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Bierkeller im Kreis Forchheim: Treffpunkte mit Kultstatus

Die Bierkeller haben unter Auflagen wieder geöffnet, aber nicht alle - 30.05.2020 17:57 Uhr

Der Hutkeller in Weilersbach: Innerhalb von zwei Jahren machten er und der am Reifenberger Keller unterhalb der Vexierkapelle dicht. © Foto: Stefan Braun


Der Besuch "auf dem Keller" gehört bei schönem Wetter einfach dazu. Anders als bei den regionalen Gasthäusern, hat in den letzten Jahren auch kaum ein Bierkeller seinen Betrieb eingestellt. Im letzten Jahrhundert war dies noch anders. Viele Bierkeller sind verschwunden und werden es auch bleiben.

Das Konzept ist einfach, aber erfolgreich. Das Bier kommt aus dem Fass hinter der Theke, die alkoholfreien Getränke aus dem Kühlschrank und die Brotzeit lässt sich gut vorbereiten. Essen und Trinken holt sich der Gast an der Theke, das spart Personalkosten für Bedienungen. Die Auswahl unter den fast schon Kultstatus genießenden Treffpunkten in der Region ist groß.

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Die wenigen Keller, auf denen der Zapfhahn seit ein paar Jahren trocken bleibt, lassen sich nahezu an den Fingern einer Hand abzählen. Eine "Spitzenposition" nimmt hier Weilersbach ein.

Üppige Brotzeiten

Innerhalb von zwei Jahren machten der "Hutkeller" am Ortsende von Oberweilersbach und der etwas bekanntere, "Reifenberger Keller" unterhalb der Vexierkapelle dicht. Letzterer war nicht nur wegen seiner üppigen Brotzeiten bekannt, sondern auch wegen der unvergleichbaren Aussicht über das Wiesenttal und weit darüber hinaus.

Der zum Gasthaus "Hubert" gehörende Hutkeller war ein beliebter Treffpunkt, speziell der Bewohner von Oberweilersbach. Geblieben ist alleine der Keller des Gasthauses "Schütz" am Annaberg. Der neue Bürgermeister Marco Friepes hat aber Hoffnung, dass in nicht allzu ferner Zukunft wieder auf allen drei Kellern kühler Gerstensaft aus den Zapfhähnen fließen wird.

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Nicht mehr der Fall sein wird dies bei den Kellern des Ramstertales, die nur noch älteren Ebermannstädtern ein Begriff sein dürften. Die Keller, auf dem Weg hinauf ins Oberland waren nicht nur für Wanderer und Berufspendler, die abends mit Zug aus der Ferne nach Hause kamen eine willkommene Einkehrmöglichkeit. Bei gutem Wetter pilgerten die Ebser in Scharen zu den Kellern. Das Kellergelände diente der Stadt in früheren Zeiten auch als Festgelände, wie der Heimathistoriker Manfred Franze zu berichten weiß. In dem von Franze gemeinsam mit Christian Rösch verfassten Buch "Ebermannstadt – Erinnerungen an eine vergangene Zeit" erzählen die Autoren auch davon, wie die Keller im Krieg Schutz vor feindlichen Angreifern boten.

Weder Strom noch Wasser

Erinnern kann sich Franze auch noch an seine Zeit als jugendlicher Fußballer in Eggolsheim. Dort diente in den 60er Jahren der "Reinwaldkeller" an der Verbindungsstraße von Eggolsheim nach Kauernhofen den Kickern als Vereinsheim. An eine etwaige Wiedereröffnung ist dort aber ebenso wenig zu denken, wie an die des "Schwarze Kreuz Keller" im Ortsteil Weigelshofen.

Der Schwarzer Keller des Braugasthofs Pfister hatte 2015 zuletzt geöffnet. Die Inhaberin schließt eine Wiederöffnung aus.

© Stefan Braun


Der vom Brauereigasthof Pfister betriebene, beliebte Keller hatte 2015 zum letzten Mal geöffnet. Sein Nachteil: Es gab dort weder Strom noch Wasser. Inhaberin Elisabeth Pfister schließt eine Wiedereröffnung daher aus: "Wir müssten auf eigene Kosten für die notwendigen Anschlüsse sorgen. In der jetzigen Form lassen die verschärften hygienischen Vorschriften eine Bewirtung nicht zu. Es stehen aber Bänke dort. Jeder kann sich hinsetzen und mitgebrachte Speisen oder Getränke zu sich nehmen."

Auch der Eismann-Keller in Kauernhofen und der zur ehemaligen Brauerei Hofmann gehörende Keller im Ortszentrum auf dem Gelände des heutigen Rathauses, dürfte nur noch älteren Bürgern von Eggolsheim ein Begriff sein. Beide werden seit vielen Jahrzehnten nicht mehr betrieben. Der zum damaligen Gasthaus Eismann gehörende Keller war ein reiner Schankkeller, "in dem der Wirt sein Bier auf dem Weg von Buttenheim zum Gasthaus zur Kühlung zwischenlagerte", wie Otto Zollner zu berichten weiß.

Von den Amerikanern zerstört

Er kümmert sich hobbymäßig um die Geschichte seines Heimatsortes. Ende des Krieges war das Schankgebäude von den Amerikanern zerstört worden, die bei ihrem Eintreffen von dort aus beschossen wurden. Nach dem Wiederaufbau lief der Kellerbetrieb bis 1962 weiter.

Der ehemals größte Keller in Eggolsheim gehörte der ehemaligen Brauerei Kraus. Er bot den Besuchern sowohl über, als auch unter der Erde reichlich Platz. Seit den 70er Jahren läuft auch dort kein Bier mehr durch die Zapfhähne. Eine Wiedereröffnung ist derzeit ausgeschlossen.

Nur noch dem Namen nach ein Keller ist der "Kroderkeller" in Schlaifhausen. Er diente seinerzeit lediglich zu Lagerzwecken. Einen verbrieften Ausschank gab es dort aber nie.

STEFAN BRAUN

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