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Als der Traumschiff-Regisseur in Gräfenberg mit der Boa kämpfte

Hans-Jürgen Tögel kehrte an den Ort seines Karriere-Beginns zurück und plauderte aus dem Nähkästchen - 12.11.2018 08:00 Uhr

Cora und Jochen Gundelfinger hatten den Besuch von Regisseur Hans-Jürgen Tögel (li.) in die Wege geleitet. Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (2. v. li.) lud unter anderem zum Eintrag ins Goldene Buch der Stadt ein. © Foto: Petra Malbrich


"Ich kam wieder, als wäre ich nie weg gewesen." Diesen Satz schrieb Hans-Jürgen Tögel ins Goldene Buch der Stadt. Vor 40 Jahren begann seine Karriere als Regisseur in Gräfenberg mit dem Spielfilm "Betzenreuther Wildfieber". Zur Jubiläumsvorstellung war Tögel verhindert, nun setzte er sein Versprechen um. Dazu waren im Sitzungssaal des historischen Rathauses die Tische weggeräumt, um Platz für die Besucher zu schaffen. Es kamen allerdings nur zehn Leute, darunter der Initiator des Besuchs, Jochen Gundelfinger und dessen Ehefrau Cora.

Erinnerungsstücke dabei

"Ich war der Schläger", stellte sich ein Mann vor und hatte einen Schnellhefter gefüllt mit Fotos und Berichten über den Spielfilm. Die Schwester von Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla hatte sogar das Original-Drehbuch dabei. Bei der Jubiläumsfilmvorführung wurden 724 Euro eingenommen, die der Bürgermeister dem Regisseur für seine Stiftung überreichte.

Seit 1994 setzt sich die Tögel-Stiftung unter anderem für Internatsschulen in Entwicklungsländern ein. Speziell geht es um die Bildung in Jhabua, einer der ärmsten Regionen in Indien, laut Tögel. 350 bis 400 Kinder besuchen die Internatsschulen. Sie erhalten hier Ausbildung, Verpflegung und Unterkunft. Drei ehemalige Schüler arbeiteten nun als Lehrer dort. Inzwischen übernimmt der Staat 75 Prozent der Kosten.

Die Mitarbeiter der Stiftung gehen auch in die Dörfer und betreiben dort Aufklärung in Sachen Verhütung.

Gezielte Fragen gab es nur wenige. Wer sein Lieblingsschauspieler sei? Das war Carl-Heinz Schroth. Mit ihm habe man gut arbeiten können, er sei unkompliziert gewesen. Durch ihn habe er auch die ersten Schritte ins Filmmetier geschafft, nachdem er von seinem Vater aus dem Haus geworfen worden sei. Wie seine drei älteren Geschwister hatte er keine Lust, die väterliche Steuerberaterkanzlei zu übernehmen. Als er seinem Vater von dem Wunsch, Theaterwissenschaften zu studieren, erzählte, sollte er seinen Koffer packen.

In München schließlich reagierte Tögel auf eine Anzeige, als Hundesitter für drei Hunde zu arbeiten. Der Auftraggeber war Carl-Heinz Schroth. Doch auch Brigitte Horney zählte zu Tögels Favoriten. "Jakob und Adele" heißt der Film mit den beiden unter Tögels Regie. Aber: "Die beiden konnten sich nicht leiden".

Gert Fröbes Probleme

Hans-Jürgen Tögel plauderte über Gert Fröbe, der für eine Serie der Schwarzwaldklinik einen 100-Jährigen spielte, aber dafür keine vier Stunden in die Maske wollte und sich die Texte nicht mehr merken konnte. "Ich musst dann die Texte für Wussow umschreiben", denn Fröbe sprach den Text, den er sich merken konnte. Der Traumschiff-Regisseur verriet, dass die Schwarzwaldklinik nie in einer Klinik, sondern im Studio gedreht wurde.

Die gelungenen OP waren dem Metzger zu verdanken, der Schweinebäuche lieferte, um das Skalpell ansetzen zu können. Und er erklärte, wie es bei den ersten Co-Produktionen war, bei denen Schauspieler unterschiedlicher Länder mitspielten und keiner den anderen verstand. Die Lösung: Statt eines Textes sollten die Schauspieler einfach bis zehn zählen und den Tonfall der Situation anpassen. "Synchronisiert wurde hinterher", weiß Tögel.

Der Boa war es zu kalt

Seine Erinnerungen an den Gräfenberger Dreh? "Die Bauchtänzerin hatte sich geweigert, die Boa Constrictor um sich herum zu wickeln. Also zog ich mein Hemd aus und wickelte die Schlange um meinen Bauch", sagte Tögel. Das Dumme nur: "Der Drehort hatte zehn Grad Temperatur. Eine Boa Constrictor braucht mindestens 35 Grad. Ich hatte 37 Grad, weshalb sich die Schlange eng an mich kuschelte, dass ich keine Luft mehr bekam." Die Set-Mitarbeite kamen mit Rotlichtlampen und bestrahlten die Schlange solange, bis sie die Umarmung zu Tögel lockerte. Im Anschluss an die Plauderstunde schloss sich ein Rundgang mit Hans-Peter Reck von den Altstadtfreunden an.

 

PETRA MALBRICH

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