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Bäume sterben den langsamen Salztod im Winter

Auch die Böden leiden auf Dauer: Einfache Tipps für die eisige Zeit - 08.02.2021 18:40 Uhr

Große Mengen an Streusalz sind im städtischen Bauhof gelagert. Der Forchheimer Winterdienst streut das Salz aber möglichst nur dort, wo die Straße unbedingt eisfrei sein muss.

08.02.2021 © Foto: Stefan Hippel


Mit Streusalz gegen Eisglätte anzukämpfen, ist bequem, aber teuer. Was rutschige Gehsteige, Radfahrwege und Straßen rasch eisfrei macht, schadet der Natur und den Autos. Rund 1,5 Millionen Tonnen Streusalz werden jedes Jahr auf Straßen und Wegen in Deutschland ausgebracht. Das Salz bleibt aber nicht auf der Straße, wo es für unsere Verkehrssicherheit sorgt, sondern gelangt durch den Verkehr und das Schmelzwasser in die Natur. Dabei gebe es umweltfreundliche Alternativen, wie der Bund Naturschutz in einer Pressemitteilung erklärt.


Winterdienst in Stadt und Landkreis Forchheim: Sole ist eine Alternative zum Salz


Jeder Haus- und Grundstückseigentümer und viele Mieter sind dazu verpflichtet, Gehwege und Zufahrten frei von Schnee und Eis zu halten. Viele greifen dabei gerne zu Salz. Jährlich landen so durchschnittlich 1,5 Millionen Tonnen Streusalz auf deutschen Straßen und Wegen. Ein Drittel davon wird von privaten Haushalten ausgebracht. Was viele nicht wissen: Die ökologischen und volkswirtschaftlichen Folgen sind gravierend. "Das Salz schädigt nicht nur Autos und Brücken, sondern auch Bäume und Böden. Viel besser sind salzfreie Streumittel aus Sand und Splitt. Sie mindern ebenfalls die Rutschgefahr und schonen unsere Umwelt", sagt Axel Schauder vom Bund Naturschutz, Kreisgruppe Forchheim. 

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So wirkt das Salz

Auftausalz besteht zu mindestens 94 Prozent aus Kochsalz, also Natriumchlorid. Es gibt aber auch Produkte, die Mineralien wie Calciumsulfat, Magnesiumsulfat oder Ton enthalten. Da auch bei Minusgraden immer etwas flüssiges Wasser im Schnee enthalten ist, können sich die Salzionen schnell lösen und verhindern ein erneutes Vereisen des Wassers. Durch das Bestreuen der eisglatten Straßen mit Salz, entsteht eine Salz-Wasser-Lösung, die den Schmelzpunkt des Eises herabsetzt. Fahren viele Autos auf einer gestreuten Straße, wird die schlammige Salzlösung in beachtlichen Mengen nach außen Richtung Bankett und Böschung geschleudert. "Die Straßen sind schnell eisfrei und trocken, dafür bekommt unsere Natur das ganze Salz ab", beklagt Schauder.

Das Streusalz wird im Boden angereichert und auch in regenreichen Jahren kaum ausgewaschen. Es behindert die Wasseraufnahme der Bäume und verändert deren Nährstoffhaushalt. Die Blätter vertrocknen, obwohl genügend Feuchtigkeit im Boden ist. Kleine Blätter, Braunfärbung der Blattränder und frühzeitiger Laubfall sind Folgen, die man dann im Frühjahr und Sommer sieht.

Böden werden dauerhaft geschädigt

Aber nicht nur die Bäume sterben einen langsamen Salztod, auch unsere Böden werden dauerhaft geschädigt. Durch komplexe chemische Prozesse wird die Struktur des Bodens zerstört und Nährstoffe durch Natrium verdrängt. Das Salz verkrustet die obere Bodenschicht, was den Austausch der Bodenluft verschlechtert. Schlechte Wasserspeicherung und die Auswaschung wichtiger Nährelemente können im Extremfall zu einer Bodenunfruchtbarkeit führen. "Ein flächendeckender Streusalzeinsatz führt zu einer generellen Chloridbelastung in den Bäumen, zu einer Natriumanreicherung in den Straßenrandböden und zu einem hohen Chloridgehalt im Sickerwasser. Unnötiger Salzeinsatz muss deshalb zwingend reduziert werden", so Schauder. 

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"Die umweltfreundliche Alternative zu Salz, ist das Räumen der Straßen und das Verwenden von salzfreien, abstumpfenden Streumitteln wie Sand, Splitt oder Granulat", fordert Axel Schauder. Im Handel seien die Produkte durch das Umweltzeichen "Blauer Engel" erkennbar. Vor angeblich umweltfreundlichen ökologischen Tausalzen, die Harnstoff enthalten, warnt der Bund Naturschutz ebenfalls. Harnstoff werde als Stickstoffdünger in der Landwirtschaft verwendet. Große Mengen auf Bürgersteigen landen über das Schmelzwasser in den Gewässern und können dort großen Schaden anrichten.

Heimische Produkte

"In Forchheim und Umgebung sind wir in der vorteilhaften Situation, dass man unter gleich mehreren Streusalz-Alternativen aus der Region auswählen kann", sagt Schauder. Das Pautzfelder Liapor-Werk bereitet zum Beispiel das Produkt Liapor-Winterstreu auf, das mit dem blauen Umweltengel ausgelobt wird. "Das Material wird übrigens vom Bauhof der Stadt Forchheim auf Wegen schon seit Jahren verwendet."

Weitere lokal verfügbare Salz-Alternativen aus der Region sind laut dem BN-Mitglied zum Beispiel:

– Diabas-, Basalt- oder Kalksteinsplitt (in den Kiesgruben der Büg oder im Baustoffhandel, eigentlich zum Verlegen von Trittsteinen, als lose Ware zu bekommen)

– Sand (Kiesgruben, aber auch Baustoffhandel)

– Sägemehl (fällt bei allen Selbstwerbern von Kachelofenholz an).

Ein weiterer Vorteil dieser Glätte- und Rutschhemmer sei, dass so Schnee und Matsch problemlos in die Vorgärten, an Hecken und Baumscheiben geräumt werden kann. Das Schmelzwasser komme so den Pflanzen zugute, ohne Salzschäden zu verursachen, den Problemen der Frühjahrstrockenheit im Garten werde damit vorgebeugt.

nn

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