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Dienstag, 11.08.2020

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Coronavirus in Forchheim: Handel und Gastronomie zwischen Verständnis und Existenzangst

Schwierige Zeiten für Einzelhändler und Gastronomen: Hoffnung auf staatliche Hilfen - 16.03.2020 18:41 Uhr

Inhaberin Kathrin Grüner in ihrem Restaurant Lübbis in Forchheim. Sie hat den Abstand zwischen den Tischen auf 1,50 Meter vergrößert. Den hinteren Bereich des Lokals hat sie geschlossen.

© Lea-Verena Meingast


Nach Schul- und Kita-Schließungen und dem Ausrufen des Katastrophenzustands schränkt die Corona-Krise das öffentliche Leben immer mehr ein. Gastronomien dürfen ab morgen nur noch von 6 bis 15 Uhr in Bayern öffnen - und auch das nur mit weiteren Auflagen. Einzelhändler, die keine Waren für die alltägliche Versorgung anbieten, müssen ganz geschlossen bleiben.

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Forchheims Gastronomen und Einzelhändler reagieren mit gemischten Gefühlen. Sie zeigen Verständnis für die notwendige Eindämmung des Viruses, fürchten aber auch um ihre Existenz. "Ich finde es prinzipiell richtig, dass die Leute davon abgehalten werden, sich in größeren Gruppen zu versammeln", sagt Manfred Schade von der Buchhandlung s’Blaue Stäffala. Zugleich stellt er infrage, ob diese Gefahr in den kleinen Läden in der Forchheimer Innenstadt überhaupt bestünde.

"Bei mir werden garantiert keine 30 Leute zur gleichen Zeit im Laden sein", sagt er und glaubt, das würde einem großen Teil der Ladenbesitzer in der Innenstadt ähnlich gehen.

"Können das nicht über einen längeren Zeitraum wegstecken"

Zu ändern sei nun nichts mehr. Deshalb müsse er wie alle Einzelhändler mit der Situation klar kommen. Er weiß: "So reich sind wir nicht, dass wir das über einen längeren Zeitraum wegstecken können." Deshalb hofft er, dass die umfangreichen finanziellen Hilfen, die die Staatsregierung angekündigt hat, auch tatsächlich so umgesetzt werden. "Sollte das funktionieren, dann wird das jetzt für uns eine blöde Zeit, die aber vorüber geht."

Wenn nicht, "möchte ich mir die Innenstadt in ein paar Monaten nicht anschauen". Das sagt er auch als einer der Vorstände der örtlichen Händlervereinigung HeimForteil. "Forchheims Innenstadt ist mit acht, neun Leerständen in das Jahr gestartet", erklärt er. Einige Läden haben neu aufgemacht, doch das Risiko ist gerade für Neuunternehmer groß.

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Das weiß auch Jutta Freitag, die zu Beginn des Jahres ihr Teppichgeschäft "Pasang" in den Räumen der ehemaligen Buchhandlung "Faust" eröffnet hat. "Ich kann noch nicht abschätzen, was jetzt passiert", sagt sie. Es käme darauf an, wie lange die Läden geschlossen bleiben müssen. "Eine Zeit lang kann ich das überbrücken, aber irgendwann wird es brenzlig." Sie hoffe auf den Zusammenhalt der Forchheimer.

Beratung per Telefon

"Es wäre schön, wenn sich die Leute besinnen und mit ihren Anschaffungen lieber warten, statt sich alles über Amazon liefern zu lassen", meint sie. Trotz Schließung sei sie telefonisch erreichbar, könne sich Beratungen über Telefon oder Video vorstellen. Parallel arbeite sie an einem Online-Shop.

Das steht Kathrin Grüner, Inhaberin des Restaurants Lübbis in der Apothekenstraße, nicht zur Verfügung, wenn sie ihr Lokal komplett schließen müsste. "So schwer es mir fällt, damit rechne ich früher oder später", sagt sie und gesteht mit Augenzwinkern, dass sie sich für diesen Fall schon ein paar Eimer Farbe besorgt habe und eine kleine Renovierung starten will. "Aber ich bin ehrlich, das ist momentan Galgenhumor, denn es geht um meine Existenz."

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Entsprechend nervös habe sie die Pressekonferenz der bayerischen Staatsregierung verfolgt, in der zunächst verkündet wurde, dass Lokale nur noch bis 15 Uhr öffnen dürfen. "Wir werden uns genau an das halten, was die Regierung vorgibt", sagt sie. Die Tische seien daher schon auf den geforderten Mindestabstand von 1,50 Metern voneinander weggeschoben worden. Den hinteren Bereich des Lokals hat sie geschlossen. Außerdem wurde die Karte abgespeckt.

Lieferservice als neues Angebot

Auch das Arizona am Rathausplatz hat entsprechend reagiert. Die Öffnungszeiten am Abend sollen verändert werden. "In Kürze bieten wir auch Lieferservice an und bringen Speisen und Getränke nach Hause", heißt es im Facebook-Auftritt des Lokals. "Wir müssen alle das Beste aus der Situation machen", sagt Kathrin Grüner vom Restaurant Lübbis und hofft, dass sie ebenfalls auf die staatlichen Hilfen bauen kann.

Was sie nicht verstehen könne, seien die Hamsterkäufe. "Unseren Lieferanten sind durch die Absage von Messen und Events so viele Kunden weggebrochen, dass sie die Hallen noch immer voll haben." Nie und nimmer glaube sie an Engpässe bei Nahrungsmitteln. Hingegen schon beim Personal, denn gerade im Einzelhandel arbeiten viele Frauen, die jetzt häufig wegen der Kinderbetreuung zu Hause bleiben müssten.

Darauf muss auch Tobias Kraus, Geschäftsführer des Rewe-Marktes in der Bayreuther Straße, reagieren. Kolleginnen hätten Schichten getauscht. Und er habe erlaubt, die Kinder mit zur Arbeit zu bringen, wenn keine Betreuung möglich sei. Als Lebensmittelgeschäft ist Rewe nicht von den Schließungen betroffen, aber von geplanten längeren Öffnungszeiten ab Mittwoch. Aktuell komme das für sein Geschäft nicht in Frage. "Aber wir müssen schauen, wie die Kunden reagieren."

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