Montag, 23.11.2020

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Corona: Entfallen die Schulkonzerte vor Weihnachten im Kreis Forchheim?

Derzeit planen die Gymnasien ganz unterschiedlich, manche mit einer digitalen Veranstaltung - 26.10.2020 06:54 Uhr

Beim Weihnachtskonzert des Gymnasiums Fränkische Schweiz im vergangenen Jahr in der Ebermannstädter St. Nikolaus-Kirche standen und saßen die Musiker/innen dicht gedrängt. Heuer ist das nicht möglich.

25.10.2020 © Archivfoto: Udo Güldner


Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf die so beliebten Weihnachtskonzerte, die in den Kirchen St. Johannis, St. Martin und St. Nikolaus hätten erklingen sollen. Sie hatten in der Adventszeit hunderte Besucher angelockt – gerade ist das undenkbar. Wir haben uns an den Schulen umgehört, wie man auf die Einschränkungen reagiert und von ganz unterschiedlichen Lösungen erfahren.

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Seit vielen Jahren sitzen sie dicht gedrängt in den Kirchenbänken. Mitunter sind auch die Seitengänge und die Emporen voller Zuhörer. Diesmal aber wird es kein Weihnachtskonzert des Ehrenbürg-Gymnasiums Forchheim in der Johanniskirche geben. "Uns blutet das Herz. Wir müssen aber realistisch sein", so Direktor Karlheinz Schoofs.

"Nicht durchführbar"

"Es ist zu riskant und daher nicht durchführbar." Stattdessen plant man, einen digitalen Weihnachts-Gruß auf der Schul-Homepage zu veröffentlichen. Zum Glück habe man dafür den richtigen Mann gefunden. Musiklehrer Kilian Ellner unterrichtet erst seit Beginn des Schuljahres, nachdem seine Vorgängerin Carola Wagenführer sich in den Ruhestand verabschiedet hat.

Kilian Ellner spielt in mehreren Bands Schlagzeug.

25.10.2020 © Foto: Tom Schneider - Bilderwelten


Der 37-jährige Bamberger ist selbst Schlagzeuger und Pianist in mehreren Bands und hat sogar ein eigenes Tonstudio zuhause. Die Utensilien bringt er mit ins Ehrenbürg: "Wir wissen noch nicht, was wir einspielen, aber sicher nichts Weihnachtliches", so Ellner.

"Steht noch in den Sternen"

Sicher ist nur, dass möglichst viele Ensembles etwas beisteuern sollen. Dabei sollen Teile des Unterstufen- und des Oberstufen-Chores, der Schulband und des Orchesters je ein Stück als Audio-Datei aufnehmen. Unterlegt wird der Clip dann mit Fotos: "Ob das so klappt, wie wir uns das vorstellen, das steht noch in den Sternen." Derweil richtet Schulleiter Schoofs den Blick bereits in den Frühling. Aber nicht etwa in die Jahnhalle, in der man bislang musiziert hat. Er könne sich vielmehr ein Open Air-Konzert auf zwei Bühnen auf dem Schulgelände vorstellen.

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Alles eine Nummer kleiner wird es am Herder-Gymnasium Forchheim geben. Genau eine Woche vor dem Heiligen Abend wird die "Musik zum Advent" zu hören sein. "Wir wollen unseren Schülern unbedingt ein Konzert ermöglichen," so Musiklehrerin Angelika Bogendörfer.

Live-Erlebnis mit Publikum

Die Leiterin der Fachschaft und ihre Kollegen haben deshalb auch auf eine digitale Alternative verzichtet: "Wir wollen ein Live-Erlebnis vor Publikum, auch wenn es nur wenige Zuhörer sind." Wenn es bei den bisherigen Vorgaben bleibt, dann dürfen nur die Eltern der auftretenden Schüler und die beteiligten Lehrkräfte Platz in der Schulaula nehmen. Einfach-so-Zuhörer sind nicht erlaubt, nicht einmal ehemalige Schüler kämen ins Haus.

Denn mehr als 80 Besucher sind in dem Saal nicht zugelassen. Dafür treten das Streichorchester, das Saxophon-Ensemble, einige Blechbläser aus der Bigband und eine verkleinerte Gesangsklasse zweimal hintereinander auf. Das verdoppelt die Zuhörerzahl.

Projekttage "Schüler spielen für Schüler"

Noch exklusiver wird es allerdings, wenn die Corona-Zahlen noch schlimmer werden. Dann müssten die Kinder und Jugendlichen ganz unter sich bleiben. An den letzten beiden Schultagen vor den Weihnachtsferien gäbe es dann im Rahmen der Projekttage ein "Schüler spielen für Schüler". Unklar ist noch, ob ein Teil des Gemischten Chores singt: "Es wären sowieso nur maximal zehn Stimmen möglich." Ein Auftritt in der Martinskirche sei nicht in Frage gekommen, da man dort auch nicht mehr Zuhörer hätte unterbringen können.

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Das Konzertjahr komplett abgehakt hat man am Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt. "Ich gehe von einem heftigen Winter mit stark gestiegenen Infektionszahlen aus", so Catrin Schuler. Deshalb plant die Leiterin der Fachschaft Musik gleich für die wärmeren Monate.

Zuerst will man ein kleines Frühlingskonzert wagen. Das hieß früher einmal "Kammerkonzert", erregte aber den Irrtum, es handle sich um verstaubte Klassik. Erbebte die Schulaula doch von Jazz, Rock und Pop. Nun soll es unter freiem Himmel über die Bühne gehen.

Im Juli 2021 nachholen

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Unter den Musiklehrern kann man sich ein Wandelkonzert mit den Blechbläsern vorstellen, die an verschiedenen Ecken der Altstadt in ihre Mundstücke atmen. "Etwas Vergleichbares gab es schon bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes", so Schuler.

Allerdings macht sich die Leiterin des großen Schulchores noch ganz andere Sorgen. Es könnte nämlich wie an einem Erlanger Gymnasium passieren, dass es statt der 70 nur noch 17 Schüler sind, die sich nach den Herbstferien ans gemeinsame Singen wagen. "Noch ist alles völlig ungewiss".

UDO GÜLDNER

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