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Aus Effeltrich: Handschutz für den Einkaufswagen

Fränkischer Tüftler macht nützliche Erfindung nicht nur zu Corona-Zeiten: Sicherheit beim Anfassen. - 29.05.2020 16:12 Uhr

Im Supermarkt hatte Manfred Böhm einige unappetitliche Erlebnisse, die ihn aber auf eine pfiffige Idee brachten. Weil er die Griffe des Einkaufswagens nicht mehr anfassen will, hat er einen Handschutz entwickelt. © Foto: Manfred Böhm


Die meisten Leute hätten das Erlebnis wohl schnell verdrängt – so aber nicht Böhm. Er ist Tüftler und Erfinder und als solcher hat er sich natürlich Gedanken gemacht. Herausgekommen ist ein wiederverwendbarer, zweiteiliger Handschutz für Einkaufswagen – der wohl den Namen "Handsi" tagen soll, was für Handschutzinnovation steht.

Schutz-Griffe, die man über die Haltestangen an den Wagen klicken kann, gibt es zwar schon, haben sich aber für den 59-Jährigen als nicht funktionstauglich herausgestellt, da sie nicht über jeden Einkaufswagengriff passen: "Es musste etwas Flexibles her", dachte sich Böhm. "Ich habe lang daran rumgemacht und es ist fast wieder in Vergessenheit geraten, bis die Geschichte mit Corona kam." So entwickelte sich seine Idee, die nun die Serienreife erlangt hat, patentiert ist und in den Handel gebracht werden soll.

So funktioniert‘s

Der wiederverwendbare Handschutz sieht ein bisschen aus wie zwei Waschlappen und ist aus einem ähnlichen Material wie Anti-Rutschmatten für die Dusche gefertigt. Die Funktion ist zudem denkbar einfach: Man legt den Handschutz über die Griffe des Einkaufswagens und bildet darum herum eine Faust. Mittels Klettbändern verbindet sich der Handschutz und umwickelt den Griff. Der Clou an der Sache: Da die Klettbänder auf beiden Teilen unterschiedlich angenäht sind – einmal ist das Flauschband oben und einmal unten – muss man nach dem Abnehmen des Handschutzes vom Einkaufswagen nur einmal in die Hände "klatschen" und die Innenseite, die mit dem Einkaufswagen in Berührung kommt, wird verdeckt.

Manfred Böhm wird auch „MacGyver“ genannt. © Foto: Martin Träg


Dass seine Erfindung gut ankommt, hat der Tüftler schnell festgestellt. "Sie werden mir fast aus der Hand gerissen", berichtet Manfred Böhm stolz. Dabei hat er noch gar keine Werbung für seine Erfindung gemacht. Jedes Mal beim Einkaufen verkaufe er vier bis fünf Stück – insgesamt werden es bisher schon über 200 gewesen sein.

Viel bleibt bisher noch nicht übrig, aber der Erfinder ist optimistisch: "Wenn es sich amortisiert hat, schaut es besser aus." Zur Produktion, die aktuell noch mit der Verwandtschaft gestemmt wird und um die 500 Stück in der Woche beträgt, musste eine hochwertige Stanzform angeschafft werden. Daraus wird der Handschutz, der bei 60 Grad waschbar ist oder auch zum Reinigen bei 70 Grad in den Backofen gelegt werden kann, serienmäßig gestanzt und von ihm und seinem Team genäht. Kostenpunkt für den Kunden: 11,95 Euro. Böhm möchte seinen Handschutz jedoch im Großen produzieren, vielleicht auch einen Investor finden.

Für Böhm, der wegen seiner Tüftel- und Bastelleidenschaft von seinen Bekannten MacGyver genannt wird nach einer bekannten TV-Figur, gibt es aber noch mehr Einsatzmöglichkeiten für seinen wiederverwendbaren Handschutz als nur die Griffe von Einkaufswagen.

Der 59-Jährige schlägt vor, dass man seine Erfindung auch an den Griffen von E-Scootern nutzen könnte: "Es ist sehr angenehm zum Anfassen und viel griffiger als Hartgummi."

Auch einzeln

Weitere Möglichkeiten wären an den Haltegriffen in Bus, U- oder S-Bahn oder bei Einkaufskörbchen – denn man kann trotz der Stoffbandverbindung der beiden Teile den Schutz auch einzeln nutzen.

Neben seiner Leidenschaft zum Tüfteln und Erfinden hat Manfred Böhm einen Zwei-Mann-Betrieb mit seiner Lebensgefährtin, der in der Zulieferkette von Siemens im Bereich Medizintechnik angesiedelt ist. Ursprünglich war er beruflich jedoch in einer Servicestelle für den luftfahrttechnischen Betrieb, eine Art Tüv für Ultraleicht- und Sportflieger, tätig.

Zum Erfinden hat ihn seine Bastelleidenschaft für Modellflugzeuge gebracht, die schon in Kindertagen begann – sein größtes Hobby: das Fliegen. "Man wächst in Geschichten rein, in denen man mehr oder weniger zum Allrounder wird", beschreibt Böhm seinen Werdegang als Tüftler.

Die Ideen gehen ihm nicht aus, denn er ist schon am nächsten Projekt dran: Schützer für Türgriffe, um die Klinke nicht ständig desinfizieren zu müssen und um sie zu schützen. Funktionieren soll das wie eine Art Hülse zum über die Türklinke schieben – natürlich austauschbar, wasch- und wiederverwendbar.

MICHAEL ENDRES

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