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Der Otter kommt: Ist der fränkische Karpfen in Gefahr?

Im Landkreis Bamberg wurden bereits erste Tiere gesichtet - 14.08.2017 09:23 Uhr

Noch geht es den fränkischen Karpfen gut. Doch Unheil droht.

13.08.2017 © Hubele


An einem Fischweiher direkt hinter Haid trafen sich Teichwirte, Fischexperten und an der oberfränkischen Teichwirtschaft Interessierte. Zu ihnen gehörten Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Die Fischwirtschaft im Aischgrund hat eine jahrhundertealte Tradition. So malerisch, wie sie wirkt, ist sie keinesfalls.

Karpfen in den Händen der Fachleute: Schleimhaut und Kiemen begutachten Thomas Speierl, Leiter der Fischereifachberatung im Bezirk Oberfranken, Anatoli Nagel und Günther Denzler, Bezirkstagspräsident (v. li. n. re.) ganz genau.

13.08.2017 © F.: Hubele


Schon im Juli mussten die ersten Karpfen per Notabfischung aus den Weihern geholt werden, in denen – aufgrund der langanhaltenden Trockenheit – nicht mehr genug Wasser war, berichtete Anatolij Nagel, der in der Nachfolge seines Schwiegervaters Fritz Nagel in diesem Jahr zum ersten Mal als Organisator fungierte. Da Nagel die Dämme der Weiher gerade frisch saniert hatte, lief er alleine zum Weiher und brachte quicklebendige Karpfen zu den Fachleuten. Diese schauten den Karpfen in die Kiemen, streichelten über deren Schuppen und befanden: Sie sind gesund.

Tropfen auf den heißen Stein

Das Defizit an Regen halte schon seit 2014 an, sagte Bezirkstagspräsident Günther Denzler. Inzwischen liege der Grundwasserspiegel etwa 30 Prozent unter dem normalen Stand. Auch wenn vor zwei Wochen rund 50 Liter Regen auf manchen Quadratmeter geprasselt sind, reiche das noch lange nicht aus. Regen und Gewitter hätten den Mangel nicht beseitigt, sondern waren lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Außerdem wirke sich der schnelle Wechsel zwischen Hoch- und Tiefdruck auf den Sauerstoffgehalt der Teiche aus.

Vermutlich Opfer eines Otters: eine Forelle.

13.08.2017 © F.: Rudolf


Die Kormorane plagen die Fischer in diesem Jahr dafür nicht so sehr. Daran sei der frostige Winter schuld, ist sich Denzler sicher. Bis März waren die Weiher gefroren, so dass sich die Vögel ein anderes Gebiet zum Fischfang suchen mussten und unter anderem auf die Aisch auswichen. Trotzdem plädierte er dafür, die artenschutzrechtlichen Ausnahmen, nach denen die Vögel auch bejagt werden dürfen, für die nächsten zehn Jahre zu verlängern.

Auch die Biber hätten in diesem Jahr geringere Schäden angerichtet, berichtet Denzler. Dafür drohe mit dem Otter eine neue Gefahr für die Teichwirte. Da dieser im Landkreis Bamberg bereits gesichtet wurde, könne es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis dieser auch im Aischgrund auftauche.

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Maria Rudolf aus Deusdorf, die dort eine kleine Forellenzucht betreibt, erzählte, wie die Otter die Fische aus dem Weiher holen: Ein einziger Otter fresse etwa zwei Forellen täglich. Verköstige sich eine ganze Otterfamilie, dauere es nicht lange, bis von 750 Forellen nur noch wenige übrig seien. Bei einer Diskussion über mögliche Entschädigungen sind sich die Teichwirte einig: Sie wollen nicht entschädigt werden, sie wollen nur ihre Fische großziehen.

"Wir betreiben echten Artenschutz", sagte Rudolf im Hinblick auf Eisvögel, Libellen und andere Tiere, die sich an den Teichen wohlfühlen. Entdeckt der Fischotter die Haider Teichen, werden wohl kaum noch Karpfen eingesetzt: "Dann kann dort Reis angebaut werden", scherzte Nagel. Das Naturschutzgebiet Haid entstand durch die Teichwirtschaft. Werde diese eingestellt, stehe die gesamte Teichlandschaft im Aischgrund in Frage.

Damit es möglichst nicht dazu kommt, treffen sich die Experten und Teichwirte und beraten, wie sie Naturschutz, Teichbewirtschaftung und die Erzeugung regional hochwertiger Produkte, wozu Karpfen und Forelle zählen, unter einen Hut bekommen können.

Sylvia Hubele

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