Corona-Mahnwache in Forchheim mit knapp 100 Teilnehmern

1.6.2020, 14:09 Uhr
Seit drei Wochen finden sich in Forchheim Teilnehmer zu Corona-Mahnwachen zusammen. Inzwischen sind sie vom Rathausplatz auf den Paradeplatz umgezogen.

Seit drei Wochen finden sich in Forchheim Teilnehmer zu Corona-Mahnwachen zusammen. Inzwischen sind sie vom Rathausplatz auf den Paradeplatz umgezogen. © Foto: Udo Güldner

Kaum hörbar weht ein Summen über den Paradeplatz. Der böige Wind hätte das "We shall overcome" beinahe hinfortgetragen, so leise stimmen einige Teilnehmer der Corona-Mahnwache den Protestsong an, der Joan Baez vor einem halben Jahrhundert einst berühmt gemacht hatte.

Seit dem Beginn vor drei Wochen hat sich die zuerst stille, ja wortlose Mahnwache gegen die Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie gewandelt. Zum einen hat sie den etwas beengten Rathausplatz verlassen und ist auf den wesentlich größeren Paradeplatz umgezogen.

Die "Freiheitsbewegung Forchheim" wächst

Immerhin hat man dem Ehepaar Reiner Pracht und Carola-Pracht-Schäfer aus Poxdorf gestattet, eine Demonstration mit bis zu 100 Teilnehmern durchzuführen. Eine Anzahl, die bei der 22. Mahnwache nach mehrmaligem Durchzählen gerade so unterschritten wurde. "Wir werden immer mehr," so Pracht-Schäfer. Das spiegelt sich auch im neuen Namen der "Freiheitsbewegung Forchheim".

Nun sind vor der "Alten Wache" deutlich weniger Plakate, Transparente oder Schilder zu sehen, dafür kann man kurze Reden hören. Darunter auch die von Ernst Berger, der in Forchheim eine "Praxis für Körper und Geist" unterhält, und der nach eigener Aussage zum ersten Mal in seinem Leben auf die Straße geht. "Ich musste irgendwann aufstehen und Gesicht zeigen."

Es geht aus Sicht der Demonstranten gegen die angekündigte Corona-App, durch die sie Überwachungsmaßnahmen befürchten. Es geht gegen eine Impfpflicht, die mithilfe der Corona-Krise durchgesetzt werden solle. Und es geht um all die anderen Einschränkungen im privaten wie beruflichen Bereich, durch die sie die Grundrechte außer Kraft gesetzt sehen.

"Mehr auf den Bauch hören"

Die Heilpraktikerin und Tanztherapeutin Anja Drummer aus Forchheim sieht die Menschheit in einer Reifephase, in der aus unmündigen Kindern selbst denkende Erwachsene würden. Man sei bereit, sich neue Meinungen anzuhören, alte Ansichten in Frage zu stellen und sich nicht mehr so einfach abspeisen zu lassen. In Zukunft gelte es, mehr auf den Bauch zu hören, weniger dem Rat von Experten, etwa Virologen, zu folgen und mehr dem gesunden Menschenverstand. "Wir erkranken an Angst und Isolation und nicht an Viren."

Der Erlanger HNO-Arzt Dr. Joachim Mayer-Brix regt sich darüber auf, dass mit einem Federstrich die Grundrechte abgeschafft worden seien. Von der Maskenpflicht hält er, wie fast alle hier, wenig bis nichts. Bei Kindern sei das mindestens "kompletter Unsinn", im Grunde "sogar Körperverletzung".

Musik gibt es auch: Michael Braun aus Gasseldorf, der mit seinen Pop-up-Konzerten den Bewohnern mehrerer Pflege- und Seniorenheime einige schöne Stunden bereitet hat, singt im Halbplayback Marius Müller-Westernhagens Freiheits-Hymne. Bis die Mahnwache sich in einem großen Kreis um eine Kerze aufstellt, von der aus Frieden und Liebe in die Welt getragen werden sollen. Es ist ein friedlicher Protest. Solange die Corona-Einschränkungen fortbestehen, soll die Mahnwache weiterhin täglich um 18 Uhr (samstags um 11 Uhr) auf dem Paradeplatz stattfinden – auch während der Pfingstferien.

7 Kommentare