Maximale Flexibilität 

Auch die Zweitimpfung im Forchheimer Impfzentrum ist ohne Termin möglich

11.8.2021, 06:00 Uhr
Mit mobilen Impfaktionen wie vor drei Wochen in Neuses will das Impfzentrum den Weg zu Impfung möglichst kurz halten. 

Mit mobilen Impfaktionen wie vor drei Wochen in Neuses will das Impfzentrum den Weg zu Impfung möglichst kurz halten.  © Mathias Erlwein, NN

Die gute Nachricht zuerst: "Im Landkreis Forchheim konnten wir inzwischen jedem Bürger und jeder Bürgerin ein Impfangebot machen", sagt Sebastian Weiß vom ASB, der das Forchheimer Impfzentrum leitet. Die weniger gute Nachricht: Zuletzt ist das mit größeren Anstrengungen verbunden gewesen.

Doch das schreckt die Verantwortlichen weder im Impfzentrum, noch im Landratsamt ab. Denn klar ist allen: Bei den Impfquoten ist noch Luft nach oben. Und das ist auch eine Chance. Aktuell nennt Sebastian Weiß folgende Zahlen: Bis jetzt wurden allein im Impfzentrum 38.908 Menschen zum ersten Mal geimpft. Bei den Hausärzten liegt die Zahl der Erstimpfungen im Moment bei 29.658. Legt man diese beiden Werte zu Grunde, kommt eine Erst-Impfquote von knapp 59 Prozent heraus.

Dazu muss man eigentlich noch diejenigen rechnen, die bei Betriebsärzten geimpft worden. Das Problem ist jedoch: Davon gibt es keine Zahlen. "Es gab vor kurzem eine bayernweite Abfrage", verrät Katrin Schürr, Pressesprecherin des Landkreises. Aber das Ergebnis sei nur schwer zu deuten, da bei den Betriebsärzten zum Teil kein Wohnort angegeben werden musste und sich die Zahlen daher nicht eindeutig zu den einzelnen Städten und Landkreisen zuordnen ließen. "Es sind etliche, aber eine genaue Zahl zu nennen, ist ganz schwierig", meint Schürr - und lässt es daher lieber.

Doch selbst wenn dieser Wert irgendwo zwischen fünf und zehn zusätzlichen Prozent liegen sollte: Es gibt immer noch genügend Menschen, die noch nicht geimpft sind. Die gilt es, zu erreichen. Aber wie? "Ich glaube nicht daran, dass man mit einer Bratwurst to go einen Impfmuffel vom Sofa holt", meint der Leiter des Forchheimer Impfzentrums, das von ASB und dem Ärztenetz UGeF geführt wird. Wohl aber glaubt er, dass der Weg zur Spritze so einfach wie möglich sein muss, um Menschen zu erreichen, für die eine Terminvereinbarung schon eine zu große Hürde darstellt.

Das hat er zum Beispiel bei den mobilen Impfaktionen gemerkt, die das Impfzentrum an den Wochenenden 24./25. Juli und 31. Juli/1. August durchgeführt hat. Dabei war der ASB-Impfbus beim Nahversorgungszentrum in Neuses, auf dem Globus-Parkplatz in Forchheim, am Fußballplatz in Effeltrich, am Zehntspeicher in Neunkirchen und bei der Liebig-Apotheke in Hausen unterwegs. "Ich habe dort fast mit jedem persönlich gesprochen. Die meisten haben mir gesagt: Wenn ihr heute nicht hier wärt, hätte ich mich nicht impfen lassen", erzählt Weiß.

An diesem Wochenende 14./15. August sowie am darauffolgenden 21./22. August fährt das Impfmobil übrigens genau die gleichen Stationen wieder an, um den Menschen vor Ort auch die Zweitimpfung anzubieten. Und auch im Spätsommer seien weitere Aktionen vor Ort möglich, um noch mehr zu erreichen. "Wir sind da absolut offen", sagt Katrin Schürr vom Landratsamt. So ruft sie auch Bürgermeister auf, sich zu melden, wenn größere Veranstaltungen anstehen. "Vielleicht bieten sich hier noch Gelegenheiten, mit dem mobilen Impfteam vor Ort zu kommen."

Zusätzlich setzen Landkreis, ASB und UGeF auf absolute Flexibilität im Impfzentrum: Der Impfstoff kann frei gewählt werden. Die Terminvergabe für die Erstimpfung ist bereits vor vier Wochen abgeschafft worden. Inzwischen kann aber auch der Termin für die Zweitimpfung individuell gewählt werden. Das funktioniert so: Wer sich mit dem Impfstoff von Biontech impfen lässt, kann ab dem Zeitpunkt von drei Wochen nach der Erstimpfung erneut ohne Terminvereinbarung ins Impfzentrum kommen und sich hier die zweite Spritze geben lassen. Bei einer Impfung mit Moderna gilt der Mindestabstand von vier Wochen.

Damit muss sich keiner mehr an einen festen Termin für die Zweitimpfung halten. Und die Flexibilität lohnt sich, bestätigt Sebastian Weiß. Wer zur Erstimpfung gekommen ist, lässt sich in der Regel auch die zweite Spritze setzen. Hinderungsgründe wie Urlaubs- oder Dienstreisen, Hochzeiten, Familienfeiern oder sonstige Termine fallen somit weg.

Auch das Angebot an Jugendliche ab zwölf Jahren werde angenommen, bestätigt der Impfzentrums-Leiter. Was er toll findet: Die Familien haben die Entscheidung in aller Ruhe zu Hause getroffen und kommen dann erst zum impfen. Genaue Zahlen kann er dazu zwar nicht nennen, doch mehr als 1500 Unter-20-Jährige haben sich allein im Impfzentrum bereits immunisieren lassen.

Bleibt noch die Frage: Wie geht es weiter mit Blick auf den Herbst. Der Landkreis setzt dabei weiterhin auf sein Impfzentrum, sagt Katrin Schürr. "Die Zusammenarbeit mit dem ASB und UGeF ist gut und flexibel. Wenn es gesetzlich und rechtlich möglich ist, und danach sieht es aktuell aus, wollen wir das aufrecht erhalten." Bis Ende 2021 soll das Impfzentrum mindestens geöffnet bleiben. Arbeit wird es auch im Herbst genügend geben, denn auf politscher Ebene ist bereits entschieden, dass vor allem den Hochbetagten und Risikogruppen ab Herbst eine dritte Impfung angeboten werden soll.

So rechnet auch Sebastian Weiß vom Impfzentrum damit, "dass wir, hoffentlich wieder in guter Kooperation mit den Hausärzten im Landkreis, erneut mit mobilen Teams in die Senioreneinrichtungen fahren werden".

Da sich die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten nun auch darauf verständigt haben, dass es ab Herbst verschärfte Testpflichten und kostenpflichtige Tests geben soll, rechnet er auch im Impfzentrum noch einmal mit mehr Zulauf: "Ich hoffe, dass sich der ein oder andere überlegt, ob er sich wirklich alle paar Tage kostenpflichtig testen lassen will, um am öffentlichen Leben teilzunehmen oder ob ihm die Impfung dann nicht wirklich als der einfachere Weg erscheint."

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