Freizeit

Camping-Trend in der Fränkischen Schweiz: Mehr Wohnmobil-Stellplätze geplant

13.6.2021, 06:00 Uhr
Nach den Pfingstferien hat sich die Lage der Fränkischen Schweiz (im Bild Egloffstein) wieder beruhigt. Wohl aber nur vorübergehend. Die Region rechnet verstärkt mit Campern.

Nach den Pfingstferien hat sich die Lage der Fränkischen Schweiz (im Bild Egloffstein) wieder beruhigt. Wohl aber nur vorübergehend. Die Region rechnet verstärkt mit Campern. © Annika Falk-Claußen

In den Pfingstferien waren in der Fränkischen Schweiz alle ausgewiesenen Wohnmobilstellplätze und zahlreiche Parkplätze belegt mit Wohnmobilen. Camping hat in Corona-Zeiten einen Boom erlebt. Neue Initiativen sollen das Geschäft weiter beflügeln.

Die bayerische Staatsregierung plant eine Gesetzesänderung, wonach es Landwirten bayernweit erleichtert werden soll, bis zu drei Stellplätze für Wohnmobile auf ihrem Gelände einzurichten. Es wäre eine Win-Win-Situation: Die Landwirte haben den Platz und könnten zusätzliche Einnahmen generieren. Das Bauministerium will Betrieben damit ein zweites wirtschaftliches Standbein ermöglichen.

Stellplätze bei Landwirten: Vor-und Nachteile für die Bauern

Werner Nützel, Geschäftsführer des Kreisverbandes Forchheim des Bayerischen Bauernverbandes, sieht in diesem Vorstoß Vor- und Nachteile. Die Einnahmen durch Stellplatzvermietung auf Höfen, die bereits vor mehreren Jahren aufgegeben worden sind, seien ein "nettes Taschengeld" und das Konzept sei interessant für Betriebe mit Hofladen oder anderer Direktvermarktung. "Ein Problem sind leider die schlechten Erfahrungen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie", so Nützel.


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Tagesausflügler und Wildcamper hätten teilweise die Dörfer überflutet, Feldwege zugeparkt, Müll auf Wiesen und Wegen liegen lassen und in der Natur ihre Notdurft hinterlassen. Deshalb erwartet er gewisse Voraussetzungen für derartige Stellplätze: Die Müllfrage sowie Ver- und Entsorgung müsse geklärt sein. "Und klar muss sein, dass das nicht gratis ist, weil es auch einen Aufwand für die Landwirte bedeutet", so Nützel, der eine Chance darin sieht, die Menschen nebenbei über Landwirtschaft und die Erzeugung von Lebensmitteln zu informieren. Eine Vermarktung dieser Plätze müsse zentral über die Tourismuszentrale laufen.

Kaufkraft der Camper: 50 Euro pro Wohnmobil

Nach Schätzungen des Bundeswirtschaftsministeriums kann eine Kaufkraft von etwa 50 Euro pro Wohnmobil (durch Einkäufe, Eintritte oder Gastro) in den Kommunen gebunden werden. Auch die Gemeinden haben den Trend erkannt und haben sich im Verein "Ile Fränkische Schweiz Aktiv" gemeinsam Gedanken über ein Wohnmobilstellplatzkonzept gemacht. In dieser Woche wurde es einstimmig von den zwölf beteiligten Kommunen verabschiedet.

Auf deren Gebiet befinden sich aktuell 31 Wohnmobilstellplätze: zehn in Ebermannstadt, zehn im Wiesenttal, acht in Gößweinstein und drei in Waischenfeld. Auch der Parkplatz am Freibad Streitberg wurde aufgrund der höheren Nachfrage kurzfristig für Wohnmobile geöffnet. "Diese Parkplätze eignen sich nur für Kurzaufenthalte von einer Nacht, da sie keine Entsorgungsmöglichkeiten bieten", sagt Ile-Allianzmanagerin Corinna Brauer. "Der Parkplatz am Friedhof in Gößweinstein wird gerade dahingehend ausgebaut."

Eine Lösung für die Klo-Frage beim Campen

In Zusammenarbeit mit dem Forchheimer Regionalentwicklungsbüro Cima wurden in den vergangenen Monaten geeignete Flächen für weitere Stellplätze gesucht. Jetzt soll jede Gemeinde für sich unkompliziert Stellplätze ausweisen. "Das geht auf bereits versiegelten Flächen einfach, dafür muss nicht mal der Gemeinderat befragt werden", so Brauer. "Wir wollen einen Impuls setzen für die Region."


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In den nächsten Monaten sollen zudem weitere Möglichkeiten der Ver- und Entsorgung geprüft werden. Und gemeinsam mit dem Naturpark soll ein Netz an Kompost-Toiletten errichtet werden.

Tourismuszentrale Fränkische Schweiz: "Großes Potenzial für die Region"

Matthias Helldörfer begrüßt die Initiativen. Der Leiter der Tourismuszentrale Fränkische Schweiz sieht im Wohnmobiltourismus "großes Potenzial" für die Region. Denn Camper seien eine stark wachsende Zielgruppe. Zwischen April 2020 und März 2021 wurden deutschlandweit 81 730 Reisemobile – und damit 43 Prozent mehr als in der Saison davor – neu zugelassen.

Die geplanten kleinen Einheiten machen es "besonders attraktiv" und "können dazu beitragen, dass das Wildcampen eingedämmt wird". In den vergangenen Wochen kam es immer wieder zu Beschwerden von Einheimischen, da Wohnmobile mitten in der Natur übernachtet haben. "Solange sie auf offiziellen Parkplätzen bleiben und ihren Müll wieder mitnehmen, sagt keiner was", so Helldörfer, aber ein Konzept mit Stellplätzen auf Parkplätzen und Bauernhöfen würde sicher auch Wildcamper dazu bringen, naturnah und in Ruhe ganz offiziell zu übernachten. Er hofft, dass das Konzept umgesetzt wird.

Pfingstferien: Täglich bis zu zehn Wohnmobile

Auch auf den Parkplätzen in Egloffstein übernachteten in den Pfingstferien täglich bis zu zehn Wohnmobile, obwohl es nur einen offiziell ausgewiesenen Stellplatz auf dem Gelände des neuen Busbahnhofes gibt. Solange die Camper ihren Müll wieder mitnahmen, wurde das stillschweigend akzeptiert, so Bürgermeister Stefan Förtsch. Die Kommune ist nicht Mitglied bei der Ile Fränkische Schweiz, sondern der Ile Wirtschaftsband A9-Fränkische Schweiz, zu dem die Orte im Nordosten des Landkreises Forchheim zählen. Egloffstein hat aber bei der Cima direkt eine Konzepterstellung beauftragt, die Ende 2021 fertig sein soll. 2022 soll es dann an eine Umsetzung von Wohnmobilstellplätzen gehen.


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Förtsch erhofft sich durch eine zahlungskräftige Zielgruppe positive Effekte für den Tourismus. "Das ist meist eine gut situierte Schicht. Das sind nicht die, die sich keinen anderen Urlaub leisten können." Förtsch würde es aber begrüßen, das Thema für die ganze Region anzugehen, er befürchtet sonst einen "Flickenteppich". "Im Außenmarketing wird das dann wieder nicht wahrgenommen werden." Es heißt also: Synergien nutzen und Kräfte bündeln, um den Wohnmobiltourismus in der Fränkischen Schweiz weiter auszubauen.

Eine Übersicht über Wohnmobilstellplätze bietet die Tourismuszentrale unter www.fraenkische-schweiz.com

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