Schluss mit Klärschlammausbringung

Die saubere Umwelt kostet eine Menge Geld

17.6.2021, 15:00 Uhr
Die Ebermannstädter Kläranlage muss  nachgerüstet werden.

Die Ebermannstädter Kläranlage muss  nachgerüstet werden. © Marquard Och

Für die Ertüchtigung der Rechenanlage mit Umbau des Notumlaufgerinnes sind im aktuellen Haushalt 30.000 Euro Planungsmittel eingestellt und im Finanzplan 2022 sind für die Ausführung 490.000 Euro vorgesehen.

Nach Berichten der Anlagenwärter verursachten vom Rechen nicht mehr abgetrennte Feststoffe (Textilfasern, Papier, Kunststoffe) bereits Verzopfungsschäden; die Wartung im Januar bestätigte, dass „Spaltweiten“ bis sieben Millimeter die Reinigungsleistung beeinträchtigten – 14.000 Euro Reparaturkosten wären entstanden.

Verschlissene Bauteile

Das Risiko des Anlagenausfalls durch sonstige verschlissene Bauteile wäre geblieben. Somit folgten die Bauräte einhellig der Empfehlung des Bauingenieurs zum Austausch des Rechens mit drei Millimeter Spaltweite, der Umbau des Notlaufgerinnes soll die langfristige Funktion der Technik sicherstellen.

Aus der Verwaltung informierte Paul Gaßmann schriftlich über die bis 2024 begrenzte Fördermöglichkeit durch das Wasserwirtschaftsamt. Der Förderumfang bemisst sich nach einer „Härtefallschwelle“. In Ebermannstadt werde diese voraussichtlich schon im August des Jahres erreicht.

Entwässert und verwertet

Wieder vom Tiefbauzuständigen Paul Gaßmann stammt die Situationsbeschreibung zur Klärschlammentsorgung; derzeit werde der Schlamm der Sommermonate durch ein mobiles Unternehmen entwässert, anschließend landwirtschaftlich verwertet. In den Wintermonaten wird der ebenso gewichtsreduzierte Schlamm in einem Zementwerk verbrannt.

Im „Abfallwirtschaftsplan Bayern“ ist das Ziel aufgenommen, die landwirtschaftliche Verwertung zu beenden, die Zukunft liegt in der thermischen Verwertung. Die Belastung der Umwelt durch Medikamentenrückstände, Schwermetalle und Pflanzenschutzmittel kann dadurch ausgeschlossen und eine Rückgewinnung des wichtigen Rohstoffs Phosphor erreicht werden.

Starke Schwankungen

Begründet mit jetzt schon erschöpften Kapazitäten der Verbrennungsanlagen und starken Preisschwankungen bei den Transporten sprach Gaßmann die dringende Empfehlung einer selbstständigen Entwässerung im Klärwerk Ebermannstadt aus. Für die staatliche Förderung gilt nach wie vor das Ende des Jahres 2024.

Bei dem Anfall von jährlich 7300 Kubikmeter Schlamm würden sich 363 Transporte ergeben im Fall der stationären Entwässerung, mittels einer „Schneckenpresse“ reduzierten sich die Transporte auf 44, rechnete Matthias Kraft, der Pegnitzer Niederlassungsleiter von Baurconsult, vor.

Die von der Stadt bisher zur Schlammausbringung beauftragten Landwirte hatten Ende Mai um eine öffentliche Klarstellung gebeten, dass der beprobte Klärschlamm die gesetzlichen Grenzwerte unterschreite, weiter machten sie deutlich, bei gestiegenen Preisen für Kraftstoff und Maschinen sei die 2011 festgelegte Vergütung mit zehn Euro pro Kubikmeter „gerade noch kostendeckend“.

Zum Vorschlag der Stadt, ab Juli 15 Euro zu bezahlen, bemerkte Erwin Horn (NLE): „50 Prozent mehr, das ist viel.“ „Zu viel“ befand WGO-Stadtrat Heinrich Sponsel; sein Vorschlag 13 Euro wurde einstimmig angenommen. Darüber steht aber der 10:0 Beschluss: zum 31.12.2021 ist Schluss mit Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen.

Da die Umbauten und die eigene Klärschlammentwässerung erst ab dem Herbst 2022 entstehen können, hatte Kämmerer Wolfgang Krippel schon mal den Auftrag von Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) zu errechnen, was die Überbrückung der rein mobilen Schlammentwässerung mit Transporten und Verbrennung im Zementwerk jährlich an Kosten verursacht: Unter dem Strich stehen 210.000 Euro.

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