Corona-Jahr 2020: Weniger Einsätze für die Feuerwehren im Landkreis Forchheim

Martin Regner
Martin Regner

Nordbayerische Nachrichten

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6.4.2021, 06:00 Uhr

So sank die Zahl der Feuerwehreinsätze von 1719 im Jahr 2019 auf "nur" noch 1315 im vergangenen Jahr – ein Rückgang um rund 24 Prozent. Insgesamt rückten die Floriansjünger dabei 490 Mal zu Bränden aus. Trotz des Rückgangs bei den Verkehrsunfällen machten Einsätze zur Technischen Hilfeleistung (etwa das Befreien eingeklemmter Personen aus Autos mit hydraulischen Rettungsgeräten) immer noch den größten Anteil aus: Sie tauchen mit einer Summe von 647 in der Statistik des Jahres 2020 auf.

In der Gesamtzahl von 1315 Einsätzen sind allerdings auch 132 Fehlalarme enthalten. Davon hatte es 2019 noch 163 gegeben; somit sank deren Zahl im Vergleich zu 2020 um 19 Prozent.

Der Zusammenhang des Rückgangs der Einsatzzahlen mit Corona ist aus Sicht von Kreisbrandrat Oliver Flake "unverkennbar". Die Ursachen sieht Flake nicht nur in einer reduzierten Mobilität durch Lockdowns und Homeoffice und damit einem geringeren Verkehrsaufkommen auf den Straßen. Auch in Unternehmen, die wegen Corona geschlossen waren oder deren Belegschaft in Kurzarbeit war, passierte im Vergleich zum regulären Betrieb im Jahr 2019 weniger. Aus Feuerwehrsicht sorgte Corona also für deutlich weniger Arbeit.


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Auf der anderen Seite brachte die Pandemie auch den Schulungs- und Übungsbetrieb in den Feuerwehren vor Ort weitgehend zum Erliegen. So hätten insbesondere für Atemschutzgeräteträger vorgeschriebene Wiederholungslehrgänge letztes Jahr oft ausfallen müssen, so Flake.

Die Führungskräfte der örtlichen Feuerwehren hätten sich in der Regel für "Nummer sicher" entschieden und Übungen abgesagt. Denn wenn etwa eine Wehr, die aus 40 Leuten besteht, mit 20 Aktiven eine Übung gemacht hätte, bei der sich hinterher herausgestellt hätte, dass ein CoronaPositiver dabei war, "dann gehen die 20 aktiven Mitglieder für 14 Tage in Quarantäne". In der Folge könne dann unter Umständen die Einsatzbereitschaft der gesamten Ortswehr gefährdet sein.

Würde eine Ortsfeuerwehr komplett ausfallen, könnte die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von zehn Minuten zwischen Alarmierung und Eintreffen am Einsatzort nicht mehr eingehalten werden. Zwar würden dann die Feuerwehren aus den benachbarten Ortschaften alarmiert, diese hätten aber in der Regel einen längeren Anfahrtsweg als die ortsansässigen Floriansjünger.

Besonders gravierend würde es sich aus Sicht von Flake auswirken, wenn Feuerwehren an Drehleiterstandorten nicht mehr einsatzbereit wären. Denn Drehleitern sind nur bei größeren Wehren wie etwa Forchheim, Ebermannstadt und Gräfenberg stationiert und sind überörtlich gefordert.

Bewegungsfahrten mit den Fahrzeugen und die technische Pflege der Gerätschaften habe man aber auch im Corona-Jahr 2020 aufrechterhalten können, sagt Flake – "allerdings mit möglichst wenig gleichzeitig anwesendem Personal".


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Zahlreiche Schulungen habe man auf Online-Kanäle verlegt. Das könne aber das direkte Miteinander und die praktische Handhabung der Einsatzmittel nicht ersetzen, erklärt Flake: "Man kann einen Brand halt nicht online löschen."

Und "natürlich fehlt uns auch die Kameradschaft", bedauert der Kreisbrandrat. Die soziale Komponente sei im ehrenamtlichen Bereich nicht zu unterschätzen.

Die größte Herausforderung für eine Zeit nach Corona sei deswegen nicht die Nachholung von technischen Übungen, sondern "die Leute, die jetzt schon ein Jahr daheim geblieben sind, wieder in die Aktivität zu bringen."

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