Den Bahnhof vom Abstellgleis geholt

22.4.2010, 00:00 Uhr

© Edgar Pfrogner

Das aus dem Eröffnungsjahr (1886) der Seku stammende Bahnhofsgebäude wurde in einer beispielhaften Gemeinschaftsaktion des örtlichen Heimat- und Trachtenvereins und der Gemeinde restauriert und im Innern umgestaltet. An diesem Wochenende wird es im Rahmen der Neunkirchener Kulturtage und des 600-jährigen Jubiläums der Marktrechte-Verleihung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das denkmalgeschützte Gebäude diente nach Stilllegung der Bahnstrecke vor 47 Jahren unter anderem dem Bauhof, der bis 1997 im Erdgeschoss untergebracht war. Das obere Stockwerk überließ die Gemeinde, der das Anwesen gehört, ab 1983 dem Heimat- und Trachtenverein für Archivzwecke.

In einer bewundernswerten Fleißaktion brachte der Verein seither den alten Bahnhof auf Hochglanz. In der oberen Etage wurden fünf Räume renoviert, in denen Sammelstücke aufbewahrt werden. Im Erdgeschoss schuf man zwei größere Räume (mit Flur und Sanitäreinrichtung), die neben dem Heimatverein noch anderen Vereinen für Treffen oder Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden. Auch außen wurde das Gebäude auf Hochglanz gebracht: das Dach neu eingedeckt und die Fassade gestrichen.

Eine handwerklich begabte Gruppe von zirka einem Dutzend Vereinsmitgliedern leistete insgesamt 7000 kostenlose Arbeitsstunden. Bei Facharbeiten wurde sie von Profis angeleitet und unterstützt, für welche die Gemeinde Rechnungen mit übernahm. Insgesamt 55 000 bis 60 000 Euro wendete der Heimat- und Trachtenverein aus eigener Tasche auf, wie Herbert und Elisabeth Roth (die Vereinsvorsitzende) berichten. Dies ist eine enorme Summe für einen nur 170 Mitglieder starken Verein. Einen etwa ähnlich hohen Betrag steuerte die Gemeinde bei.

Im Obergeschoss des alten Bahnhofs hat der Heimat- und Trachtenverein 400 uralte Haushaltsgeräte und Gebrauchsgegenstände eingelagert, unter anderem erste Staubsauger- Modelle und Elektrorasierer, Milchschleudern zur Rahmherstellung oder Kaffee-Röstpfannen. Wunschobjekt wäre noch ein altes Volksempfänger-Radio.

Auch Ortsheimatpflegerin Eleonore Nadler hat einen Wunsch: Den Erhalt des um 1910 erbauten »Wina-Hauses« in der Nachbarschaft des Bahnhofs und gegenüber der seit 1919 bestehenden Gastwirtschaft »Seku«.

Bernhardiner als Zugpferde

Hier schwingt auch verständliche Nostalgie mit: Zu Seku-Zeiten bis in die ersten Nachkriegsjahre hinein war die Bahnhofstraße eine der meist frequentierten Straßen Neunkirchens. Der 1986 von der Marktbücherei herausgebrachte Bildband »Neunkirchen am Brand wie es früher einmal war« (von Karl-Heinz Schlee und Mitautoren) illustriert dies mit markanten Bildern. Vor dem Bahnhof stauen sich Massen von Skifahrern wie in einem großen Wintersportort (sie nutzten den Skihang in Rödlas). Spektakulär ist auch die Aufnahme eines Großenbucher Milchbauern, der um 1920 die Erlanger Klinik belieferte. Er verfrachtete die Milch in die Seku und rückte morgens mit einem Leiterwägelchen an, das von zwei Bernhardinern gezogen wurde.

Info: Der renovierte Neunkirchener Bahnhof kann am Samstag, 24. April, von 13 bis 20 Uhr besichtigt werden (Segnung mit ökumenischem Gottesdienst um 14.30 Uhr). Weitere Öffnungszeiten Sonntag, 25. April, und am Wochenende 1./2. Mai, jeweils von 13 bis 17 Uhr.