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Corona hat auf dem Südostbalkan verheerende Folgen

Aus dem Nichts: Missionsverein in Heilgenstadt will ärgste Not lindern - 08.12.2020 11:52 Uhr

Normalerweise fährt der Missionsverein „Lasst uns gehen“ vor Weihnachten in den Südostbalkan, um rechtzeitig vor den Feiertagen – hier ein Foto aus dem Vorjahr – die Hilfspäckchen an Bedürftige zu übergeben. Doch dieses Jahr musste die Aktion wegen Corona abgesagt werden.

30.11.2020 © Foto: Dorsch


Die Päckchen werden von einem Konvoi alljährlich quer durch den Balkan gefahren und direkt vor Ort an die Bedürftigen bzw. vertrauenswürdige Kontaktpersonen abgegeben.

"Ich habe diese Fahrten bereits 25 mal mitgemacht" sagt Friedrich Dorsch, der Vorsitzende des 1994 gegründeten Vereins. Der Konvoi besteht normal aus zwei bis drei Fahrzeugen, darunter auch der frühere Bürgerbus der Marktgemeinde. Mit dabei sind jeweils acht bis zehn Personen. "Wir konnten vor Ort in den vergangenen Jahren sehr viele Kontakte knüpfen, nicht nur zu Bedürftigen, sondern auch zu Kontaktpersonen in Heimen, Schulen und Krankenhäusern", erzählt Dorsch zu den Erfahrungen in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten. Zu den negativen Erfahrungen zähle es aber auch, dass es in den Ländern des östlichen Balkans teilweise noch Korruption gebe, "daher ist es wichtig, dass wir vor Ort unsere Kontaktpersonen haben".

Vor allem die Kinder freuten sich immer riesig über die Pakete . . .

30.11.2020 © Foto: Dorsch


In diesem Jahr werden keine Fahrzeuge mit Hilfsgütern Heiligenstadt in Richtung Rumänien, Moldawien und der Ukraine verlassen. Aufgrund der Pandemie sei es heuer nicht möglich gewesen, "bei den vielen Sammelorten in der Region die Weihnachtspäckchen problemlos abzuholen". Der Verein beginne bereits im Herbst mit der "Weihnachts-Schuhkartonaktion". Hier werden von Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen Weihnachtspäckchen für bedürftige Kinder zusammengestellt. Ergänzt wird die Hilfslieferung dann durch den Weihnachtsbasar im Gemeindezentrum.

Zu den Problemen in heimischen Gefilden komme, so Dorsch, dass der Transport selbst mit erheblichen Problemen verbunden wäre. Bereits auf der Hinfahrt müsse in den von dem Virus stark betroffenen Ländern wie Österreich und Ungarn mit nicht unerheblichen Beeinträchtigungen wie Sondergenehmigungen, Tests und lange Wartezeiten an den Grenzen gerechnet werden. "In Rumänien droht den Helfern nach derzeitigem Sachstand sogar eine Quarantäne, auf der Rückreise ist dann mit derselben Prozedur zu rechnen", sagt Dorsch.

Dabei sind diese Länder derzeit weit schlimmer vom Virus betroffen als Deutschland. Mitarbeiter des Vereins vor Ort berichten, dass dort außer den dringend notwendigen Geschäften wie Apotheken oder Lebensmittelmärkte alles andere geschlossen ist. Teilweise treffe dies auch auf Arbeitsstätten zu, "die Menschen sind daher ohne Einkommen, vom Staat ist keine oder nur eine sehr geringe Unterstützung zu erwarten". Noch schlimmer sehe es bei der medizinischen Versorgung aus.

. . . und trugen die Hilfsgüter freudestrahlend nach Hause.

30.11.2020 © Foto: Dorsch


"Hier macht es sich negativ bemerkbar, dass gut ausgebildetes Fachpersonal seit Jahren wegen der besseren Bezahlung oft in den Westen abgewandert ist", erklärt Dorsch. Auch an Schutzmaßnahmen und Hilfsmitteln fehle es fast überall, "die Sterberate durch die Pandemie ist daher wesentlich höher als bei uns".

In den Anfangsjahren des Vereins "Lasst uns gehen e. V." waren es fast ausschließlich Lebensmittel und Kleidung, die für Bedürftige im Südosten Europas gespendet wurden. "Später kamen dann auch Ausstattungen für Schulen und auch Krankenhäuser hinzu", informiert Dorsch, um darauf hinzuweisen, dass "wir auch in diesem Jahr die Hände nicht tatenlos in den Schoß legen".

Statt Sachspenden sammelt der Verein nun Geldspenden, "die wir dann an die Verantwortlichen und Mitarbeiter der uns bekannten Heime und Stationen vor Ort schicken, damit sie den bedürftigen Heimen und Familien etwas Lebensmittel und Heizmaterial für eine warme Stube und den Kindern kleine Geschenke für das bevorstehende Weihnachtsfest kaufen können".

Nähere Informationen auf www.lasst-uns-gehen.de

Stefan Braun

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