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Corona-Aktion mit Herz: Freizeithippie aus der Fränkischen Schweiz verzaubert Bewohner im ASB-Heim

"Ich liebe Euch alle": Hobbysänger singt in Corona-Zeiten für Behinderte - 08.05.2020 19:38 Uhr

„Mir tun die Menschen leid“, sagt Michael Braun. Weil viele Freizeitveranstaltungen im Behindertenbereich wegen Corona ausfallen müssen, hat sich der ehrenamtlich bei der Offenen Behindertenarbeit Engagierte spontan zu einem Open-Air-Konzert entschieden. © Foto: Günter Distler


Er macht es auf seine eigene Art und Weise und besingt das auch: "I did it my way" von Frank Sinatra, interpretiert von Michael Braun. Mit regenbogenfarbenen Schuhen, einem Peace-Zeichen um den Hals und seinem farbenfrohen Camper mit der Aufschrift "Freizeithippie" steht der Gasseldorfer auf dem Vorplatz des ASB-Wohnheims in Forchheim. Auf den Balkonen haben sich die Bewohner versammelt, tragen Mundschutz und warten freudig auf den Auftritt eines ganz besonderen Freundes.

Braun ist 50 Jahre alt und engagiert sich ehrenamtlich in der Offenen Behindertenarbeit in Forchheim. Dort ist er zwei Rollstuhlfahrern und zwei geistig behinderten Menschen eine Hilfe. "Ich helfe ihnen zu Hause, gehe mit ihnen einkaufen, ins Schwimmbad oder auch mal ins Fußballstadion", erzählt er. Den Bewohnern des ASB-Heims ist Braun deshalb kein Unbekannter.

Spontane Idee, am Lagerfeuer entstanden

"Ich liebe Euch alle. Ihr habt mein Leben bereichert", spricht er ins Mikrofon zu seinen Zuhörern. Sein Auftritt ist einer spontanen Idee am Lagerfeuer geschuldet. "Weil Ihr wegen Corona keine Freizeitveranstaltung mehr besuchen könnt, habe ich gedacht, kommt die Veranstaltung eben zu Euch", sagt er und dreht die Boxen auf.

Nach einem musikalischen Ausflug mit Sinatra nach New York geht es weiter nach Memphis. Braun schlüpft kurzerhand in die Rolle von Elvis. Die Bewohner tanzen, klatschen und applaudieren mit einem verzauberten Lächeln.

Die Bewohner tanzen und klatschen auf ihren Balkonen

"Die Bewohner blühen richtig auf", sagt Lukas Hänsch, der beim ASB Forchheim für die sozialen Dienste und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Weil sich die Behinderten aus verschiedenen Wohnbereichen in Zeiten der Pandemie nicht treffen dürfen, baut der Gasseldorfer Elvis seine mobile Konzertstation nach einer halben Stunde Hofkonzert ab und im Hinterhof für neue Zuschauer wieder auf.

Bereits vor einer Woche hat Braun ein Konzert für die Bewohner im Sonnenhaus Unterleinleiter gegeben. "Sie haben gelacht und getanzt", sagt er. "Ich finde es schade, dass es bisher so wenige Nachahmer gibt, die vor Heimen für die Bewohner singen." Er will andere Künstler mit seinen Auftritten motivieren, seinem Beispiel zu folgen. "Wer weiß, ob es nicht wieder zu Beschränkungen kommt in der nächsten Zeit und die Bewohner wieder in ihren Heimen bleiben müssen, ohne Kontakt zur Außenwelt. Mir tun sie leid."

Er legt auch als DJ auf

Zum Singen gekommen ist der 50-Jährige übrigens zufällig. Angefangen hat es mit Karaoke. Auftritte bei privaten Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern in seiner Verwandtschaft folgten. Auch Gottesdienste in Kirchen habe er schon öfter mit seiner Stimme begleitet. "Das Singen ist eine Liebe von mir. Ich habe nie Gesangunterricht genommen, würde mich selbst also als Hobbysänger bezeichnen. Die Leute sagen jedenfalls, dass es sich gut anhört."

Der Auftritt am Freitagnachmittag vor dem ASB-Wohnheim soll nicht der letzte gewesen sein. Genaueres geplant ist aber noch nicht. In petto hat der 50-Jährige noch mehr. Braun singt nicht nur gerne, sondern legt auch als DJ auf. Wer weiß, wo demnächst die Beats erklingen . . .

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