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Mittwoch, 26.06.2019

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Borkenkäfer-Invasion zwischen Reuth und Weilersbach

2000 Festmeter Holz werden aufgearbeitet: "Bisher nicht gekanntes Ausmaß" - 23.03.2019 08:00 Uhr

Der Forstbetrieb bittet in den kommenden Wochen am Auerberg um Verständnis, wenn die Wege zeitweise gesperrt oder in Mitleidenschaft gezogen sind. Nach Abfuhr des Käferholzes werden die Wege so rasch wie möglich wieder instandgesetzt. © EDUARD WEIGERT


Wenn Stephan Keilholz erzählt, dass er „großes Bauchweh“ hat, dann hat er nicht mit Magenproblemen zu kämpfen; wohl schlägt dem Leiter des Forstbetriebs Forchheim aber ein altbekannter Schädling auf die Magennerven: „Der Borkenkäfer macht uns ziemlich Sorge“, erzählt Keilholz.

„Große Schäden“ habe das winzige Tierchen gerade rund um Reuth verursacht. Dass vor allem die besonders stattliche „Herz-Fichte“ im Mäusgraben am Auerberg zwischen Reuth und Weilersbach Opfer des Borkenkäfers wurde schmerzt Keilholz, wenn er sagt: „Der imposante Baum ist vor dem Winzling in die Knie gegangen.“ Denn obwohl das Prachtexemplar einer Fichte mit einem Herz am Stamm mehr als 40 Meter hoch ist, konnte der Baum den unzähligen „Buchdruckern“ und „Kupferstechern“ keinen Widerstand leisten.

Als Totholz wird der Baumriese stehen gelassen, alle anderen Bäume müssen so schnell wie möglich raus aus dem Wald. Grund des Borkenkäfer-Befalls ist der Supersommer des vergangenen Jahres, der noch immer seine Spuren in den Wäldern hinterlassen hat. Der Borkenkäfer konnte sich schnell vermehren. Deshalb fällen die Förster im Raum Forchheim schon jetzt Bäume, die befallen sind.

Sehr widerstandsfähig

Wer glaubt, dass der Winter mit Eiseskälte und frostigen Temperaturen dem Schädling den Garaus macht, irrt gewaltig: Weil Borkenkäfer sehr widerstandsfähig sind, sterben sie auch im Herbst und Winter nicht aus. In dieser Zeit überwintern die kleinen Tierchen sowie ihre Larven und Eier bis zum nächsten Frühjahr und fahren anschließend – bei geeigneten Umweltbedingungen – mit ihrer Entwicklung wie gewohnt fort. Das heißt, wenn es im Frühling wieder wärmer wird, können sie sich explosionsartig vermehren. Denn ab einer Temperatur von etwa 15 Grad haben die Krabbeltiere ihre Wohlfühltemperatur.

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Zur Eiablage bohrt der Borkenkäfer dabei kleine Gänge in die Bäume. Diese Gänge werden auch als sogenannte Brutsysteme bezeichnet. Durch die Bohrtätigkeiten der braunen Tiere werden essentielle Leitungsbahnen der Bäume zerstört. Borkenkäfer fühlen sich auch auf bereits gefällten und auf dem Boden liegenden Ästen und Stämmen wohl. Im Lauf einer Vegetation legen die Borkenkäfer bis zu 150 Eier ab. In einem warmen Frühjahr können die Käfer auf diese Weise bis zu drei Populationen hervorbringen. Ohne geeignete Gegenmaßnahmen ist der Schädling in der Lage, sich rasch zu vermehren.

„Seit August vergangenen Jahres grassiert die Käferkalamität“, bestätigt Stephan Keilholz. Die große Trockenheit von März bis November mit gerade mal 260 Litern Niederschlag pro Quadratmeter und viel zu hohen Temperaturen haben die Entwicklung der Käfer beschleunigt und gleichzeitig die Bäume geschwächt.

„Durch Borkenkäfer, Dürre und Stürme sind seit Sommer vergangenen Jahres bereits über 30.000 Kubikmeter Schadholz angefallen“, informiert der Forstbetrieb Forchheim.

Wie die Zukunft der Wälder aussieht, hängt dabei auch vom Wetter der nächsten Wochen ab. „Wenn es am vergangenen Wochenende nicht geregnet hätte, müssten wir bereits die weiße Fahne hissen“, sagt Keilholz. Denn nur ein kühles und vor allem regnerisches Wetter könne ein Ansteigen der Käfergefahr mildern.

Zum Gefährdungsgebiet erklärt

Die Massenvermehrung des Borkenkäfers macht dabei auch vor Landkreisgrenzen nicht Halt. So hat die Regierung von Mittelfranken vor wenigen Tagen erneut, nach dem Jahr 2014, eine Anordnung zur Bekämpfung der Schädlinge erlassen. Damit gelten besondere Auflagen. Die Anordnung gilt ab sofort bis Ende des Jahres 2023. Sie erklärt alle Nadelwälder, alle Mischwälder sowie Grundstücke, auf denen in weniger als 500 Metern von diesen Wäldern unentrindetes Nadelholz lagert, zu Gefährdungs- und Befallsgebieten der Fichtenborkenkäfer.

„Momentan werden am Auerberg etwa 2000 Festmeter Käferholz aufgearbeitet, ein bisher nicht gekanntes Ausmaß. Ich bin froh, dass unter den meisten Altbeständen wenigstens eine stabile Mischung aus jungen Eichen, Buchen, Esskastanien, Douglasien und Lärchen nachwächst, die mit Stürmen, hohen Temperaturen und Trockenheit besser zurechtkommen, als die jetzt absterbenden Fichten“, sagt der Leiter des Forstbetriebs Forchheim.

Fichten haben indes kaum eine Zukunft mehr in den Wäldern, weil es für sie bei der prognostizierten Klimaerwärmung zu heiß, zu trocken und zu stürmisch wird. Das Herz der Forchheimer Förster hängt deswegen künftig nicht mehr an Fichten, sondern an klimatoleranten Herz-Eichen, Herz-Tannen oder Herz-Buchen. 

Birgit Herrnleben Nordbayerische Nachrichten Forchheim E-Mail

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