Dienstag, 24.11.2020

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Dachverband in Forchheim gegründet: Der Kulturpuls will nicht wieder weggehen

26.10.2020 10:03 Uhr

Spendenübergabe: Marco Bauer, Christian Libera, Joachim Hausner, Gisela Steinlein und Robert Hübschmann (v.l.).

25.10.2020 © Foto: Udo Güldner


Der Innenhof des Waisenhauses ist voller Menschen. Alle mit Maske. Der Kulturpuls Forchheim feiert unter erschwerten Bedingungen seine Gründung. "Wir sind da, und wir gehen auch nicht mehr weg." Kämpferische Worte findet Gisela Steinlein. Der Vorsitzenden des Liedervereins geht es um jüngere Menschen, die man mehr an Forchheim und Umgebung binden müsse. Die Kultur sei dabei genau das Richtige. Nicht einmal die Corona-Pandemie kann ihren Optimismus eintrüben. "Wir werden danach wie Phönix aus der Asche zurückkehren."

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Wie sieht die Zukunft des Kolpinghauses aus?

Das Kolpinghaus ist 1899 als Gesellen-Hospiz gebaut worden, wurde von Beginn an aber auch für kulturelle Zwecke genutzt.


Hernach reiht sie sich in den Chor aus rund 20 Stimmen ein, der es wagt, mit Abstand zu singen. Dabei hilft Dirigent Alexander Ezhelev. "Endlich wieder Live-Musik", freut sich Annette Prechtel. Die Bürgermeisterin sieht den Kulturpuls in der Nachfolge der "Forchheimer Kultur-Szene" (Fokus) in den 70ern und "Musikerinitiative Ebermannstadt-Forchheim" (Mief) in den 80ern, verkennt aber nicht, dass Kulturarbeit kein Selbstläufer ist, sondern harte Arbeit.

Woran es in Forchheim mangelt: Das Rathaus wird frühestens in vier Jahren als "Haus der Begegnung" öffnen, das Kolpinghaus als Kulturzentrum ist komplett geschlossen, "weil dort die Holzwürmer tanzen", wie es Landrat Hermann Ulm ausdrückt, und die unterirdischen Räume des Jungen Theaters lassen derzeit nur 20 bis 25 Besucher zu.

Entwarnung beim Kolpinghaus

Eine andere Baustelle erklärt Oberbürgermeister Uwe Kirschstein für geschlossen. Ein städtisches Referat "Kultur und Gesellschaft" sei eingerichtet, inklusive Kulturamt. Beim Kolpinghaus gibt der OB Entwarnung: Die Schäden seien nicht so schwer wie befürchtet. Eine Ertüchtigung könne in etwa einem Jahr für neue Räume sorgen. Das könne die Zeit bis zur Rathausnutzung überbrücken.

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KulturPuls im Kolpinghaus: Variete in Forchheim

Das VarietePlus hatte am Freitag einiges zu bieten: Mentalmagier Christoph Kuch versetzte das Publikum in ungläubiges Staunen, während Spaß-Beamter Herbert Faulhaber als Vogelimitator und Teller-Jongleur von einem schlagfertigen Zuschauer beinahe die Show gestohlen worden wäre. Mit Hula-Hoop-Reifen verzauberte Kristin "Lahoop" Hertel aus Berlin in einer Mischung aus Tanz und Pantomime. Höhepunkt der fast dreistündigen Show war allerdings das Akrobatik-Duo "Elabö" aus Darmstadt mit einer federleichten Choreographie.


Danach könne man über eine Generalsanierung und eine dauerhafte Kulturnutzung nachdenken. Forchheim habe sehr wohl seine eigene kulturelle DNA, brauche sich zwischen Bamberg, Erlangen oder Nürnberg nicht zu verstecken. "Wir sind Forchheim und zeigen, was wir können." Christian Libera sieht die vielen aktiven Vereine mit ihren ehrenamtlichen Kräften als Pfund, mit dem man wuchern kann. "Das ist ein großer Schatz."

Scheck über 10.000 Euro

Der Vize-Vorsitzende des Musikvereins Forchheim-Buckenhofen umspielt mit Matthias Bätzel, Emmo Lochner und Johannes Dornheim die Feierstunde. Die Lage ist ernst, es gibt aber auch Grund zur Freude, etwa bei Kulturpuls-Vorstand Marco Bauer. Daran ist Joachim Hausner von der VR-Bank Bamberg-Forchheim schuld. Er hat für den Kulturpuls einen 10.000 Euro-Scheck mitgebracht.

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Wie hoch ist das Durchschnittseinkommen in Forchheim? Was zieht die meisten Besucher an? Wie viele Fehlalarme gibt es im Jahr? Und wie viele Neugeborene erblicken das Licht der Welt in Forchheim? Wir haben Daten zum Stadtleben gesammelt und graphisch aufbereitet.


An den knapp dreiwöchigen Kultur-Marathon 2018 im Kolpinghaus erinnert Robert Hübschmann. Der Kulturpuls-Vorsitzende will den Dachverband der Kulturschaffenden als Impulsgeber, Katalysator und Ansprechpartner etablieren.Der Dachverband vertritt mehr als 4000 Mitglieder und soll der Kultur eine unüberhörbare Stimme geben.

UDO GÜLDNER

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