Schäden nach der Flut

Betroffene nach Hochwasser im Aischgrund: "Noch glimpflich davongekommen"

21.7.2021, 18:21 Uhr
Völlig überflutet waren die Pferdekoppeln am Reitstall der Familie Schrüfer in Haid.  Am Wochenende wird dort wieder alles in Stand gesetzt. 

Völlig überflutet waren die Pferdekoppeln am Reitstall der Familie Schrüfer in Haid.  Am Wochenende wird dort wieder alles in Stand gesetzt.  © Martin Schrüfer, NN

"Was will man denn machen?", sagt Schrüfer, der ein Haus direkt an der Aisch bewohnt. Die Flutwelle hat alle Pferdekoppeln, die zum kleinen Pferdehof gehören, den seine Frau betreibt, überschwemmt. Tagelang standen die Wiesen unter Wasser.

"Die Koppeln sind nahezu komplett zerstört, der Boden im Roundpen, also dort, wo die Pferde longiert werden, ist ebenfalls kaputt", zieht der 44-Jährige eine erste Bilanz. Doch das Hochwasser hat zumindest sein Haus verschont. Den finanziellen Schaden schätzt Schrüfer auf rund 5000 Euro.

"Wir müssen jetzt halt alles wieder aufbauen." Natürlich koste das Zeit, Geld und Nerven. Aber er habe Freunde und Helfer, mit denen er am nächsten Samstag alles wieder in Ordnung bringen will: Die Koppeln neu einzäunen, die vom Flutwasser kontaminierten Wiesen abmähen, den Boden im Roundpen neu aufbauen. Dazu wurde jede Menge Müll angeschwemmt, der entsorgt werden muss: Die Flut hinterließ Gartenzäune, Autoreifen, Hochbeete, Plastikteile und viele tote Fische auf seinem Grund. "Wir können nachts gar nicht lüften, weil es so stinkt", erzählt er.

"Brauche keine Hilfsgelder"

Hofft er auf finanzielle Hilfen vom Freistaat? "Nein, ich brauche keine", sagt Schrüfer sofort. "Wir sind ja nicht so schwer getroffen worden." Angesichts der furchtbaren Hochwasserschäden und menschlichen Tragödien an anderen Orten verändere sich die Sicht auf das eigene Schicksal.

Dennoch würde er sich gerne etwas wünschen, schiebt er vorsichtig nach: "Weil man Unwetter ja nicht verbieten kann, sollte man überprüfen, ob man im Aischgrund nicht Hochwassertechnisch etwas verbessern könnte. Da ist sicherlich Luft nach oben", meint er.

Währenddessen will die Bayerische Landesregierung den Hochwasser-Opfern in Bayern 50 Millionen Euro Soforthilfen zur Verfügung stellen. Doch das Kabinett legte fest, dass nur Gegenden, die als besonders stark getroffen gelten, unterstützt werden: das sind die Regionen in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Ansbach, Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim, Erlangen/Höchstadt, Fürth, Kitzingen, Schweinfurt und Hof.

"Fast vom Stuhl gefallen": Sich stark gemacht, damit Kreis Forchheim auch Hochwasser-Hilfen bekommt

Die Gemeinde Hallerndorf ist hier in der für die geplanten Hilfsgelder festgelegten "Gebietskulisse" gar nicht vorgesehen, wie der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete Michael Hofmann erläutert. "Ich bin fast vom Stuhl gefallen", schildert er seine Reaktion auf diese Erkenntnis.

Sofort habe er sich stark gemacht für die Betroffenen im Landkreis Forchheim und er habe den Abgeordneten-Kolleginnen und -Kollegen Fotos von den Hochwasserschäden aus Hallerndorf gezeigt. Das habe Wirkung gezeigt. Man könne nun zwar den Landkreis Forchheim nicht nachträglich in die Gebietskulisse integrieren, doch habe er erreichen können, dass "Geschädigte auch außerhalb der genannten Gebiete Hilfen bekommen müssen", erläuterte der Abgeordnete.

Ministerratsbeschluss zu Soforthilfen: Bis zu 5000 Euro je Haushalt

Geplant ist laut Ministerratsbeschluss nun, dass eine Soforthilfe „Haushalt/Hausrat“ in Höhe von bis zu 5000 Euro je Haushalt gewährt wird. Zudem soll es eine Soforthilfe „Ölschäden an Gebäuden“ in Höhe von bis zu 10.000 Euro je Wohngebäude gewährt geben. Bei Versicherbarkeit werde ein Abschlag von 50 Prozent abgezogen.

Martin Schrüfer watet am Tag nach der Flut durch seinen Garten in Haid.

Martin Schrüfer watet am Tag nach der Flut durch seinen Garten in Haid. © Athina Tsimplostefanaki

Auch für Unternehmen und Angehörige Freier Berufe sowie für die Land- und Forstwirtschaft werden Soforthilfen gewährt, ebenso stellt die Landesregierung bei drohender Existenzgefährdung Zuschüsse in Aussicht. Wie diese Soforthilfen des Freistaates beantragt werden können, wurde aktuell allerdings noch nicht veröffentlicht.

Hochwasser in Deutschland

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