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Der Trend in der Region geht zurück zur Glasflasche

Getränkehändler in der Region sehen Rückgang der Plastikflaschen - 24.05.2019 08:42 Uhr

Ilona und Thomas Bauer, Getränkehändler in Gräfenberg, liefern auch nach Hause. Der Trend geht beim Mineralwasser weg von der Plastikflasche, sagen sie. © Foto: Petra Malbrich


"Diese Woche im Angebot: Mineralwasser in Glasflaschen", oder: "Jetzt auch wieder in Glasflaschen". Diese Slogans sind nun auf Prospekten zu sehen und machen deutlich: Der Kampf gegen Plastik wird ernst genommen, das Verhalten der Verbraucher gelenkt und deren Wünsche, wieder Glas als Verpackung zu verwenden, erfüllt.

Kästen sind leichter

Gefruchtet haben die zahlreichen Bilder und Berichte über Meeresbewohner und andere Tiere, die Plastikmüll schlucken oder sich darin verheddern und qualvoll verenden. Dass sich das Kundenverhalten ändert, bemerken auch die Getränkemärkte im Landkreis: "Es gibt zwei feste Fronten, doch die Tendenz geht in Richtung Glasflaschen", meint Christian Kurz, Filialleiter des Getränkemarktes Fränky in Forchheim. Die Kunden, die Getränke in den Plastikflaschen kaufen, tun es einfach der Vorteile wegen. Die Kästen sind nun einmal leichter zu tragen. Christian Kurz selbst trinkt aus Glasflaschen: "Es schmeckt einfach anders." Er ist aufgrund eines persönlichen Erlebnisses in einem heißen Sommer auf Glas umgestiegen. Im Auto hatte er immer eine Plastikflasche dabei. An einem dieser Tage hatte er sich den Magen verdorben, was er auf das abgestandene Wasser zurückführte. Seitdem trinkt er nur noch aus Glasflaschen. Seine Töchter bevorzugen Glasflaschen ohnehin.

Umgestellt haben auch Thomas Bauer und seine Familie vom gleichnamigen Getränkemarkt und Getränkelieferservice aus Gräfenberg. Da er täglich unzählige Kästen zu den Kunden ins Grundstück oder an die Kellertreppe trägt, wollte er es zu Hause ein bisschen einfacher haben und hat für sich die leichteren Plastikkästen in die Wohnung getragen. Doch auch bei ihm waren die zahlreichen Bilder über die Plastikfluten ausschlaggebend dafür, auf Glas umzusteigen.

Nordbayerns größter Getränkefachgroßhandel

"Selbst bei den Joghurts", sagt Bauer. Doch auch am Kundenverhalten bemerke er die Tendenz "weg vom Plastik, hin zum Glas". Immer häufiger werden die Getränke in Glasflaschen verlangt. Weil Thomas Bauer nach Hause liefert, konnte er Kunden dazugewinnen, die vorher des Gewichts wegen Plastikflaschen im Supermarkt kauften. Das veränderte Kundenverhalten kann auch in Zahlen benannt werden. Einen guten Überblick dafür gibt Nordbayerns größter Getränkefachgroßhandel Getränke Ziegler in Ottensoos.

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Im Umkreis von 100 Kilometern beliefert Ziegler ausschließlich im Mehrwegbereich, dazu gehören auch die PET-Mehrwegflaschen, Getränkemärkte im nordbayerischen Raum. "Plastik ist in Verruf", sagt Klaus Endres, Geschäftsführer von Ziegler. Auch der Verband deutscher Getränkefachgroßhandel bemerke, dass die Glasgebinde mehr in den Vordergrund gerückt sind. Die Gründe dafür seien vielschichtig, meint Endres. Angefangen beim Negativimage der Plastikflaschen bis hin zur Tatsache, dass Glas einfach die beste Verpackung für Mineralwasser ist, da geschmacksneutral.

Neue Flaschen

Einen weiteren Grund sieht Endres in den neuen "Individualflaschen und -kisten". Mineralbrunnenbetriebe bieten inzwischen neue, hochwertige Flaschen und Kisten an. Damit sind die Produkte optisch attraktiver geworden und werden vom Kunden gerne gekauft. Klaus Endres hat das erste Quartal 2019 mit dem des Vorjahres verglichen: "Der Absatz von Mineralwasser im Glas ist um 16 Prozent gestiegen."

Auch die Regionalität spielt eine große Rolle: "Verbraucher greifen gerne zu regionalen Produkten." Das spiegelt sich vor allem in den Fruchtsäften wider. Bei Säften gebe es nach wie vor den Trend zu Plastikflaschen und Tetra-Packs, auch wegen eines günstigeren Preises. Ein Absatzsatzrückgang von Glasgebinden sei zu verspüren. "Allerdings sind die Säfte von Regionalen weiterhin stabil. Hier haben vor allem große Marken Absätze verloren und verkaufen ihren Saft nicht mehr in Glas-Mehrweg", erläutert Endres.

Bier wird "in Glas gelebt"

Bei Bier hingegen gibt es keine Frage: "Hier ist das Glas gelebt", meint Endres. Dennoch hat auch die gute Nachricht, dass vor allem bei den Mineralwassern die Verbraucher auf Glas umstellen, eine Kehrseite: Sie betrifft den Transport. "Durch das höhere Gewicht können nicht so viele Paletten transportiert werden."

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In Zahlen ausgedrückt wären das statt der üblichen 34 Paletten mit PET-Flaschen nur noch 30 mit Glasflaschen. Je nach Kastenart oder Inhalt passen 36, 40, 45 oder 60 Kisten auf eine Palette. "Im Falle der individualisierten Kisten sind es 45 Kisten", weiß Endres. Der Frachtpreis wird auf die Kisten umgerechnet, was letztendlich zu einer Erhöhung der Kisten führen würde und zu mehr Fahrten. Trotzdem bevorzugt auch Klaus Endres das Mineralwasser in der Glasflasche: Es schmeckt besser und Glas bleibt nun mal das beste Verpackungsmittel für Lebensmittel.

PETRA MALBRICH

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