Verlockend rote Früchte

Der Effeltricher Bananenapfel feiert ein Comeback

10.10.2021, 12:01 Uhr
Knackig rot leuchten die Früchte des Effeltricher Bananenapfels. Darüber freut sich Tobias Vogel.

Knackig rot leuchten die Früchte des Effeltricher Bananenapfels. Darüber freut sich Tobias Vogel. © Petra Malbrich, NN

Rot leuchten die handlichen Äpfel am Baum. Einige fallen bereits ab. „Sie sind reif“, sagt Tobias Vogel, ehemaliger Kreisfachberater für den Obstanbau am Landratsamt Forchheim, und hebt einen dieser nach Bananen schmeckenden Äpfel auf. Lange ist er in Vergessenheit geraten. Durch die Aktionen des Effeltricher Heimatvereins ist der Bananenapfel jetzt wieder in den Fokus gerückt. Darüber freut sich Tobias Vogel. Denn auf ihn und seinen Fachkollegen Peter Bayer geht auch die Namensgebung „Effeltricher Bananenapfel“ zurück.

"Schmeckt wie Banane"

Das ist schon eine Weile her. Ende der 50er Jahre traf er sich der damals noch junge Kreisbaumwart Tobias Vogel mit Peter Bayer zu einem Arbeitseinsatz in den Effeltricher Obstgärten und entdeckte einen Baum mit leuchtenden roten Äpfeln. Der Apfel sah so verlockend aus, die Fachmänner kosteten davon. „Er schmeckt wie eine Banane“, erinnert sich Vogel an seinen ersten Impuls nach dem Verzehr des Apfels.

Auch zum Backen sind die roten Äpfel sehr gut geeignet.

Auch zum Backen sind die roten Äpfel sehr gut geeignet. © Petra Malbrich, NN

Doch die beiden Männer, in Sachen Obst wirklich geschult und informiert, wussten nicht, um welche Apfelsorte es sich handelte. Also nannten sie ihn „Effeltricher Bananenapfel“. Der Name ging dann auch im Europom 2005, dem Sortenkompendium der Apfel- und Birnensorten Europas, ein und ist dort neben 600 anderen Sorten zu finden.

Aus USA eingewandert

An der Bundesgartenschau in München wurde das Europom vorgestellt. Doch woher stammte der Apfel wirklich und wie kam er nach Effeltrich? Der bekannte Pomologe Fritz Renner aus Triesdorf hat die Sorte genau beobachtet und bestimmt. Bei dem Bananenapfel handelte es sich um einen Mutterapfel. American Mother ist auch die offizielle Bezeichnung des Apfels in England. „Die Herkunft des Bananenapfels ist Massachusetts, USA“, weiß Tobias Vogel. Von dort ist der Apfelbaum ins Kärtner Lavanttal importiert worden, von wo aus er sich irgendwie rasch verbreitete.

Wobei das „Irgendwie“ bald geklärt ist, wenn man um die Bedeutung des Ortes Effeltrich damals auf dem Globus weiß. „Effeltrich war weltbekannt für seinen Obstbaumhandel“, betont Vogel. Über solche weltweiten Obsthandel kam die alte Apfelsorte nicht nur nach Effeltrich, sondern auch in die Oberpfalz, in das heutige Tschechien und sogar nach England. Als Bananenapfel war die Sorte in Effeltrich damals aber nicht bekannt. „Er fällt mit dem Bananengeschmack auf“, sagt Vogel über diese Sorte. Das ist wohl auch der Grund, warum er in Kärnten, im Lavanttal ebenfalls den Beinamen Bananenapfel erhalten hat. Allerdings: Eine Kreuzung mit Bananen steht nicht hinter der Sorte.

Schöner Anblick

Tobias Vogel winkt vehement ab und nennt die ebenfalls bekannte alte Apfelsorte Cox Orange als weiteres Beispiel. Dieser Apfel mit einem Orangengeschmack wurde auch nicht mit einer Orange gezüchtet. Die Namensgebung bezieht sich lediglich auf die Geschmacksrichtung. Die schmeckt eben bei dem Effeltricher Bananenapfel nach Banane. Jedenfalls ist der Bananenapfel ein schöner Anblick, wie die beiden Bäume des Bananenapfels in der Obstversuchsanstalt in Hiltpoltstein zeigen.

Tobias Vogel, der immer an alten Kernobstsorten interessiert war, holte auch den Bananenapfel in die Versuchsanlage. Die Reiser veredelte Tobias Vogels Sohn Christoph und sind Zeugnis für alte bewährte noch immer begehrte Sorten. „Der Bananenapfel ist äußerlich schön, leuchtet Rot, wenn er gut besonnt ist, sonst ist er gelblich mit roten Backen“, erklärt Vogel, der für ein Comeback des Bananenapfels wirbt.

Robust und anspruchslos

Aus gutem Grund: „Es ist eine robuste und qualitative Frucht“, sagt Vogel. Bodenansprüche stellt die Sorte nicht. Heuer haben beispielsweise nicht alle Bäume der Versuchsanlage Äpfel getragen. Der Bananenapfel hingegen zeigt einen starken Behang. „Er ist wenig schorf- und frostanfällig, hat wunderschöne Blüten in einem intensiven Rosa“, schwärmt Vogel.

Doch der Apfel kann mehr. „Er ist zum Backen sehr gut geeignet, wird mürbe bei längerem Liegen, ohne mehlig zu werden“, lobt Vogel. Als Apfelmus ist der Bananenapfel ebenfalls ein Gedicht oder allgemein betrachtet: Der Bananenapfel ist vielseitig verwendbar. Vor allem zum Saftpressen und zum Frischverzehr. Beim Reiserverkauf kann der Bananenapfel erworben werden und falls man den Baum nicht groß im Garten wachsen haben möchte, ist die Sorte ebenfalls geeignet. „Auf einer schwach wachsenden Unterlage bleibt er klein“, weiß Vogel. Die Vorteile und den Geschmack des Apfels beeinflusst das nicht. „Ich habe immer für den Apfel geworben“, sagt Vogel - und bewirbt den Apfel immer noch.

Zur Information:

Sorte: Mutterapfel (Lavanttaler Bananenapfel)

Synonyme: American Mother (England), Effeltricher Bananenapfel (Franken), Lavanttaler Bananenapfel (Österreich), Matico (Tschechien), Schöner aus Schönlind (Oberpfalz)

Herkunft: USA, entstanden in Bolton Massachusetts, 1844 erste Aufzeichnung, 1848 als neue Sorte beschrieben, verbreitet in Deutschland, Österreich und Tschechien.

Reifezeit: Oktober bis Januar

Frucht: Mittelgroß, Fleisch grünlich-gelb, saftig, mild säuerlich, süß, bananenartiges Aroma

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