Sonntag, 05.04.2020

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Ausgangsbeschränkungen sind für viele Gastronomen der "Supergau"

Andreas Bugl aus Muggendorf: "Corona wird die Gastronomie in der Fränkischen dezimieren." - 22.03.2020 09:00 Uhr

Andreas Bugl ist Hotelier im „Goldenen Stern“ in Muggendorf. Der Chef von 27 Angestellten bangt um seine Existenz wegen Corona. Nicht nur Osterbrunnen-Touristen, auch Konfirmationen, Kommunionen, Hochzeiten und mehr fallen weg. © Foto: Giulia Iannicelli


Der Hotelier, der eigentlich angetreten ist, um dem "Goldenen Stern" zu alter Größe zu verhelfen, war ausgebucht von März bis November, jetzt haben die meisten storniert. Andreas Bugl muss 27 Mitarbeiter bezahlen und weiß im Grunde nicht von was. Natürlich wird es Kurzarbeitergeld geben, aber eine Hilfe für Bugl ist es, eigenem Befinden zufolge, nicht.

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"Wir befinden uns im Katastrophenfall", sagt dagegen sehr resolut Georg Hötzelein aus Regensberg. Der Hotelier und Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga ist extrem realistisch. Der Mann, dessen Telefone seit Ministerpräsident Söders Reden an das Volk nicht mehr stillstehen, weil die Mitglieder sich Rat und Tat erhoffen, weiß, dass "wir erst am Anfang einer katastrophalen Entwicklung im Tourismus sind, und wir können dem nichts entgegensetzen".

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Die Osterbrunnenfahrten, Kommunions- und Konfirmationsfeiern, Hochzeiten — quasi alles — ist stillgelegt. Und das auf einer schon längst ausgefransten Basis, denn das Coronavirus beschäftigt fränkische Gastro-Betriebe tatsächlich schon seit der Spielwarenmesse in Nürnberg.

Andreas Bugl sagt, auch da habe er schon jede Menge leere Zimmer gehabt. Die Asiaten, die nach der Messe gern bei ihm abgestiegen sind, blieben in diesem Jahr aus. Dann kam die Biofach-Messe und da fehlten nicht nur Asiaten, sondern auch schon die ersten italienischen Lebensmittelproduzenten. "Und jetzt haben wir den Supergau", so der Wirt vom "Goldenen Stern".

Georg Hötzelein kann das nur bestätigen. Von den rund 500 Gastro-Betrieben und Hotels im Landkreis Forchheim stehen "viele Betriebe mit dem Rücken zur Wand", bedauert der Dehoga-Vorsitzende. Und was ziemlich bitter tönt: "Viele von ihnen werden sich auch nicht mehr erholen, auch das muss man sehr klar sehen, weil genau das eingetreten ist, was nicht sein sollte: Es fehlt am Eigenkapital."

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Belinda Werner vom Gasthof "Schönblick" in Gößweinstein ist dagegen über die aktuell gestern verhängte Ausgangseinschränkungen sehr froh. "Es ist zwar unser Geschäft, aber es geht im Augenblick nicht, dass sich die Leute in die Wiese legen." Die Gastwirtin, die kürzlich ihren Betrieb von 16 auf 12 Betten verkleinert hat, hat noch keine Nothilfe beantragt. "Wir würden 5000 Euro kriegen. Damit kommen wir nicht sehr weit", lehnt sie das Angebot ab, das im "Schönblick" auch deshalb nicht greifen würde, weil "wir erst alles ausgeben müssten, es wirklich zu Ende wäre mit unserer Liquidität, bevor die Hilfen greifen".

Auch im "Schönblick" haben alle alles storniert und einen Ausgleich, wie in manchen städtischen Beherbergungshäusern, die sich beispielsweise auf Monteure oder Bauarbeiter kapriziert haben, gibt es bei den Werners nicht: "Wir sind auf Touristen angewiesen."

Georg Hötzelein bestätigt die Probleme "der Kleinunternehmer auf der Höhe, die auf Wanderer warten müssen, die dann nicht kommen", für diese Pensionen werde das geschäftliche Überleben schwierig, aber er sieht auch, dass sich in der Krise "die Spreu vom Weizen" trennen wird.

Winfried Rühl vermietet fünf Doppelzimmer. Gemeinsam mit seiner Frau tritt er als Gastgeber auf. Dass keine Personalkosten entstehen, erleichtert die Lage etwas. © Foto: Giulia Iannicelli


Wobei in kleineren Betrieben sogar Lichtblicke auszumachen sind. Winfried Rühl zum Beispiel vom "Haus Rühl" in Rüssenbach, einem Ortsteil von Ebermannstadt, bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Partnerin eine familiengeführte Pension mit fünf Doppelzimmern.

Der Wirt muss wenigstens keine Bediensteten bezahlen, das Ausbleiben des kleinen Zusatzeinkommens trifft die Rühls nicht in voller existenzieller Wucht, sagt auch der Betroffene selbst. Er hält es aber für "ein Gschmarri", wenn Politiker von Liquiditätshilfen sprächen und von Notfallhilfen. "Es hat noch jeder jeden Kredit, der ihm gewährt wurde, zurückzahlen müssen und das hat ihm dann das Genick gebrochen."

Der Zimmervermieter bezieht seinen Pessimismus aus der Tatsache, dass große Unternehmen in kürzerer Zeit Gewinne erwirtschaften, mit denen sie die Hilfen zurückzahlen können. "Der Kleinunternehmer verdient nicht so schnell das Geld, um seine Schulden bezahlen zu können."

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Andreas Bugl vom "Goldenen Stern" klagt auch über die Komplettschließung des Restaurants. Die ausbleibenden Essensgäste reißen noch einmal ein Loch in den Beutel. Der Muggendorfer Hotelier der gleich am Montag, nach Verkündung des Katastrophenmodus‘ bei seiner Bank angerufen hat und beim Steuerberater, war enttäuscht, denn keiner konnte ihm helfen. Erst die Wirtschaftsförderung von Oberfranken zeigte sich als erster Ansprechpartner für die Nothilfe. Bugl jedenfalls rief sicherheitshalber auch noch bei seinen Hausbanken an. Doch "was hilft es, wenn eine 60-Prozent-Bürgschaft auf eine 90-Prozent-Bürgschaft ausgedehnt wird? Es braucht immer zehn Prozent Eigenkapital, sonst kriegt man die Hilfe nicht", klagt Andreas Bugl.

Der Muggendorfer Gästewirt, der eng mit Busunternehmern im Kontakt steht, die einem Reiseverbot unterliegen, bedauert die Kollegen am Lenkrad: "Bei einigen von denen gehen die Lichter aus", sieht er für kleine Beförderungsbetriebe ebenfalls schwarz.

Georg Hötzelein rät jeden, so schnell wie möglich wenigstens Kurzarbeitergeld zu beantragen und wenn alle Stricke reißen, "sich in den Schutz der Insolvenz zu flüchten . . ."

URSULA PERSAK

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