Das Forchheimer Pfalzmuseum steht vor großen Veränderungen

18.5.2021, 10:00 Uhr
So schaut das Gedächtnis der Stadt aus: In der Kaiserpfalz schlummert im Pfalzmuseum die Geschichte der Stadt und der Region. Dabei ist das Gebäude selbst das größte Ausstellungsstück Forchheimer Geschichte.

So schaut das Gedächtnis der Stadt aus: In der Kaiserpfalz schlummert im Pfalzmuseum die Geschichte der Stadt und der Region. Dabei ist das Gebäude selbst das größte Ausstellungsstück Forchheimer Geschichte. © Archivfoto: Edgar Pfrogner

Manches wird verschwinden, anderes neu hinzukommen. Denn eines ist klar: Der Platz in der Ausstellung ist begrenzt und auch der für das Lagern der Schätze – weshalb die Stadt bis 2025 ein neues Museumsdepot in Buckenhofen baut.

Was der Bierkultur die hohe Dichte an Brauereien in Oberfranken ist, sind in der Museumslandschaft die Dichte der hochspezialisierten Häuser: vom Jeans- respektive Levi-Strauss-Museum in Buttenheim über das Kameramuseum in Plech bis hin zum Bäckerei- und Brauereimuseum in Kulmbach. "Wie kann das Pfalzmuseum in dieser reichen Museumslandschaft bestehen?", hat sich Fischer deshalb gefragt.

Zunächst steht die Kaiserpfalz, in der das Museum beheimatet ist, als "Denkmal von nationaler Bedeutung" für sich. Dazu gemacht haben es die Architektur und die Geschichte der Immobilie mit ihren spätmittelalterlichen Wandmalereien. Das Archäologiemuseum sei in seiner überregionalen Ausrichtung einmalig, ebenso das Stadt- und Trachtenmuseum oder das ausgelagerte Erlebnismuseum Rote Mauer.

Im Depot des Museums schlummern noch viel mehr Gegenstände. Doch der Platz für sie ist seit Jahren knapp.

Im Depot des Museums schlummern noch viel mehr Gegenstände. Doch der Platz für sie ist seit Jahren knapp. © Foto: Pfalzmuseum Forchheim

Die Trachten(geschichte) im Landkreis ist ein Bereich, auf den sich das Pfalzmuseum künftig stärker konzentrieren will. Stadtrat Manfred Hümmer (FW) sieht bei dem Thema noch Potenzial in der ehemaligen Weber-Stadt Forchheim – gerade auch mit dem Blick in die Zukunft. Er will Akteure einbinden, die moderne Trachten konzipieren. "Ich will lieber solche sehen – als altbayerische oder Fantasie-Dirndl. Das stört mich jedes Mal beim Annafestzug." Hümmer möchte das Thema weiterspinnen, könnte sich bei künftigen Annafest-Auftakten eine begleitende Trachtenausstellung vorstellen.

Tatsächlich ist das Forchheimer Umland noch "eine der letzten europäischen Trachteninseln", so Susanne Fischer. Auch deshalb soll dieses Thema, weil es für das Museum einen Alleinstellungscharakter besitze, weiter ausgebaut und stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Gleiches gelte für die Bereiche der Archäologie und der Stadtgeschichte. Dass hierbei noch viel (wissenschaftliche) Arbeit vor dem Museumsteam liegt, machte Fischer auch klar.

Die Grabungsfunde im Stadtkern seit dem Jahr 2000 seien noch nicht in der Sammlung berücksichtigt. Offen ist die Frage, wie sie aufbewahrt werden sollen. "Die wissenschaftliche Auswertung der Funde sollte forciert werden, möglicherweise in Kooperation mit einem universitären Lehrstuhl", schlägt Fischer vor. Da das Pfalzmuseum bis 1989 ehrenamtlich geführt wurde, sind Aufzeichnungen über die Objekte vor diesem Zeitpunkt kaum vorhanden und Inventarlisten unvollständig. Erst danach begann Forchheim, das Inventar wissenschaftlich zu erfassen.

Einen besonderen und neuen Schwerpunkt will Fischer mit einer Art oberfränkischer Galerie setzen. Hinter dieser Idee steht das Vorhaben, den "reichen Bestand an Kunstwerken im Museum" zu erweitern und auch Arbeiten lokaler und lebender Künstler unter anderem neben Werken des verstorbenen Georg Mayer-Franken auszustellen. "Eine Jury könnte jährlich über den Ankauf von Künstlern entscheiden", so Fischer.

Auch dabei hat die Leiterin des städtischen Museums die Räte hinter sich. Von "neuen Pflöcken einrammen" sprach Thomas Werner für die CSU-Fraktion – und bei der Galerie von einer Richtung, "die wir vollumfänglich unterstützen".

Nicht nur wegen der Neuausrichtung, sondern schlicht auch wegen akuter Platznot muss sich das Pfalzmuseum deshalb von Liebgewonnenem trennen. Das betrifft auch bäuerliche Arbeitsgeräte, die besser in Bayreuth aufgehoben sein könnten, so Fischer. Dort gibt es ein Museum für genau dieses Thema.

Trotz mehr Platz dank des geplanten Depot-Neubaus gelte: "Wir sammeln heute nicht mehr wahllos. Man versucht, sich zu begrenzen", sagt Fischer. "Das Museum ist, neben dem Stadtarchiv, das Gedächtnis der Stadt, um mit den Exponaten die Geschichte und Geschichten für die kommenden Generationen zu bewahren, zu überliefern und zu vermitteln."

Wie gut kennen Sie die Kaiserpfalz? Wir haben elf eher unbekannte Fakten in einer Bildergalerie gesammelt auf unserer Internetseite www.nordbayern.de/forchheim

Keine Kommentare