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Corona: Das sagen Forchheims Wirte zur Gästelisten-Pflicht

Im Zweifelsfall sollen Infektionsketten nachvollziehbar sein - 29.06.2020 06:00 Uhr

In Lokalen und Gastwirtschaften müssen die Gäste ihre Kontaktdaten hinterlassen. So soll erfasst werden, wer wann wo zu Besuch war und sich im Zweifelsfall mit Covid-19 angesteckt haben könnte. Das Gesundheitsamt kann dann darauf zurückgreifen.

© Foto: Ralf Rödel


Das Gesundheitsamt kann dann auf diese Daten zurückgreifen. Für die Lokale bringt dies eine gewisse Zettelwirtschaft mit sich. Die meisten Wirte aber nehmen es wie es ist.

"Wir haben Vordrucke erstellt, die unsere Servicekräfte zusammen mit der Speisekarte an den Tisch bringen", erklärt Hermann Priller, Inhaber des Currywoschdhauses am Paradeplatz. Der Name muss eingetragen werden, die Kontaktdaten, und auch, wann im Lokal gespeist wurde. Bis jetzt habe das eigentlich kein Gast in Frage gestellt.

"Einen gab es mal, der wollte erklärt haben, um was es geht", erzählt der Gastwirt. Er habe ihm zunächst augenzwinkernd gesagt, dass das eine Masche sei, um an die Telefonnummern der hübschen Frauen zu kommen. Gleich im Anschluss aber habe er ihm erklärt, um was es wirklich geht, so Priller. "Und dann war es auch okay."

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Ob die Gäste übrigens ihre tatsächlichen Daten eintragen oder Max Mustermann, das kontrolliere er nicht. Nur, ob überhaupt etwas dort steht. Ist das der Fall, kommt der Zettel mit allen anderen, die an diesem Tag ausgefüllt wurden, in einen Ordner. Vier Wochen werden die Kontaktdaten damit quasi analog gespeichert, danach vernichtet. "Inzwischen haben wir damit begonnen, ersten Zettel zu schreddern", erklärt Hermann Priller.

Ganz ähnlich wird es im Sushi-Restaurant Hiro Sakao im Forchheimer Medical Valley Center gehandhabt. Auch hier hinterlassen die Besucher auf eigens gedruckten Zetteln Name, Telefonnummer und Zeit, in der sie vor Ort gewesen sind. Das Ganze werde dann abgeheftet und so lange aufbewahrt, wie es sein muss, erklärt ein Mitarbeiter. "Für die meisten unserer Gäste ist das in Ordnung so", sagt er. Manchmal müsse eine Servicekraft erklären, worum es ginge, aber wirklich in Frage gestellt, habe das Vorgehen noch niemand.

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Ähnliches berichtet man auch aus dem Restaurant Gutlands im Arivo-Hotel. Um dem Zettelwust vorzubeugen, hat man sich hier – zumindest für die Frühstückskarte – eine eigene Lösung einfallen lassen. "Wir haben die Karte auf ein Blatt gedruckt, auf dessen Rückseite der Vordruck für die persönlichen Daten steht", erklärt ein Mitarbeiter. Die Karte wird wegen der Hygienevorschriften sowieso nur einmal benutzt und kann dann direkt abgeheftet werden. Auch hier war die Erfahrung: "In Frage gestellt hat das eigentlich noch kein Gast."

Diese Einschätzung teilt Georg Hötzelein vom gleichnamigen Landgasthof in Regensberg. Als Vorsitzender des Kreisverbandes der Dehoga hält er außerdem Kontakt zu seinen Kollegen im Landkreis. "Der Prozentsatz der Gäste, die sich weigern, ihre Daten zu hinterlassen, ist verschwindend gering", weiß er deshalb. Das gelte übrigens auch für die Kollegen, die das Vorgehen an sich in Frage stellen. "Die meisten sind froh, dass wir wenigstens wieder geöffnet haben", sagt er.

Dass sie die Anzahl der Tische reduzieren mussten und Einnahmen fehlen, schmerzte. Und die Hygienekonzepte inklusive der Anwesenheitszettel seien bürokratischer Aufwand. "Aber das ist jetzt eben so."

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Abhilfe schaffen könnte zumindest in Sachen Zettelwirtschaft die vom Verband geplante Einführung eines QR-Codes. Der Gast scannt dann am Eingang des Lokals oder an seinem Tisch einen QR-Code und checkt damit via Smartphone online ein. Ob und wann dies auch in den Gastwirtschaften im Landkreis Forchheim möglich ist, darüber kann Georg Hötzelein noch nichts sagen.

Solange jedenfalls werden weiterhin Zettel abgeheftet. Auch im Restaurantbereich des Feinkostladens Karnbaum in Forchheim. Und da hat sich in den vergangenen Wochen schon so manches angesammelt. "Ein Ordner reicht dafür schon lange nicht mehr", sagt deshalb Alexandra Schumm. "Natürlich ist das ein riesiger Aufwand, allein das Ausdrucken der Formulare", sagt sie. Beim privaten Essen in anderen Lokalen habe sie daher schon gesehen, dass es Listen gebe, in die sich die Leute beim Betreten eintragen. Vom Aufwand her wäre das natürlich einfacher, von Seiten des Datenschutzes aber bedenklich.

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Deshalb greift man bei Karnbaum auf einen Vordruck zurück, den die Dehoga anbietet. Den bekommen die Gäste ausgehändigt. "Die Masse füllt ihn einfach aus", sagt sie. Von Fällen, in denen Gäste das Prozedere in Frage stellen, habe sie in ihrem Geschäft noch nichts gehört.

Dennoch ist sie sich sicher, dass es solche Fälle anderswo gibt. "Ich persönlich finde das nicht kritisch, unsere moderne Gesellschaft bringt so etwas nun mal mit sich." Immerhin hinterlasse man auch bei jeder Kartenzahlung seine Daten.

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