Das passiert, wenn die Inzidenz im Kreis Forchheim wieder über 100 steigt

15.3.2021, 10:00 Uhr
An einer Kindertagesstätte in Forchheim werden die Eltern auf dem Laufenden gehalten, was die Entwicklung der Inzidenzwerte angeht. So sind sie vorgewarnt, falls die 100er-Marke überschritten wird und die Kita schließen muss.

An einer Kindertagesstätte in Forchheim werden die Eltern auf dem Laufenden gehalten, was die Entwicklung der Inzidenzwerte angeht. So sind sie vorgewarnt, falls die 100er-Marke überschritten wird und die Kita schließen muss. © Foto: Anestis Aslanidis

Schließen dann Schulen und Kitas von heute auf morgen wie vor zwei Wochen in Nürnberg? Wer das wissen will, der muss die zwölfte Fassung der bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung lesen – und wird am Ende etwas ratlos mit den Schultern zucken.

Dabei steht das Wichtigste relativ weit vorn: "Wird ein Wert der 7-Tage-Inzidenz, an dessen Überschreiten oder Nicht-Überschreiten Regelungen dieser Verordnung unmittelbar geknüpft sind, an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten oder – falls dies für die Einstufung maßgeblich ist – nicht mehr überschritten, hat die zuständige Kreisverwaltungsbehörde dies unverzüglich amtlich bekanntzumachen."

Will heißen: Überschreitet die 7-Tage-Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen 100er Marke, gelten die Regelungen des höheren Wertes. Dann ist also kein "Click & Meet" mehr möglich und auch kein Einzelunterricht in Musikschulen. Die Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr morgens gilt dann ebenfalls wieder.


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Für Schulen und Kitas gibt es jedoch unterschiedliche Fristen: "Bei Schulen ist der Freitag Stichtag", erklärt Holger Strehl, Pressesprecher des Landratsamtes. An diesem Tag entscheidet das Landratsamt – abhängig von den Inzidenzwerten – ob in der folgenden Woche Präsenzunterricht möglich ist. Bei Kitas wiederum gilt: "Wenn der Wert an einem Tag die 100 überschreitet, hat das Landratsamt 24 Stunden Reaktionszeit, dann geht es zurück in den Notbetrieb", erklärt Strehl. Das aber gilt aber nur noch bis 12. März. Ab 15. März werden Kitas und Schulen gemeinsam betrachtet – immer freitags.

Anonymes Schreiben an EGF

So kann es auch passieren, dass die angekündigte Rückkehr aller Schüler in der kommenden Woche doch nicht stattfindet. "Wir richten uns auf beide Fälle ein", erklärt Karlheinz Schoofs, Direktor des Forchheimer Ehrenbürg Gymnasiums. Es ist eines der Themen, die den Schulleiter momentan umtreiben. Ein anderes ist ein anonymes Schreiben, in dem der Schule Unvorsicht bezüglich der Hygieneregeln vorgeworfen wird. Hintergrund ist eine jahrgangsübergreifende Klausur, die alle 113 Schülerinnen und Schüler der Q12 in der Turnhalle geschrieben haben. Zwei Tage später wurde einer davon positiv getestet und alle 113 in Quarantäne geschickt.

Schoofs erklärt: "Wir haben 2020 die Abiturprüfungen in der Turnhalle geschrieben, weil dort die Abstände eingehalten werden können." Das sei damals mit dem Gesundheitsamt abgesprochen gewesen. Dass dort nun nach dem Infektionsfall (und einem weiteren, der folgte) entschieden wurde, alle Schüler in Quarantäne zu schicken, damit sei nicht zu rechnen gewesen. "Ich kann den Ärger mancher nachvollziehen", meint Schoofs und sagt: "Wir haben unsere Konsequenzen gezogen, die Abiturprüfungen werden wir auf Klassenzimmer aufteilen."

Dennoch fügt er an, dass das für ihn derzeit nicht das brennendste Thema sei. "Die Quarantäne ist um. Unsere Abiturienten sind seit Montag wieder in der Schule." Bauchschmerzen bereite ihm jedoch, dass nächste Woche alle 900 Schülerinnen und Schüler zurückkehren – wenngleich dies im Wechselunterricht geschehen soll. Vor dem Hintergrund der Infektionszahlen hätte er sich ein vorsichtigeres Vorgehen gewünscht. "Der Distanzunterricht hat sich gut eingespielt, das hätte ich mir noch gut für die zwei Wochen bis zu den Osterferien vorstellen können", sagt er. Zumal auch bei der Teststrategie noch Fragen offen sind. "Ja, es gibt Schnelltests für Lehrer, aber was ist mit den Schülern?", fragt er.

Zumindest kann Holger Strehl vom Landratsamt mitteilen, dass das Landratsamt inzwischen 34 000 Schnelltests für Lehrkräfte und für das Kita-Personal vorrätig hat, die aktuell verteilt werden. Jeder erhalte zehn Tests und könne sich damit in den kommenden fünf Wochen zwei Mal pro Woche testen.

Für die Öffentlichkeit überlege man "ob wir zentrale oder dezentrale Angebote schaffen", so Strehl. Das komme auch darauf an, ob Ärzte und Apotheken Schnelltests anbieten. "Soweit ich weiß, haben sich einige Apotheken bereit erklärt."

Und die Ärzte? Dr. Manfred Singer ist Kinderarzt aus Forchheim – und noch etwas überfragt. "Die Regierung hat zwar angekündigt, dass jedem Bürger kostenlose Schnelltests zur Verfügung stehen, aber wir haben überhaupt keine", sagt er. Zwar habe sich die Praxis selbst Schnelltests gekauft, doch solle er diese jetzt zum Selbstkostenpreis bei seinen Patienten ohne Verdacht auf eine Infektion einsetzen? Und selbst wenn die Tests dann staatlicherseits zur Verfügung gestellt werden, "ganz umsonst können wir die auch nicht durchführen", meint Singer.

Er hofft, dass in den kommenden Tagen Abrechnungsmöglichkeiten für die Schnelltests bei Ärzten geschaffen werden, die den kostenlosen PCR-Tests bei Hausärzten ähneln. "Diese können wir als nicht kurativen Fall abrechnen", erklärt er.