Donnerstag, 17.10.2019

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Bademeister gesucht: Lagebericht im Kreis Forchheim

Über Probleme und Lösungen der Freibäder bei der Personalbesetzung - 30.06.2019 09:04 Uhr

Frank Hettmannsberger (li.) und Eken Gürkan arbeiten als Bademeister im Gräfenberger Freibad. Bürgermeister Nekolla sagt: „Wir haben vorausschauende Personalpolitik betrieben.“ Denn ein Bademeister allein reicht nicht aus für den Betrieb. © Foto: Petra Malbrich


Der Rundblick im Landkreis beginnt in Gräfenberg, wo die Gemeinde im Amtsblatt offiziell die Suche nach einem Bademeister ausschreibt: Die Liegewiese ist derweil übersät mit Decken, Spielwaren und Sonnenschirmen. Im Wasser planschen Kinder, auch Erwachsene nutzen die Zeit im Bad für Volleyball. Die Warteschlange an der Wasserrutsche ist lang. In allen Ecken und Winkeln wird geplaudert und gelacht. Der diensthabende Interims-Bademeister achtet auf sauberes Wasser und wird zwischendurch von den Badegästen etwas gefragt, während er den Blick aufmerksam über die Anlage schweifen lässt.

Abgelöst wird er von Kioskbesitzer Eken Gürkan, der Rettungsschwimmer ist und dann in seine Bademeisterkleidung schlüpft, um als Dienstaufsicht auszuhelfen. Damit unterscheidet sich das Gräfenberger Freibad in diesen Tagen nicht von anderen im Landkreises. Je weiter die Temperaturen nach oben klettern, desto mehr Bürger suchen Abkühlung und bedeutender erscheint die Rolle des kompetenten Aufpassers. Gerade erst zur Mitte der laufenden Badesaison konnte das Freibad Pottenstein in Betrieb gehen, nachdem Eigentümer und Kommune eine Übereinkunft erzielten.

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Aber zurück nach Gräfenberg: "Wir haben von der Stadt die Zusage erhalten, dass der Betrieb in der laufenden Saison auf jeden Fall gesichert ist. Natürlich sind wir sehr daran interessiert, dass eine Lösung für den Bademeister gefunden wird, die möglichst weit in die Zukunft trägt", sagt Grünen-Stadtrat Matthias Striebich und Vorsitzender des Fördervereins Freibad Gräfenberg, der diesbezüglich ständig mit Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) in Kontakt ist. "Dieser gibt zu: Die in Gräfenberg eingegangenen Bewerbungen sind übersichtlich."

Winterdienst im Bauhof

Trotzdem gibt er sich zuversichtlich. "Ich bin sehr optimistisch. Wir bauen das neue Hallenbad, das ein Lehrschwimmbad wird und auch dort brauchen wir qualitatives Personal für den Winter. Der neue Bademeister wäre dann ganzjährig beschäftigt", erklärt Nekolla. Bislang ist es so geregelt, dass der Bademeister im Winter im Bauhof beschäftigt ist. Personell bedingt in Bedrängnis, dass der Freibadbetrieb wie in Pottenstein gefährdet ist, kommt die Stadt Gräfenberg nicht. "Wir haben zwei Badeaufsichten, denn ein Bademeister allein reicht ohnehin nicht", erklärt Nekolla. Sobald der Bademeister ausfallen würde, müsste das Bad schließen, wenn keine andere Aufsicht da ist.

Mit Frank Hettmannsperger steht ein Aushilfsbademeister am Beckenrand und dieser wird von Eken Gürkan vertreten. "Wir haben vorausschauende Personalpolitik betrieben", so Nekolla. Wegen des Schichtbetriebs haben auch das Königsbad in Forchheim und das Ebser Mare in Ebermannstadt zwei oder gar mehr Bademeister. Im Egloffsteiner Freibad überblickt Sven Rißmann als Bademeister den Betrieb. Er hat Verständnis, wenn sich ein Bademeister beruflich verändern will. "Dann wenn andere Leute Urlaub haben, Grillen oder im Biergarten sind, stehen wir am Beckenrand. Von früh bis spät", sagt Rißmann.

Die eigentliche Arbeit beginnt weit vor den Öffnungszeiten. "Es muss das Wasser aufbereitet werden, der Müll weggebracht werden, damit die Gäste das Bad wieder schön vorfinden", zählt Rißmann auf. Der Egloffsteiner Bademeister ist nicht nur Fachangestellter für Bäderbetriebe, also richtig gelernter Bademeister, sondern bildet für die Deutsche Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) Forchheim auch Rettungsschwimmer aus.

Wasserwacht als Stütze

Nicht zuletzt weil der DLRG das Schwimmenlernen so am Herzen liegt, arbeitet sie in Egloffstein mit der Schule und dem Kindergarten zusammen. "Unser Ziel ist es, dass jedes Kind das Seepferdchen hat", sagt Rißmann. Wenn er sieben Tage die Woche und das den ganzen Sommer hinweg im Freibad Dienst hat, stehen ihm auch Rettungsschwimmer zur Seite. Im Winter muss er nicht im Bauhof arbeiten. "Da feiere ich Überstunden ab", sagt Rißmann. Gerade bei solchen Temperaturen kommen nicht wenige zusammen. Ihm bereitet der Beruf viel Freude. Vorher kam er aus der IT-Branche, dem einsamsten Job der Welt, wie Rißmann ihn bezeichnet.

Mit der Wasserwacht hat auch der Markt Neunkirchen am Brand seit der Eröffnung 1952 eine wertvolle Partnerschaft geschlossen. Die diensthabenden Badeaufsichten sind zwar alle Mitglieder der Wasserwacht. Aber: "Wenn wir Dienst haben, sind wir beim Markt Neunkirchen angestellt", erklärt Zweiter Bürgermeister Martin Mehl, der selbst langjähriger Vorsitzender der Wasserwacht Neunkirchen war und noch immer dem Vorstand angehört. "Wir schreiben die Dienstpläne und sorgen für die regelmäßige Aus- und Weiterbildung der Rettungsschwimmer", erklärt Mehl. Dazu gehören der Erste Hilfe Kurs und das Rettungsschwimmerabzeichen in Silber. Alle zwei Jahre muss das erneuert werden. Die dafür entstehenden Kosten übernimmt die Wasserwacht. Für die Aufsicht während der Freibadsaison muss die Gemeinde auch nur den vollen Stundensatz für die geleisteten Stunden übernehmen. Ist das Wetter weniger gut, zahlt sie ein Bereitschaftsdienstgeld. Denn die Freiwilligen nehmen sich ja für ihre Schichten extra Gleitzeit oder Urlaub.

An Wochenenden oder Feiertagen gibt es für die Kräfte der Wasserwacht hingegen kein Bereitschaftsgeld, denn an diesen Tagen hätten sie ohnehin frei und mussten den Beruf nicht anders koordinieren. "Der Wasserwacht liegt das Freibad sehr am Herzen", betont Mehl. Ihr reicht die immaterielle Dankbarkeit.

PETRA MALBRICH

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