direkt auf eine Firma abgestürzt, in der Stimmpfeifen für Saiteninstrumente hergestellt wurden. Im Schrägflug hatte das Kampfflugzeug zuvor noch Teile zweier Wohnhäuser abrasiert. Sofort wurde Großalarm ausgelöst: Insgesamt zwölf Feuerwehren mit 30 Fahrzeugen, zwei Hubschrauber des Lufttransportgeschwaders 61, das Technische Hilfswerk und das Rote Kreuz rückten mit zahlreichen Einsatzkräften aus.

An der Unglücksstelle bot sich ihnen ein Bild der Verwüstung. Die Fabrikhalle und die beiden Häuser standen in Flammen und waren bis auf einige Mauerreste zerstört. Im weiten Umkreis verstreut lagen die Trümmer des Jets. Der 47 Jahre alte Inhaber der Fabrik hatte in den Produktionsräumen noch einmal nach dem Rechten sehen wollen. Mit schwersten Brandverletzungen brachten ihn die Sanitäter ins Krankenhaus, wo die Ärzte tagelang um sein Leben kämpften — vergeblich.

Verzweifelte Suche nach dem Piloten

Die beiden Söhne des Unternehmers hielten sich während des Absturzes im benachbarten Wohnhaus auf und erlitten ebenfalls Brandverletzungen, die sie jedoch zum Glück überlebten. Auch die 15 Frauen, die in dem Betrieb arbeiteten, hatten enormes Glück: Kurz zuvor war das Signal für den Feierabend ertönt.

Stundenlang kämpften die Feuerwehren gegen das Flammenmeer an, bis sie es endlich unter Kontrolle hatten. Auch nach dem Piloten wurde verzweifelt gesucht. Erst am nächsten Morgen fanden ihn Rettungskräfte im Flugzeugrumpf, begraben unter einer eingestürzten Mauer. Der hinter ihm sitzende Kampfbeobachter hatte noch im letzten Moment versucht, sich mit dem Schleudersitz zu retten. Zu spät, denn er wurde waagrecht aus der Kanzel katapultiert, prallte zunächst gegen einen Baum und dann gegen eine Hauswand. Auch von ihm konnte nur noch der Leichnam geborgen werden.

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Verheerendes Unglück: Vor 40 Jahren stürzte Jet in Bräuningshof auf Fabrik

Es war schon Abend, als ein Kampfjet über der kleinen Ortschaft Bräuningshof in Schwierigkeiten geriet und abstürzte. Der Pilot stammte aus dem Langensendelbacher Gemeindeteil und starb bei dem Unglück. Auch der 47 Jahre alte Inhaber der Fabrik, auf die das Flugzeug prallte, überlebte den Unfall nicht.


Das Tragische: Volker Richter, der Pilot, der die Phantom steuerte, stammte aus Bräuningshof, hatte sich später bei Freiburg ein Haus gebaut, in das er mit seiner Frau und den zwei Kindern im Alter von sechs und acht Jahren gezogen war. Seine Mutter, die nicht weit entfernt vom Unglücksort wohnte, ahnte bereits Schlimmes, als sie vom Einkaufen zurückkam und das von der Polizei abgeriegelte Areal mit den brennenden Häusern und dem Flugzeugwrack passierte. "Mein Sohn ist oft über Bräuningshof geflogen."

Der Jet hatte Triebwerksprobleme

Ob der 36-Jährige mit einem gewagten Manöver seine Angehörigen und Bekannten grüßen wollte, konnte nie geklärt werden. Die Cockpits der Düsenjäger waren damals noch nicht mit Aufzeichnungsgeräten ausgestattet. Bei den akribischen Untersuchungen einschließlich der Befragung von Augenzeugen konnte lediglich festgestellt werden, dass die Phantom erhebliche Probleme mit den Triebwerken hatte.

Richter galt als sehr zuverlässiger Pilot und verfügte mit über 2100 Flugstunden sehr viel Erfahrung. Er war beim Aufklärungsgeschwader "Immelmann" der Bundesluftwaffe in Bremgarten bei Freiburg stationiert und stand vor seinem nächsten Karrieresprung. Die Erprobungsphase als Fluglehrer für den Jagdbomber Tornado hatte er gerade erfolgreich beendet. 

SCOTT JOHNSTON E-Mail

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