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Angst vor dem Wochenende: Wenn der Mensch nur stört

Achtlosigkeit in der winterlichen Natur sorgt für Tierleid und Gefahren - 14.01.2021 18:52 Uhr

Ein Reh an einer Futterkrippe im Gebiet um Ebermannstadt: Um ihrem Körper wieder Energie zuzuführen, suchen die Tiere Futter, was bei der derzeitigen Witterung nicht einfach zu finden ist.

14.01.2021 © Foto: privat


Jeder möchte nach den jüngsten Schneefällen – gerade im Lockdown – auf eigene Art die weiße Pracht genießen, was aber schnell zum Leid der Tierwelt werden kann: Direkt am Waldrand bei Eschlipp beispielsweise haben Leute eine Schlittenbahn angelegt. "Es waren bestimmt 30 bis 40 Personen, die mit dem Schlitten gefahren sind. Der Betrieb begann morgens gegen halb neun Uhr und hielt bis in die Dunkelheit an. Sie sind sogar mit der Stirnlampe gefahren", erzählt Udo Schneider, der Revierpächter in Eschlipp, der eigentlich im Wald etwas erledigen musste.

Ähnliches hat Peter Stumpf, Revierleiter in Niedermirsberg am letzten Wochenende erlebt. Ein Reh sei von Skifahrern aufgescheucht worden und in höchstem Tempo einfach auf die Straße geflüchtet. Eine Sekunde Vorsprung hatte das Reh, sonst wäre es in ein Auto gesprungen und wahrscheinlich getötet worden.

Grenzenloser Spaß im Schnee?

"Ich habe richtig Angst vor dem Wochenende", gesteht Peter Stumpf und ist damit nicht allein: Nahezu alle Jagdpächter erleben unvernünftiges, auch gedankenloses Verhalten vieler Spaziergänger und Sportler, das zur Lebensbedrohung für Tiere wird. Auch der bayerische Jagdverband versucht derzeit auf diese Situation aufmerksam zu machen und die Menschen zur Rücksicht gegenüber den Tieren zu sensibilisieren. Denn der grenzenlose Spaß der Menschen im Schnee findet in der Tierwelt wenig Anklang: Rehe, Hasen, Fasane und selbst Vögel werden verschreckt, oft mit fatalen Folgen.

"Das Wild hat im Winter seinen Organismus heruntergefahren. Es befindet sich sozusagen im Ruhezustand. Auf einmal kommt jemand daher. Die Tiere müssen von jetzt auf dann in den Fluchtmodus wechseln", erklärt Rainer Burkhard, Hegering-Leiter der zwölf Reviere in Ebermannstadt.

Das ist die erste Folge, die sich zunächst körperlich bei den Tieren auswirkt. Denn, wenn es auch noch geregnet hat, ist der Boden verharscht, wie das im Fachjargon genannt wird. "Der Schnee ist für die Tiere beim Auftreten wie ein Eiszapfen, hart und scharf wie Glas", sagt Peter Stumpf, der Revierleiter in Niedermirsberg. Bei der Flucht über die Schneedecke brechen die Tiere oft ein. "Dabei können ihre Läufe verletzt werden. Wenn dann noch hohe Minusgrade sind, können sich die Wunden entzünden. Schlimmstenfalls verendet das Tier", erklärt Burkhard zu Schnittwunden und deren Folgen bei den Tieren.

Manche Tiere schaffen es nicht aus dem Wald, sondern verfangen sich in den sogenannten Kulturzäunen. "Ich musste dort schon ein Tier erlösen", gesteht Burkhard. Schlimmer noch ist es, wenn ein freilaufender Hund hinter dem Reh her ist, weil Hundebesitzer ihren Vierbeinern das Herumtollen im Schnee erlauben und dabei auch durch den Wald spazieren. So in einen Zaun gehetzt zu werden, da hat das Waldtier keine Chance.

Auf den Wegen bleiben

Dann gibt es noch die Mountainbiker: "Wenn sie auch bei Schneelage die Hänge herunter rauschen, müssen die Tiere ohne Vorwarnung sofort aufstehen und fliehen", erklärt Burkhard, warum die Waldtiere durch Gedankenlosigkeit an ihr absolutes Limit gelangen.

Gelingt es ihnen aus dem Wald zu flüchten und in der freien Flur einen Unterschlupf zu finden, sind sie dennoch nicht sicher. "Auf vielen Feldern steht zwar noch eine Zwischenfrucht, durch die jedoch hindurch gesehen werden kann", erläutert Burkhard, warum das Wild dann zur leichten Beute für die natürlichen Fressfeinde wird. Allerdings bringt jedes Fluchtverhalten, das innerhalb von Bruchteilen von Sekunden geschehen muss, die Tiere an den Anschlag.

Um ihrem Körper wieder Energie zuzuführen, suchen sie Futter, was bei der derzeitigen Witterung nicht einfach zu finden ist. Zumindest nicht draußen im freien Feld. Sie müssen zurück in den Wald und fressen dort junge Bäumchen an.

Als Verbiss-Schäden landen diese Bäume wiederum in den offiziellen Gutachten und mehr Wildabschuss ist das Ergebnis. Das Nachsehen hat also das Wild, das durch den Menschen aufgescheucht wurde. "Der Dumme ist wieder das Wild", meint Burkhard – oder eben der Jäger, der den Abschussplan umsetzen muss und jetzt zum Spielverderber wird, um die Tiere zu schützen.

Eindringliche Bitte der Revierpächter

Trotzdem bleibt den Jägern bei allem Verständnis für die Liebe zur Natur und dem Wintersport nur ein Appell an die Bürger und Touristen: "Geht raus in die Natur, aber bitte bleibt auf den großen Wegen und geht nicht in den Wald, nicht in die Einstände hinein und lasst die Hunde nicht jede Dickung durchstöbern". Darum bitten die Jagdrevierpächter eindringlich.

"Wenn die Rehe dann Menschen hören, bleiben sie im Wald stehen und äugen den Menschen nach, aber sie fliehen nicht", nennt Burkhard das Ergebnis, das allen gerecht wird.

PETRA MALBRICH E-Mail

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