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"Bleedwaafer" aus Effeltrich sorgen mit Corona-Song für Lacher im Netz

"Sozusagen fränkisches Entertainment zum Ablenken" - 08.04.2020 16:39 Uhr

Steffen Wolf (oben) und Johannes Steinert (unten) nehmen als "Bleedwaafer" merkwürdige Auswüchse der Krise auf die Schippe – und ernten dafür im Netz Beifall. © Screenshot: NN


Seit 2004 ziehen die Waafer genüsslich Klatsch und Tratsch aus dem Gemeindeleben durch den Kakao, oft garniert mit Parodien bekannter Musikstücke.

Die diesjährige Narrenzeit war kaum vorüber als die Corona-Epidemie zur Pandemie wurde – und allgemeine Krisenstimmung ausbrach. „Der Effeltricher Fosanochtsverein hat nun aber im Auftrag der guten Laune verschiedene Videos in der Corona-Krise erstellt“, erklären die Bleedwaafer. „Sozusagen fränkisches Entertainment zum Ablenken für zuhause.“ Das geschieht freilich nicht mehr live vor Publikum, sondern im Internet; den Anfang machten die Gardemädels mit einem Mitmachtanz. „Und so haben wir als Bleedwaafer überlegt, ein Lied über die jetzige Situation zu dichten.“

„#Bleibtzuhause“ nennt sich der Song des Duos, der mit dazugehörigem Video auf der Facebookseite des Faschingsvereins inzwischen fast 340 Mal geteilt wurde. Als Vorbild diente ihnen der Schmachtfetzen-Evergreen „Hero“ des Schmusepoppers Enrique Iglesias (ältere Semestern erinnern sich an seinen Vater, Latino-Schlagersuperstar Julio Iglesias). Mit ihrer Interpretation des Iglesias-Hits („Ich bin halt bloß a Franke“) hatten sie bereits in den Bleedwafer-Anfangstagen ihren ersten Faschings-Kracher, nun haben sie ihn auf Corona umgedichtet.

Die Aufnahme erwies sich als ziemlich aufwändig, wegen der Kontaktsperre mussten die Beiden das Lied getrennt voneinander einspielen. „Wir haben vorher viel experimentiert. Per Live-Video über Handy hat man eine große Verzögerung. Über unser Schnurtelefon – eine Blechdosen mit Wurschtschnur – klang es zu blechern. Und mit Buschtrommeln oder Rauchzeichen hätte man den Text schlecht verstanden“, berichten die Waafer in angemessener Ernsthaftigkeit.

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Deswegen wurde zuerst das Playback von Steinert im Heimstudio aufgenommen, danach sang Wolf seinen Part zuhause mit einem Aufnahmegerät ein. Anschließend wurden beide Teile per App zusammengefügt – fertig war das epische Werk. Was ihnen durch den Kopf ging nachdem ihr Stück fertig war? „Wir haben uns ein bisschen wie Moses gefühlt, kurz nachdem er fertig war mit Meer teilen“, sagen die bescheidenen Effeltricher.

Sie betonen: „Ganz wichtig: Man sollte trotz der schwierigen Zeiten den Humor nicht verlieren.“ Dabei wollen sie sich nicht über die gefährliche Situation lustig machen, sondern mit dem satirischen Liedtext bizarre Krisen-Auswüchse wie Klopapier-Hamsterei oder sinnbildliches „Baden in Sagrotan“ auf die Schippe nehmen. In schönster fränkischer Mundart, versteht sich.

Das Texten war dabei noch das leichteste: „Wir schreiben unsere Songs immer zusammen. Wenn man erst mal ein Grundthema gefunden hat, sprudeln die Ideen und Songzeilen meist nur so heraus – wie ein unerschöpflicher Quell an Kreativität.“

ein ernstes und hoffnungsvolles Anliegen: Steinert und Wolf beklagen die prekäre Bezahlung von Pflegepersonal, das jetzt „den Loden“ am laufen halten muss, fordern gleichzeitig Zusammenhalt in der Krise und – wie es im Refrain heißt – „drum bleib ma ez zuhause!“

Die vielen positiven Rückmeldungen auf ihr Video freuen die Bleedwaafer „natürlich wahnsinnig“, auch Anrufe von Senioren, die es von ihren Enkeln gezeigt bekommen haben, seien darunter gewesen.

Ihr Resümee: „Das Video ging ja sozusagen viral. Allein von den Klickzahlen erkennt man, dass im Landkreis Forchheim mehr Leute unser Corona-Video gesehen haben, als den Coronavirus selber. Wir hoffen, dass das auch so bleibt.“

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