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Au-Pair in Corona-Zeiten: Nachhause fliegen ist keine Option

Leona Graser aus Forchheim lebt als Au-pair im US-Bundesstaat Maryland - 15.04.2020 07:00 Uhr

Die 18-jährige Leona Graser ist seit Mitte September für ein Jahr als Au-pair in den USA. Der amerikanische Lifestyle hat sie schon immer fasziniert. Nach zwei Monaten in New York lebt sie nun in einer Gastfamilie in Frederick (Bild) im US Bundesstaat Maryland. Nachhause zu fliegen kommt für sie trotz der aktuellen Situation nicht in Frage.

14.04.2020 © Foto: privat


Hallo Leona, was waren denn deine Aufgaben als Au-pair vor den Beschränkungen wegen Corona?

Leona Graser: Ich bin für alles zuständig, was die Kinder betrifft. Vor Corona war der normale Tagesablauf so: Ich habe früh die Kinder Brendan (vier) und Madison (sechs) geweckt, hab’ ihnen Frühstück gemacht, sie für die Schule vorbereitet und sie hingefahren. Um 15 Uhr habe ich sie wieder von der Schule abgeholt. Nachmittags haben wir zusammen gebastelt, waren im Park oder schwimmen. Außerdem habe ich Hausaufgaben mit ihnen gemacht. Abends hab ich ihnen Abendessen gekocht und danach haben wir noch Zeit mit der Familie verbracht.

Und wie hat sich das seit Ausbruch der Coronakrise geändert?

Leona: Die Ausgangssperre gilt seit Ende März. Seither arbeite ich so gut wie jeden Tag zehn Stunden. Das ist die maximale Stundenzahl, die ich als Au-pair arbeiten darf. Um 8 Uhr fange ich an. Den Vormittag über haben die Kinder Online-Unterricht. Nachmittags versuchen wir, so viel wie möglich raus zu gehen. In den Park können wir jetzt nicht mehr, aber wir spielen im Garten fangen, malen mit Straßenmalkreide oder sie fahren mit ihren Spielfahrzeugen. Demnächst sollen auch Spielgeräte aufgebaut werden. Dann haben wir unseren eigenen kleinen Spielplatz zur Verfügung.

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Wie geht deine Gastfamilie mit der neuen Situation um?

Die 18-jährige Leona Graser aus Forchheim auf der Brooklyn Bridge in New York City, mit Manhattan im Hintergrund, bei einem Besuch im Januar. Nach zwei Monaten in der Stadt, die heute das Epizentrum der Corona-Krise in den USA ist, zog sie im November um nach Frederick in Maryland.

14.04.2020 © Foto: privat


Leona: Die Eltern arbeiten jetzt überwiegend im Homeoffice. Nur der Vater geht hin und wieder in die Klinik, in der er arbeitet. Außerdem wahren wir auch zuhause alle den Sicherheitsabstand. Die Kinder vermissen ihre Freunde. Sie unterhalten sich zwar über Facetime mit ihnen, aber gerade Brendan fehlt es, sie in der Schule zu treffen. Nichts desto trotz verstehen die Kinder die Situation sehr gut und sind vorsichtig. Sie sagen, sie fühlen sich ein bisschen wie in einem Zombiefilm, jetzt, wo wir nur zuhause sind und nirgends mehr hin können. Das betrifft auch meine geplanten Ausflüge. Eigentlich wollte ich mir demnächst Chicago ansehen. Das fällt leider erst mal aus. Wir versuchen jetzt einfach alle das Beste aus der Situation zu machen.

Habt ihr eigentlich Angst, euch anzustecken?

Leona: Nein. Sowohl meine Gastfamilie als auch ich fühlen uns sehr sicher. Meine Gasteltern akzeptieren die Maßnahmen der Regierung und da wir alle zuhause bleiben, haben wir auch keine Angst. Viele Au-pairs fliegen im Moment zurück nach Hause. Aber für mich ist das keine Option. Meine Gastfamilie ist wie eine zweite Familie für mich geworden und ich bin hier sehr glücklich.

In Deutschland hamstern manche Leute komplette Supermarktregale leer. Ist das in Amerika ähnlich?

Leona: Ja. Wie in Deutschland hamstern die Leute vor allem Klopapier und Desinfektionsmittel. Außerdem gibt es in vielen Supermärkten kein Brot mehr.

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Wie ist es mit der Versorgung mit Schutzkleidung?

Leona: Über die Versorgung mit Schutzkleidung hab ich nur mitbekommen, dass es nicht genug Atemmasken für alle gibt.


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In Amerika gibt es keine verpflichtende Krankenversicherung. Wie ist das da mit Arztbesuchen?

Leona: Ich selbst habe eine Reiseversicherung abgeschlossen. Aber auch damit ist es nicht so einfach. Ich war hier einmal beim Arzt wegen ein paar Untersuchungen. Man zahlt den Arztbesuch und wenn man eine Versicherung hat, bekommt man einen Großteil des Geldes zurück. Meine Versicherung erstattet mir für diesen Besuch 250 Dollar. Ich muss aber noch 50 Dollar aus eigener Tasche zahlen. Und das war ein einfacher Arztbesuch. Ein Aufenthalt in der Notaufnahme kann, je nach Leistung und Versicherung, sehr teuer werden. Bei meiner Versicherung jedenfalls müsste ich unter Umständen ein paar tausend Dollar zahlen.


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