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Bestattung und Trauer: Die Arbeit beginnt mit dem Tod

Die Bestattungsunternehmen kämpfen mit den steigenden Covid-Todeszahlen - 21.01.2021 11:33 Uhr

„Unsere Mitarbeiter sind bei der Arbeit gut gesichert, wir haben zudem ständig genug Desinfektionsmittel dabei“, sagt Anthony Brunner vom Bestattungsunternehmen Mang in Forchheim, hier mit seiner Tochter Jacqueline.

20.01.2021 © Foto: Edgar Pfrogner


Die Arbeit ist körperlich anstrengend und in vielen Fällen auch psychisch sehr belastend – speziell dann, wenn alle Bemühungen umsonst waren und ein Patient verstirbt. Dann beginnt die Arbeit einer anderen Berufsgruppe, über die so gut wie nie gesprochen wird, nämlich die der Bestatter. Auch für diese ist die tägliche Arbeit seit Beginn der Pandemie eine andere geworden.

"Die Situation ist anders als zuvor", sagt Armin Fuchs, Inhaber des Bestattungsunternehmens Fuchs in Gräfenberg. "Wir haben andere organisatorische Abläufe, auch bedingt durch die hygienischen Maßnahmen für unsere Mitarbeiter", so Fuchs weiter.

In kompletter Schutzausrüstung

Problematisch sei es speziell dann, wenn Leute zu Hause versterben und in Mehrfamilienhäusern wohnen. "In kompletter Schutzausrüstung ist es dann schon eine höhere körperliche Belastung, wenn die Toten über mehrere Stockwerke getragen werden müssen."

Bei stationären Einrichtungen sind hingegen die entsprechenden Arbeitsabläufe mittlerweile optimiert. Die Sicherheitsvorkehrungen bei Menschen, die durch oder mit Covid-19 verstorben sind, unterscheiden sich von anderen Trauerfällen deutlich. "Die Toten kommen in einen ,Body-Pack‘ und werden direkt in den Sarg gelegt", erklärt Anthony Brunner vom Bestattungsunternehmen Mang in Forchheim. "Unsere Mitarbeiter sind bei der Arbeit gut gesichert, wir haben zudem ständig genug Desinfektionsmittel dabei", informiert Brunner weiter.

Keine Trauer am offenen Sarg

Der Sarg darf danach aufgrund behördlicher Auflagen nicht mehr geöffnet werden, was für die Angehörigen eine große Belastung ist, "denn eine Verabschiedung am offenen Sarg ist unter den derzeitigen Umständen nicht möglich", so Brunner.

Dem pflichtet Daniela Engel vom Bestattungsunternehmen Opel in Forchheim bei: "Das können viele Menschen nur schwer verkraften, zeigen aber Verständnis für die Sicherheitsmaßnahmen." Zu diesen gehört auch, dass "die ,Versorgung‘ von Personen die an oder mit Covid-19 verstorben sind, nicht mehr möglich ist", wie Alois Gerjewitsch vom gleichnamigen Bestattungsunternehmen in Ebermannstadt mitteilt.

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Unter Versorgung sind Tätigkeiten wie Waschen und Umziehen der Verstorbenen zu verstehen. Da auch die zulässige Anzahl der Trauergäste auf den Friedhöfen begrenzt ist, fällt den Angehörigen das Abschiednehmen noch schwerer.

"Es sind Trauerfamilien dabei, die geben gar keine Todesanzeigen mehr auf, da Freunde und Bekannte ohnehin nicht auf den Friedhof kommen dürfen", so Gerjewitsch.

Die Todeszahlen steigen

Wer auf die reinen Todeszahlen in den Jahren 2019 und 2020 schaut, der wird zunächst keine Besonderheiten feststellen. Im Zuständigkeitsbereich des Standesamtes Ebermannstadt sind im Jahre 2020 sogar geringfügig weniger Leute verstorben als 2019. In Forchheim waren es etwas mehr. Dort gab es aber einen rasanten Anstieg am Jahresende. "Im Dezember war es extrem, das war schon heftig", weiß Daniela Engel zu berichten.


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Im Bereich Ebermannstadt war es zunächst etwas ruhiger, "doch seit Weihnachten geht es drunter und drüber", sagt Gerjewitsch. Auch Armin Fuchs stellt einen zuletzt starken Anstieg von Todesfällen fest, aber nicht alle wegen Covid-19.

Relativiert werden die absoluten Zahlen durch die Tatsache, dass die Todeszahlen um diese Jahreszeit auch in anderen Jahren ohnehin etwas höher liegen als im Jahresdurchschnitt. Die Lage ist dennoch angespannt: In Streitberg, derzeit ein Corona– Hotspot in der Region, begegneten sich vor kurzem an einem Tag einmal vier Bestatter bei ihrer Arbeit.

STEFAN BRAUN E-Mail

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