Donnerstag, 01.10.2020

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Auf der Neideck war der Drache los beim Burgfest

Mehr als 2000 Gäste im urigen Feldlagerleben bei deftiger Unterhaltung - 01.08.2017 06:00 Uhr

"Rectus" heißen die wilden Verfechter dieser mittelalterlichen Kampfsportart aus dem tschechischen Cheb. Wer ihnen zu nahe kommt, muss damit rechnen, dass sie eine gusseiserne Bratpfanne zur Verteidigung einsetzen.

© Udo Güldner


Alle hatten sie wieder den richtigen Riecher: Das Kulturamt des Landkreises, der Markt Wiesenttal und der Fränkische-Schweiz-Verein Streitberg stellten ein buntes Programm auf die Beine und machten damit speziell der Jugend Spaß. Für den vierjährigen Tim und die sechsjährige Anna ist es der große Auftritt. Die beiden Kinder dürfen auf der Bühne des Kinderzirkus mitzaubern.

Peter Hofmann aus Bayreuth unterhält sein Publikum mit kleinen und großen Tricks und viel Charme. Wer nicht klatschen will, den trifft der kühlende Strahl der Wasserpistole. Schon mal die Hypnose mit einem wirbelnden Tee-Ei erlebt? Diana und Karina machens vor und dann spielen „Max & Moritz“ ihren Zuschauern einige freche Streiche.
Max Pannicke und Alexander Gädke aus Berlin begeistern mit Akrobatik, Clownerie und Jonglage, während hinter der Bühne Beethovens Musik einen Ausflug nach Kuba macht. Zur Rumba verhöhnen magische Reisstäbchen die Erdanziehung — da ist das Publikum längst hingerissen.

Ein Hauen und Stechen

Auf dem Weg in das Innere der 1347 fast völlig zerstörten Festung begegnet man einem fliegenden Raben (Hrafninn Flygur). Eirik wacht über den Stand des „Schildwolfes“ Skjaldalf Petersson und seiner Roska Hendriksdottir, beide wie ihr isländischer Name verrät, in Drügendorf zu Hause. Beide bieten hochwertigen Schmuck, den Eirik archäologischen Funden nachempfunden hat.

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Schaukampf und Gaukelei: Mittelalterfest auf der Ruine Neideck

Ein Wochenende lang konnten sich die Besucher der Burg Neideck auf eine Zeitreise ins Mittelalter begeben. Gaukler, Ritter und Handwerker entführten in längst vergangene Tage.


Hauen und Stechen muss freilich auch sein: Ein Dutzend schwerbewaffneter und zumeist grimmig dreinblickender Fechtkünstler hat Degen, Schwert und Bauernstangen zur Hand und wehe, man kommt ihnen zu nahe! Zur Not kommt auch die gusseiserne Bratpfanne zum Einsatz. Die Mitglieder von „Rectus“ aus dem tschechischen Cheb sind bei der schattenlosen Hitze nicht zu beneiden. Da haben es die Mittelalter-Freunde aus Coburg und Lichtenfels schon besser, die sich in ihrem Zeltdorf vor der sengenden Sonne in Sicherheit gebracht haben. Im Halsgraben surren die Pfeile in Richtung eines überdimensionalen Plastikdrachens.

Das fabelhafte Untier ist Ziel der Geschosse, die aus Richtung der „Freien Bogenschützen Fränkische Schweiz“ geflogen kommen. Sonst üben die 30 Mitglieder im Wald bei Oberfellendorf die Jagd auf Plastikschweine und Kunststoffwölfe. Diesmal dürfen auch andere die selbstgebauten Reiterbögen in die Hand nehmen. Auf dem Rückweg dann schnell der Abstecher ins Feldlager der „Baieruther Katzbalgerey“.
Die Freunde des Landsknechtswesens aus Bayreuth zeigen, wie man um 1500 im Gewalthaufen die Gegner regelrecht überrannt hat. Zu Fuß und mit Langwaffen ging es in „Igel-Formation“ gegen die Reiterei in die Schlacht. Natürlich nicht ohne einige Zuschauer ganz plötzlich im Spießdrill zu sekieren, wobei sie aus eigenem Antrieb dort aufgetaucht waren.

Organisator Oliver Helmer vom Kulturamt bestätigt, dass der Einsatz für die meisten Gruppen eine Premiere bedeutete. Nur das Puppentheater Putschenelle aus Zell am Main ist Dauergast auf der Neideck.
Diesmal geht es bei „Ritter Stöpsel“ buchstäblich um die Wurst. Hat doch ein frecher Drache den königlichen Imbiss entwendet. Mithilfe der vielen Kinder gelingt es Elke Schütz-Stefenelli und Werner Labisch an Stab- und Handpuppen, das Fleischerzeugnis zurückzubekommen. Und schon ist Zeit für das Ingolstädter Ensemble „Zackenflanke“ mit Dudelsäcken und Schlagwerk. Im Vorhof des Schlüsselberger-Sitzes wird die Landsknechtstrommel rhythmisch erstklassig bedient.

Neue Melodie aus alten Tagen

Während die neuzeitlichen Melodeyen aus alter Zeit erklingen, gilt es weiter hinten, die selbstgebackenen Küchla von Christa Hösch aus Oberfellendorf zu genießen. Sie ist eine von mehr als 30 ehrenamtlichen Helfer(inne)n des Fränkische-Schweiz-Vereins Streitberg, die das Burgfest mit seiner familiären Atmosphäre erst ermöglichen.
Für die Mitarbeiter des Wiesenttaler Bauhofes ist es ein enormer logistischer Aufwand, selbst Strom und Wasser auf die Anhöhe zu bringen. Für Wolfgang Kainer und Gunnar Eichhorn von der Bergwachtrettungsstelle Ebermannstadt ist es ein ruhiger Nachmittag: „Nur die üblichen Schürfwunden.“

Nach abwechslungsreichen Stunden zieht auch Anton Eckert eine positive Bilanz. „Seit 20 Jahren nutzen wir die Ruine Neideck als Veranstaltungsort“, so der Leiter des Landkreis-Kulturamtes. Das Konzept mit literarischen Abenden und Familienangeboten gehe immer wieder sehr schön auf.

Udo Güldner

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