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Bewegte Chronik: BRK Kersbach feiert 60. Jubiläum

Wie aus einem Erste-Hilfe-Kurs eine feste Einsatzgröße in Forchheim wurde - 22.10.2019 12:49 Uhr

Die geehrten Mitglieder des BRK in Kersbach. © Pauline Lindner


Begonnen hat es mit einem Erste-Hilfe-Kurs, den Klemens Mölkner, der spätere Bürgermeister von Hemhofen, abhielt. Er und Kreiskolonnenführer Paul Börner konnten mindestens acht Männer für die Arbeit im BRK gewinnen. Am 29. April 1959 fand die offizielle Gründungsfeier statt und gleich danach schlossen sich weitere Kersbacher an.

Elf Mann Personal, einen Zug- und zwei Gruppenführer gab es, die über folgendes Material verfügten: eine große Sanitätstasche, zwei Koppletaschen, zwei Tragen und eine Rotkreuz-Fahne.

Bald bildete sich auch eine Jugendgruppe, der auch der heutige Bereitschaftsleiter Josef Freund und Ernst Hanisch angehörten. Auch als Arzt blieb Hanisch dem Roten Kreuz treu. 1980 wurde er der erste Kolonnenarzt und stellvertretender Chefarzt auf Kreisebene. Heute verbindet man den Namen Hanisch mit dem Operationsroboter Da Vinci, den der Professor als erster in Deutschland einsetzte.

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Die Unterbringung der wachsenden Zahl von ehrenamtlichen Sanitätern bereitete Schwierigkeiten. Kurse in Schulhaus und Gaststuben sind überliefert. So begann man 1964 mit viel Eigenleistung (fast 2500 Stunden sind notiert) einen Bau auf dem heutigen Standort, einem Grundstück der Gemeinde. 1994 realisierte dort Bereitschaftsleiter Preusch einen Ersatzbau mit Platz für ein Einsatzfahrzeug und Blutspendedienst. 1997 übernahm sein Amt Josef Freund, der es bis heute innehat.

Erste Aufgaben waren die Sanitätsbetreuung der Sportvereine von Kersbach und Effeltrich. Die Einsatzübungen sollen so realistisch gewesen sein, dass manche für helle Aufregung unter der Bevölkerung sorgten. Auch zu feiern verstand man. Zum Beispiel Weinfeste.Doch bei einem kam eine Viertelstunde nach Ende ein Einsatzruf zu einem Brand in der Asylbewerberunterkunft in Bammersdorf. Glücklicherweise gab es keine Verletzten zu versorgen, aber die Schnelle Einsatzgruppe (SEG) aus Kersbach half mi,t Notunterkünfte aufzubauen.

Die SEG war die erste ihrer Art im Kreis. Hervorgegangen ist sie aus einer gut ausgebildeten ABC-Gruppe. Sie hatte ihre Einsätze bei zwei Flugzeugabstürzen im Landkreis – eine tschechische Iljuschin bei Oberrüsselbach und ein Starfigther bei Bräuningshof. Auch das Messen der Strahlung nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl gehörte zu ihren Aufgaben, die inzwischen meist den Feuerwehren obliegen.

1972 waren Schneider und Hanisch Helfer bei den Olympischen Spielen in München. Bei der Rumänienhilfe des Roten Kreuzes war man dabei und bei der Elbeflut 2002. Über zwei Wochen war Preusch dort im Partnerlandkreis Pirna in Sachsen im Einsatz. „Dass diese Erlebnisse knapp fünf Jahre später jäh in Erinnerung gerufen werden, hätte keiner gedacht“, sagt Preusch über den Sturzregen, der Kersbach, Baiersdorf und die umliegenden Orte heimsuchte.

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Vor allem nicht weiterkommenden Annafest-Heimkehrern boten die Kersbacher damals eine trockene Unterkunft und warme Getränke, noch bevor die offizielle Rettungsmaschinerie anlief.

Die Einsätze haben sich gegenüber den Gründerjahren gewandelt. Bereitschaft bei Open-Air-Festen und dem Annafest mit hohem Personaleinsatz sind der neue Standard. Und eine negative Erfahrung: aggressive Attacken gegen die Rettungskräfte.

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„Freiwillig und ehrenamtlich ist der Dienst“, betonte denn auch Franz-Josef Kraus als Kreisvorsitzender. Annafest-Bürgermeister Franz Streit hob die „erstaunliche Leistungsbereitschaft“ hervor. Ihren Gedanken schlossen sich Vize-Landrätin Rosi Kraus, Jörg Schneider von den Kollegen aus Langensendelbach und Vertreter der örtlichen Vereine an.

Kreisbereitschaftsleiter Helmut Karg händigte die Ehrenzeichen für langjährigen aktiven Dienst aus. Für 40 Jahre ausgezeichnet wurde Alfred Güthlein; für 45 Jahre Josef Freund und Ludwig Preusch; für 50 Jahre Ernst Hanisch; und für 60 Jahre die beiden Gründungsmitglieder Manfred Schneider und Willi Preusch.

Pauline Lindner

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