Der Fränkische-Schweiz-Marathon - eine Wundertüte

5.3.2021, 14:50 Uhr
Welt-läufig im Wortsinn: Als passionierte Ausdauersportlerin hat Amtsleiterin Marion Rossa-Schuster Praxis-Erfahrung in aller Welt gesammelt – hier beim Dubai-Marathon.

Welt-läufig im Wortsinn: Als passionierte Ausdauersportlerin hat Amtsleiterin Marion Rossa-Schuster Praxis-Erfahrung in aller Welt gesammelt – hier beim Dubai-Marathon. © Foto: privat

Vor einem Jahr liefen die Planungen für den 21. Fränkische-Schweiz-Marathon gerade an. Corona war da noch kein großes Thema. Doch im Juli musste Toni Eckert "seine" letzte Laufveranstaltung schweren Herzens absagen. Jetzt startet seine Nachfolgerin den nächsten Anlauf – am 4./5. September soll es rund um Ebermannstadt los gehen.

Frau Rossa-Schuster, manche finden es ziemlich mutig, dass Ihre erste "Amtshandlung" die schnelle Öffnung der Anmeldung für den Fränkische-Schweiz-Marathon war . . .

Marion Rossa-Schuster: Es war zwar nicht meine erste Amtshandlung - ich habe mir in den ersten beiden Monaten des Jahres auch schon andere Themen vorgenommen - aber ja, wir wollten ein Signal setzen. Wir haben auch mit Landrat Hermann Ulm gesprochen und der hat uns grünes Licht gegeben, ganz normal zu planen. Ende Februar/Anfang März haben wir traditionell begonnen. Als öffentlich-rechtlicher Veranstalter haben wir da einen kleinen Vorteil: Wir buchen kein Startgeld ab, bevor klar ist, dass die Läufe auch wirklich stattfinden. Unsere ehrenamtlichen Helfer werden wir erst später einbinden. Im Juni/Juli wissen wir hoffentlich mehr.

Bis zu welchem Ausmaß sind Hygiene-Auflagen bezüglich der Corona-Pandemie für Sie tragbar, ab wann würden Sie sagen: "Jetzt sagen wir ab"?

Marion Rossa-Schuster: Im Sommer werden wir uns mit dem Gesundheitsamt und unserem Juristen beraten, wie die Pandemie-Lage gerade ist. Ich hoffe, dass bis dahin eine Durchführung der Veranstaltung in welcher Form auch immer möglich sein w ird. Ich selbst habe im vergangenen Jahr an zwei kleineren Läufen teilgenommen. Da galt die Maskenpflicht an Start und Ziel, es wurde mit räumlichem Abstand gestartet. So etwas könnte ich mir auch vorstellen. Und es gibt ja zudem die Möglichkeit, zeitlich etwas versetzt zu starten, da die modernen Chips auch die Nettozeit erfassen und die Uhr erst läuft, sobald der Läufer die Startlinie überquert. Problematisch ist das nur beim Halbmarathon, der heuer gleichzeitig die bayerische Meisterschaft ist. Da ist eine Brutto-Zeitmessung vorgeschrieben – aber darüber müsste man mit dem Bayerischen Leichtathletikverband diskutieren.

Das Zuschauer-Problem war 2020 der Hauptgrund für die Absage. Wie wollen Sie es in diesem Jahr in den Griff bekommen?

Marion Rossa-Schuster: Ja, das war das K.o.-Kriterium. Das Problem ist, dass das Rennen im öffentlichen Raum stattfindet. Und ich kann es keinem verbieten, sich dort aufzuhalten. Zudem hätten wir nicht genug Ordner, die auf 42,195 Kilometer jeden Streckenabschnitt überwachen könnten. Ich hoffe darauf, dass die Infektionszahlen bis zum September deutlich heruntergehen. Ich könnte mir aber auch Maskenpflicht für Zuschauer in der Start- und Zielzone vorstellen.

Sind Sie sehr verärgert, dass der Rother Triathlon exakt auf das gleiche Wochenende umgezogen ist?

Marion Rossa-Schuster: Einerseits ärgerlich, weil uns das sowohl Teilnehmer als auch öffentliches Interesse kosten wird, andererseits stimmt es mich ein bisschen hoffnungsfroh. Wenn die Rother zuversichtlich sind, dieses Riesen-Event mit über 100 000 Zuschauern zu diesem Zeitpunkt über die Bühne bringen zu können, könnte es uns doch vielleicht auch gelingen.

Sie übernehmen einen gut eingeführten Lauf. Wollen Sie den FSM nur weiterführen oder auch neu erfinden?

Marion Rossa-Schuster: So weit denke ich im Moment ehrlich gesagt nicht. Im Vordergrund steht eindeutig der Gedanke, dass wir heuer überhaupt einen Fränkische-Schweiz-Marathon durchführen können. Es gab und gibt ja immer wieder Neuerungen. Zum Beispiel haben wir "Run & Bike" neu ausgeschrieben, das ich persönlich sehr spannend finde – allein schon wegen der verschiedenen Renntaktiken. Dafür sind die Inlineskater aus dem Programm gestrichen.

Woran lag das?

Marion Rossa-Schuster: Seit 2000 hat sich die Szene ziemlich gewandelt. Anfangs hatten wir fast 1000 Skater, dann war der Boom vorbei, die Zahl ist zuletzt kontinuierlich gesunken. 2018 waren es nur noch 146. Zum Abschied 2019 kamen zwar noch einmal 207, aber das war nur so eine Art letztes Aufbäumen. Bei den Läufern wollten am Anfang alle unbedingt einen Marathon laufen, inzwischen haben nicht mehr so viele diesen Ehrgeiz. Darum haben wir auch kürzere Strecken ins Angebot genommen.

Wie sind Sie selbst zum Laufen gekommen?

Marion Rossa-Schuster: Auch durch den FS-Marathon. 2000 hat der damalige VHS-Mitarbeiter Lorenz Kaiser einen Lauf-Einsteigerkurs extra zur Premiere in Ebermannstadt angeboten – und ich als "spätberufene" Kollegin mit Mitte 30 wurde überredet. Damals herrschte eine riesige Euphorie, die 40 Teilnehmer mussten in zwei Gruppen aufgeteilt werden.

Seitdem sind sie eine passionierte Ausdauersportlerin und sind bei Wettbewerben in aller Welt gestartet – was nehmen Sie da als FSM-Organisatorin mit?

Marion Rossa-Schuster: Natürlich schaue ich genauer hin als eine normale Läuferin. Zum Beispiel beim Thema Startunterlagen. Da haben wir wegen der Zeitmess-Chips jahrelang immer viel Bargeld vorhalten müssen, um den Läufern ihr Pfand zu erstatten. Dann habe ich andernorts gesehen, dass das anders geht. Seitdem haben wir kein Pfand mehr kassiert, nur wer den Chip nicht abgab, dem wurde eine Summe im Nachhinein abgebucht.

Gibt es auch gute Elemente, die man nicht auf den Fränkische-Schweiz-Marathon übertragen kann?

Marion Rossa-Schuster: Da fällt mir der Wiener Stadtmarathon ein, wo sich die Läufer aus Wasserhähnen versorgen konnten, die aus Hydranten gespeist wurden. Das erspart den Organisatoren viele Helfer an den Getränkestationen und ist ja auch nachhaltig, weil da jeder seinen Becher nutzen kann und nicht so viel Abfall entsteht. Das geht in einer Großstadt, aber nicht an der B 470.

Welche Veranstaltung war für Sie bisher das Nonplusultra?

Marion Rossa-Schuster: Es gibt sehr viele sehr gute Läufe, vor allem Stadtläufe. Ich persönlich erinnere mich am liebsten an den Pisa-Marathon. Start und Ziel am Schiefen Turm, strahlender Sonnenschein bei null Grad am vierten Advent. Das Laufen lief da wie von selbst.

Gibt es auch schlechte Beispiele?

Marion Rossa-Schuster: Nicht so toll war es in Marrakesch. Da gab es am Start keine WCs. Da mussten die e Läufer in einem nahen Olivenhain verschwinden. Und die ganz großen Massenveranstaltungen machen mir wegen der Müllberge auch nicht so viel Spaß. In Paris beispielsweise werfen die Sportler alte Sweatshirts, Jacken und Überhosen, die man zum Aufwärmen und Warmhalten braucht, kurz vorm Start weg. Zum Glück werden diese Kleidungsstücke an Obdachlose gespendet.

Das Konzept des FSM ist es ja, Profis und Anfänger unter einen Hut zu bekommen. Wie wollen Sie diese Quadratur des Kreises schaffen?

Marion Rossa-Schuster: Ich denke, das kriegen wir schon ganz gut hin. Die Profis stehen ohnehin vorne an der Startlinie, die Hobbyläufer sind da geduldiger. Und es gibt viele Angebote für Jedermann. Unser Besenwagen fährt so langsam, dass auch gemütliche Hobby-Jogger noch rechtzeitig ins Ziel kommen können. Und beim Zehntel-Marathon hatten wir zum Beispiel eine Eltern-Kind-Gruppe, bei dem Mütter und Väter mit den Kleinen im Rücken- oder Bauchtragegurt die Strecke gelaufen sind.

Welchen Einfluss wird denn Corona auf die Fitness der Teilnehmer haben?

Marion Rossa-Schuster: Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, die ambitionierten Läufer haben weiter trainiert, wobei ihnen natürlich auch die Wettkampfpraxis fehlt. Und ich sehe sehr viele Menschen durch die Natur joggen, die offenbar durch die Pandemie diesen Sport für sich entdeckt haben. Ich sehe es an meiner Tochter, die sonst immer ins Fitnessstudio gegangen ist und fürs Laufen wenig übrig hatte. Jetzt hat sie angefangen – und hat sogar Lust, an einem Wettkampf teilzunehmen. Anders ist das vielleicht bei anderen, die sich schon immer aufraffen mussten, sich sportlich zu betätigen und durch den langen Lockdown keine Energie mehr haben.

Der 21. FS-Marathon ist also in jeder Hinsicht eine Wundertüte . . .

Marion Rossa-Schuster: (lacht) Ja, auf jeden Fall. Ich muss mich überraschen lassen und hoffe, dass wir in Abstimmung mit den Behörden eine gute Durchführungsmöglichkeit der Veranstaltung ffinden können. Dann sollte dem 21. Fränkische-Schweiz-Marathon nichts im Wege stehen. Vorausschauenderweise haben wir die Teilnehmershirts im Vorjahr ohne Jahreszahl, nur mit dem Schriftzug "21. Fränkische-Schweiz–Marathon" bedrucken lassen. Die können wir dann hoffentlich heuer ausgeben.

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