Dienstag, 19.01.2021

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Corona-Hilfen für Brauereigaststätten: Ist die Lösung in Sicht?

CSU-Bürgerbeauftragter kritisiert Wirtschaftsminister Aiwanger - 13.01.2021 09:30 Uhr

Mike Schmitt, Betreiber des Pretzfelder Nikl-Bräu, will im Frühjahr als neuer Pächter des Pretzfelder Kellers (Bild) durchstarten. Er hofft dringend auf die baldige Auszahlung der Staatshilfen. 

12.01.2021 © Stefan Braun


Für die Brauereigaststätten gab es bislang besonders hohe Hürden: Antragsberechtigt für die Unterstützung der Überbrückungshilfen war bislang nur, wer mindestens 80 Prozent des Umsatzes als „direkt, indirekt oder mittelbar vom Lockdown Betroffener“ erzielt.

Damit waren die Gaststätten, die Brauereien angeschlossen sind, schlechter gestellt als Restaurants ohne Brauerei. Aiwanger hatte bei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) auf das Problem aufmerksam gemacht, der jetzt die Hürden für die Hilfen senkt, wie Aiwanger mitteilte.

"Der Anteil ist marginal"

Doch der Forchheimer Landtagsabgeordnete Michael Hofmann ist enttäuscht. Der verkündete Durchbruch stellt sich für den CSU-Mann anders dar: „Das Bundeswirtschaftsministerium hat lediglich die Antworten in den FAQ angepasst. Das ist im Grunde nur eine Klarstellung. Der Anteil der Brauereigaststätten, die dadurch mehr erwarten können, ist marginal.“

Er sieht die Existenz der Brauereigaststätten nach wie vor massiv gefährdet. „Mit dem Herausrechnen des Fassbierverkaufes ist es nicht getan. Im November und Dezember ist das nicht der große Anteil des Umsatzes. Die Lage ist leider für die allermeisten Brauereigaststätten daher heute noch die gleiche, die Ungerechtigkeiten sind nicht aus der Welt geschafft. Ein Durchbruch sieht für mich anders aus.“ Hofmann will weiter Gespräche mit Entscheidungsträgern in Berlin führen.

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Anders sieht das der SPD-Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz, der nun eine Unterstützung für die meisten, vor allem kleineren Brauereien sieht. „Ich gehe davon aus, dass die Anträge jetzt durchgehen“, so Schwarz, dessen Wahlkreis die höchste Brauereidichte der Welt hat. Er richtet sein Augenmerk darauf, dass das Wirtschaftsministerium in die Gänge komme, da bislang von den 17 Milliarden Novemberhilfen lediglich 1,4 Milliarden ausgezahlt worden seien. 

„Wenn Politik das Geld schon genehmigt hat, erwarten die Unternehmen auch, dass die Hilfen schnell ankommen“, so der Haushaltspolitiker, der in den nächsten Tagen mehrere Telefonschalten zu dem Thema hat und fordert, dass das Geld jetzt fließen müsse. Im Haushaltsausschuss werde man heute mit dem Wirtschaftsministerium darüber sprechen. Aus seinem Wahlkreis erhofft er sich Hinweise, bei welchen Unternehmen – egal welcher Branche – es noch hakt. Denn andernfalls drohe eine Pleitewelle. 

Von Anfang an hat Lisa Badum sich für die Brauereigaststätten eingesetzt. Heute rechnet die Grünen-Bundestagsabgeordnete mit einer Antwort der Bundesregierung, denn schwarz auf weiß habe sie keine Info vorliegen. 

„Wir müssen weiter dranbleiben; es ist gut, wenn Druck von vielen Seiten kommt“, so Badum, die sich ungern auf mündliche Zusagen verlässt. Sie hat vor Weihnachten mehrere Abgeordnete und Brauer ins Gespräch gebracht, gemeinsam haben sie einen Brief an Peter Altmaier geschrieben – bislang ohne Rückmeldung. 

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Badum hat sich in den vergangenen Tagen beim „Essen to go“ unter anderem beim Lindenbräu in Gräfenberg umgehört. Hier hofft Chefin Irene Brehmer-Stockum weiter, dass sie die Hilfen für ihren Mischbetrieb auch beantragen kann. „Man muss Gaststätte und Brauerei getrennt betrachten, sonst wäre es ungerecht gegenüber anderen Betrieben“, sagt sie. Sobald ein Antrag möglich ist, setzt sie sich mit ihrem Steuerberater hin. Zwar habe die Brauerei einen Anteil des Umsatzes durch Flaschenbier gemacht, aber die Kosten für die Gaststätte laufen weiter.

„Die Rettung war die einfache Beantragung des Kurzarbeitergelds“, so Brehmer-Stockum. Zwei Drittel ihrer Angestellten seien aktuell in Kurzarbeit, eine Dauerlösung sei das nicht. Ob die Aushilfen weiter dabei sind, wenn die Gaststätte wieder öffnen kann oder ob sie sich eine Alternative gesucht haben, ist nicht absehbar. 

Aktuell brennt Irene Brehmer-Stockum Bierschnaps aus dem Fassbier, das bereits an die Gaststätten ausgeliefert war und das sie wegen des Lockdowns wieder zurückgeholt hat: „Das ist meine Winterarbeit.“ 

Bei Nikl-Bräu in Pretzfeld besteht die Winterarbeit aus der Vorbereitung für den Pretzfelder Keller, den Mike Schmitt mit seinem Sohn André ab dem Frühjahr – zusätzlich zu Brauerei und Gaststätte – betreiben wird. Trotz fehlender Einnahmen müsse dort einiges gerichtet werden. „Wir sind guter Dinge, dass wir ab der Keller-Saison im Mai wieder draußen sitzen dürfen – mit Abstandsregeln zwar, aber Platz haben wir genug“, so Schmitt. Über den direkten Kontakt zu einigen heimischen Politikern hat er sich gefreut und hofft, dass er von den Überbrückungshilfen profitieren kann. 

Bier aus Franken gesucht: Quizrunde Nr. 2

© Montage: Sabine Schmid

Erkennen Sie fränkische Landbiere am Wappen? Machen Sie den Test!

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Frage 1/10:

Hier sitzt es sich gut. Ein Prost auf welche Brauerei?

Die Brauerei Schleicher ist in der Gemeinde Itzgrund daheim, eingebettet in eine Hügellandschaft, links und rechts des Flüsschens Itz, zwischen Bamberg und Coburg. 1880 von Andreas Schleicher gegründet, hat sich die Brauerei in den vergangenen Jahren auch einen Namen für Nachhaltigkeit und gesunde Ernährung gemacht und ist inzwischen Forschungsstelle für Malz und innovative Getränke. So gibt es beispielsweise auch ein glutenfreies Demeter-Bier im Sortiment, das Schleicher "Natural". Aber warum ein Storchen-Pils? Ganz einfach: Seit vielen Jahren lebt und nistet auf dem Dach der Brauerei ein Storchenpaar, das inzwischen weit über Itzgrund bekannt ist.

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Frage 2/10:

Ritter mit Flügeln: Wer braut denn den?

Die Brauerei Gradl befindet sich in Leups, nördlich von Pegnitz, im Naturpark Fränkische Schweiz/Veldensteiner Forst. Seit 1683 im Familienbesitz, wird hier vor allem das eher dunkle Leupser Bier nach altem Rezept gebraut. Ein Pils gibt es auch, im Mai und zu Weihnachten wird auch ein kräftiger Bock ausgeschenkt.

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Frage 3/10:

Tierisch gut: Wer steckt hinter diesem Verschluss?

Exakt im Jahr 1900 begannen Josef und Maria Reh in Lohndorf, im Ellertal östlich von Bamberg, eine Metzgerei und einen Flaschenbierhandel zu führen. Ein Jahr später bauten sie schon ein Brauhaus, das Bier lagerten sie in einem nahen Felsenkeller am Waldrand. Gut 120 Jahre später wird hier in der vierten Generation erfolgreich gebraut, mit Bergquellwasser aus dem Ellertal.

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Frage 4/10:

Ein Hauch von Afrika: Wer kennt's?

Keller, Lager, Vollbier, Pils: Die Buttenheimer Löwenbräu ist ein Familienunternehmen, das seit 1880 von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

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Frage 5/10:

Ein stolzes Wappen! Wer braut hier seit 1467?

In Zentbechhofen (Höchstadt) wird seit über 550 Jahren gebraut. Vollbier, Landbier, Kellerbier, Hell und Hefeweizen hat Braumeister Timo Baier im Angebot.

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Frage 6/10:

Was sprudelt vor dieser Wehrmauer?

Ein Bier aus Altmühlfranken: Die Brauerei Ritter St. Georg ist in Nennslingen daheim, wenige Kilometer östlich von Weißenburg. Hopfen und Malz stammen aus der Region, das Wasser aus den Tiefen des Jura und der Fränkischen Alb. 1654 gründete der Bierbrauer Georg Engelhardt die Brauerei, 1778 kaufte sie ein Johann Daniel Gloßner, seitdem ist sie im Familienbesitz der Gloßners.

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Frage 7/10:

Seit 1678 an der Quelle: Wer ist's?

Oberlaleida-Obaladara! Eine Brauerei und eine Schankwirtschaft gibt es seit 1687 im Oberleinleitertal bei Heiligenstadt. Die Familie Ott übernahm 1822 das Anwesen Oberleinleiter Nr. 6, und schenkt dort unter anderem auch das süffige "Obaladara" aus. Bergquellwasser, Malzschrot, Hopfen und eine ganz leichte Karamelnote - das passt!

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Frage 8/10:

Hopfen, Malz und Brauwerkzeug: Wer ist's?

Nicht nur Wanderfreunde in der Fränkischen schätzen das "Hetzelsdorfer": Im Gasthaus Penning-Zeißler gegenüber der St. Matthäus-Kirche kehrt man meist länger ein als nur für eine Verschnaufpause. Das liegt auch am süffigen, dunkel-würzigen Bier, das hier in der Privatbrauerei Penning-Zeißler gebraut wird.

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Frage 9/10:

Ein Bier mit Aussicht: Welches ist's?

Die 1872 gegründete Privatbrauerei Schübel liegt im Herzen von Stadtsteinach im Landkreis Kulmbach, südlich der auf dem Verschluss abgebildeten Burgruine Nordeck. In der inzwischen schon fünften Generation wird das Familienunternehmen von Jürgen Münch und Andrea Schübel-Münch geleitet. Insbesondere das "A fränkisch" und das "Drachenseidla" sind auch im Raum Nürnberg keine Unbekannten mehr. Letzteres, ein unfiltriertes Kellerbier, wurde ursprünglich für den Georgimarkt in Presseck gebraut, wenn die Gemeinde im Zeichen des Drachen feiert.

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Frage 10/10:

Zwei gekrönte Löwen - und welche Brauerei?

Im wunderschönen Ahorntal, am Tor der Fränkischen Schweiz zu Bayreuth, begann im Jahr 1866 der Landwirt Bernhard Stöckel mit dem Bierbrauen - und das mit anhaltendem Erfolg. Die Stöckels integrierten über Jahrzehnte die Brauerei mit viel Erfindergeist in den Bauernhof in Hintergereuth, der heutige Brauereichef Georg Stöckel schenkt vor allem Pils, Helles Lager, Landbier und Premium Weisse aus.

© Montage: Sabine Schmid

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Diese müssten nun zügig fließen, fordert Sebastian Körber (FDP), der enttäuscht ist von den Regierungsfraktionen in Bund und Land. „Ich bin sehr verwundert, wie die Regierungsfraktionen, teilweise auch mit Oberfranken an den Kabinettstischen, sich verhalten und finde es befremdlich, wie die oberfränkischen Brauereigaststätten im Regen stehen gelassen werden.“ Brauereien seien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und ein Kulturgut in der Fränkischen Schweiz. „Ich werde das weiter kritisch beäugen, bis das Geld auf den Konten der Brauereigaststätten ist“, so Körber. 


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ANNIKA FALK-CLAUßEN

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