Corona-"Pooltests" am EGF: Kann das Verfahren Schule machen?

25.3.2021, 06:00 Uhr
Ab in den

Ab in den "Pool": Auch gestern fand am EGF wieder ein Pooltest unter den Schülern der Q12 statt, rechts Lehrer Markus Denk. Die Sammelbehälter mit den zusammengeschütteten Gurgelproben kamen anschließend ins Labor. Das hat viele Vorteile. © Eduard Weigert

Das Erlanger Technologie-Unternehmen Intego hat diese in Österreich entwickelte Methode des Infektionsnachweises in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen eingeführt, zunächst nur auf dort ansässigen Firmen beschränkt.

Eingebettet wurden die Pooltests in die großangelegte Studie WICOVIR („Wo Ist das COrona VIRus“) – weshalb die Teilnahme kostenlos ist. Als Denk von der neuen Methode hörte, war er von ihren Vorteilen schnell überzeugt und bemühte sich, in Absprache mit der Schule, Intego, FAU und den Behörden, um eine Teilnahme der Q12 an den Pooltests. „Es hat gedauert, bis die Genehmigung kam, es auch an Schulen durchzuführen. Da musste auch viel in Sachen Datenschutz abgeklärt werden,“ erzählt Denk. Seit vergangener Woche laufen die Pooltests bei der Q12, getestet wird immer mittwochs. 

Die offizielle Teststrategie des Freistaats sieht vor, dass sich Lehrer und Schüler mindestens zweimal pro Woche testen – die Lehrer zuhause, die Schüler in der Schule. Problem: Für die Lehrer am EGF stünden inzwischen ausreichend Selbsttests zur Verfügung – für die Schüler allerdings noch nicht, so Denk. Die Vorstellung, dass sich fortan Schüler im Klassenzimmer testen sollen, hält er für bedenklich – nicht nur ob des geschlossenen Raums und der damit potenziell höheren Infektionsgefahr.

Hinzu kommt der anfallende Müll, weil die Test-Utensilien weggeworfen werden. Und: Für die Auswertung solcher Reihentests im Labor braucht es Zeit, oft vergeht ein Tag oder länger bis Ergebnisse vorliegen. Was ist bei Pooltests anders? 

So ist das Prozedere

Die Methode sieht so aus: Die Probanden, in diesem Fall die Schüler, testen sich am Morgen selbst zuhause mittels Gurgelprobe. Sie kommt vom Mund direkt zurück in ein Röhrchen, ein Teil davon wird in ein zweites Röhrchen gekippt. Beide bringen die Schüler anschließend in die Schule mit.

Hier entsteht dann der „Pool“: Die Proben aus den ersten Röhrchen von jeweils höchstens 30 Schüler werden in einem kleinen Sammelbehälter zusammengeschüttet. Die zweiten Röhrchen werden als beschriftete Rückstellproben aufgehoben. Der „Pool“ kommt schließlich ins Labor und wird mittels PCR-Test auf mögliche Corona-Erreger untersucht. Sollte darin tatsächlich Virus entdeckt werden, wird auf die codierten Rückstellproben zurückgegriffen, die betroffene Person nach der genauen Sequenzierung informiert und die bekannten Maßnahmen (Gesundheitsamt, Quarantäne und Co.) werden eingeleitet.

Die Vorteile des Pool-Verfahrens liegen auf der Hand: Statt unzählige Proben einzeln zu untersuchen, gibt es nur eine große Probe, deren Ergebnis binnen weniger Stunden vorliegt. Aufwändige, kostspielige Einzeluntersuchungen können so in der Regel vermieden werden.

Auch finden die Schülertests nicht gemeinsam im Klassenzimmer, sondern individuell zuhause statt. Und es entsteht nahezu kein Müll, weil, wie Denk erklärt, die Teströhrchen wiederverwendet werden: Jeder Schüler hat seine zwei festen Röhrchen. Das Eine waschen die Schüler immer wieder selber aus, das Andere – die Rückstellprobe – bekommen sie nach zwei Tagen gereinigt zurück. „Dieser Aspekt der Selbstverantwortung ist für mich auch sehr wichtig“, so Denk. 

Die Pooltests der Q12 sind ein Pilotprojekt in Oberfranken. „So wollen wir zumindest unseren Abiturjahrgang sicher bis zum Abi führen“, sagt Denk. „Wir haben nun die Möglichkeit, diese Tests nach den Ferien auf die ganze Schule auszuweiten.“ Und vielleicht kann die Methode künftig überall Schule machen. 

PHILIPP ROTHENBACHER