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Besuche eingeschränkt: So reagieren Seniorenheime im Kreis Forchheim

Sonderregelung für Menschen, die im Sterben liegen - 13.03.2020 21:19 Uhr

Das Seniorenzentrum Martin Luther der Diakonie in Streitberg ist wie alle Einrichtungen in Bayern vom Besuchsverbot betroffen.

© Foto: Berny Meyer


Wegen der Ausbreitung des Coronavirus untersagt der Freistaat Angehörigen weitgehend den Besuch von Alten- und Pflegeheimen sowie Krankenhäusern. Pro Patient sei ein Besucher pro Tag für jeweils eine Stunde angestrebt, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU). Das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz bittet per Pressemitteilung, von Besuchen an den Standorten in Forchheim und Ebermannstadt abzusehen.

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Wie gehen die Senioreneinrichtungen im Landkreis mit der neuen Regelung um? "Erst Freitagmorgen haben wir alles aus den Medien entnommen", sagt Gerd Schuster, Abteilungsleiter Pflege bei SeniVita. Als Erstes habe der Träger versucht, Genaueres bei Heimaufsicht und Regierung zu erfahren. "Bis jetzt konnte uns noch nichts Konkretes gesagt werden", sagt Schuster. Details würden den einzelnen Einrichtungen überlassen.

Nur notwendige Besuche

"Wir informieren Angehörige nun in Schreiben und Aushängen, dass wir darum bitten, auf die vielen täglichen Besuche zu verzichten und nur einzelne notwendige Besuche aufrechtzuerhalten", so Schuster. Ausnahmefälle, zum Beispiel, wenn jemand im Sterben liegt, werde es geben. Die meisten Angehörigen reagierten verständnisvoll.

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"Viele haben aus eigenen Stücken schon vorher ihre Besuche zurückgeschraubt, weil sie Ältere als Risikogruppe natürlich nicht in Gefahr bringen wollen." Wegen der Schulschließungen suchten Mitarbeiter nach Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder. "Wir suchen gerade nach Unterstützungsmöglichkeiten, um unsere Mitarbeiter zu entlasten", so Schuster. Unter anderem werde überlegt, in einem unbewohnten Gebäude in Gräfenberg eine Betreuung einzurichten.

"Manches ist noch unklar", sagt Alexandra Dauer, Leiterin der Diakonie-Seniorenzentren in der Fränkischen Schweiz. Eine Regelung wie "ein Besucher pro Tag für eine Stunde" könne kaum kontrolliert werden. "Aber es ist wichtig, Risikogruppen zu schützen und an den gesunden Menschenverstand zu appellieren", sagt sie. Veranstaltungen, Besuche von Friseuren und Fußpflegern seien in den letzten Wochen zur Vorsicht bereits entfallen.

"Bei manchen nicht gefruchtet"

"Die Jugend lacht vielleicht, die Oma aber nicht", sagt Jochen Misof, Leiter des diakonischen Wichern- und Jörg-Creutzer-Heimes in Forchheim. Er findet die neue Regelung gut, damit die Ausbreitung des Virus eingedämmt wird. Seit letzter Woche habe er Angehörige bereits gebeten, auf Besuche in Seniorenheimen auf das Notwendigste zu reduzieren. "Bei manchen hat das nicht gefruchtet, nun haben wir eine Ansage von oben, das ist gut."

Da die Schulen geschlossen sind, würden Pflegeschüler statt in den Unterricht nun in ihre Stammeinrichtungen gehen, was auch eine Hilfe sei. "Wir sind gut vorbereitet. Wie es weitergeht, wenn es einen Coronavirusfall in einer Einrichtung gibt, das steht allerdings auf einem anderen Blatt", sagt Misof.

Kontakt per Telefon und Skype

"Wir sind froh, dass es nun eine einheitliche Regelung gibt", sagt BRK-Kreisgeschäftsführerin Birgit Kastura. Die Bevölkerung wäre viel verunsicherter, wenn jede Einrichtung Besuche anders handhaben würde. Angehörige von Senioren in BRK-Heimen seien telefonisch informiert worden. Darüber hinaus gebe es Aushänge in den Seniorenheimen. Bislang hätten Angehörige äußerst besonnen und verständnisvoll reagiert. "Viele der Senioren nutzen neben Telefon auch das Internet und Skype", sagt Kastura.

So könne problemlos weiterhin Kontakt mit der Familie gehalten werden. Allerdings hat sie eine Sorge. Die Dienstpläne in den nächsten Wochen zu organisieren, sei ein "Riesen-Act". "Es wurde ja gesagt, dass es vor allem eine Lösung für Menschen in Gesundheitsberufen geben wird. Das ist auch dringend notwendig."

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