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Die Wiesenttalbahn feiert Jubiläum

Vor 130 Jahren wurde die Strecke Forchheim-Ebermannstadt eingeweiht - 31.05.2021 08:00 Uhr

Heute fährt auf der historischen Trasse der Wiesenttalbahn die private Bahngesellschaft Agilis.

19.05.2021 © Roland Huber


Die Eröffnungsfahrt mit geladenen Gästen am 25. Mai 1891 war ein großes Ereignis für die Stadt Forchheim und vor allem für die Fränkische Schweiz. Ein Freudentag für die ganze Gegend und zwar – was überraschen mag – nicht einmal so sehr, weil man mit den Aussichten auf einen stärkeren Fremdenverkehr spekulierte. Postkutschenfahrten und Fahrten mit dem ein- oder zweispännigen 'Kütschla' waren zu jener Zeit ihrer romantischen Begleitumstände halber nicht nur sehr beliebt, sondern sie genügten mit Müh und Not auch den bescheidenen Bedürfnissen der Touristen, die sich in den 1890er Jahren und davor ja nur in mäßigem Umfang in der Fränkischen Schweiz einfanden. Die offizielle Eröffnung durch die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen erfolgte am 1. Juni 1891.

Goldene Zeiten für das Fuhrgewerbe

Die erste Lokomotive, die vor 130 Jahren auf der Lokalbahn Forchheim - Ebermannstadt unterwegs war, hieß passenderweise "Ebermannstadt". Ein Zweikuppler, wie er Ende des 19. Jahrhunderts auf Nebenbahnen üblich war.

29.05.2021 © Sammlung Günther Klebes


Das Fuhrgewerbe in Forchheim und in Ebermannstadt hatte damals, vor 1891, goldene Zeiten, die für die 'Ermastodter' Ross- und Kutschenbesitzer (und Wirtshäuser) auch nach Eröffnung der Lokalbahn geblieben waren. Dieses goldene Zeitalter für die Ebermannstädter begann eigentlich an dem Tag, da der erste Lokalbahnzug von Forchheim in dem Städtchen eintraf. Nun war Ebermannstadt Endstation. Die Fremden, die weiter in die Fränkische Schweiz reisen wollten, nach Streitberg und Muggendorf, nach Behringersmühle und Gößweinstein, waren gezwungen, sich in Ebermannstadt eines der auf dem dortigen Bahnhofsplatz haltenden Ein- und Zweispänner zu bedienen. Man hatte damals noch Zeit zum Reisen und die Fahrt im 'Kütschla' oder im gelben Postomnibus wurde von den allermeisten Reisenden als ein besonderes Vergnügen empfunden.
Die Ebermannstädter Gasthöfe, an ihrer Spitze der 'Goldene Engel' des durch seinen Witz und Humor sowie durch sein ausgezeichnetes Spalter Bier bekannten dicken Weingroßhändlers, Schnapsbrenners und Apfelweinkelterers Wolfgang 'Weinmüller' Müller, machten glänzende Geschäfte.
Im Grunde genommen konnte die Bevölkerung der Fränkischen Schweiz bereits ein 150-jähriges Bahnjubiläum begehen. Denn es ist über 150 Jahre her, seit man sich zum ersten Male mit dem Bahnbau von Forchheim durch das untere Wiesenttal beschäftigte. Wie bei den meisten Lokalbahnprojekten vergingen Jahrzehnte, bis der Bau im Bayerischen Landtag genehmigt wurde und man den ersten Spatenstich tat.

Südbahn ebnete den Weg

Am 5. Mai 2002 stand im Bahnhof Forchheim ein Triebwagen in klassischer DRG-Lackierung als Sonderzug.

29.05.2021 © Günther Klebes


Seit man am 2. August 1844 die 'königlich bayerische Ludwigs-Südbahn' Nürnberg – Forchheim – Bamberg und den im gleichen Jahr fertiggestellten Erlanger Burgberg-Tunnel eröffnet hatte, mehrten sich in der westlichen Fränkischen Schweiz die Stimmen, die den Bau einer Lokalbahn von Forchheim nach Ebermannstadt forderten - im Interesse der einheimischen Bevölkerung. In den 1860er Jahren waren es besonders die Forchheimer, die eine Fränkische-Schweiz-Bahn haben wollten. Es sollte eine Hauptlinie gebaut werden, von Forchheim durch die Fränkische Schweiz bis nach Bayreuth. Von Streitberg aus über die Hochfläche nach Wüstenstein und Plankenfels sowie von da durch das Truppachtal in Richtung Obernsees. Dieses Projekt unterlag aber dem Bahnbauprojekt durch das Pegnitztal von Nürnberg über Hersbruck und Pegnitz in Richtung Schnabelwaid, das 1877 verwirklicht wurde. Die jetzige Bahntrasse über Pinzberg, Gosberg, Wiesenthau, Kirchehrenbach und Pretzfeld konnte erst nach langwierigen Verhandlungen durchgesetzt werden, weil andere Interessenten die Führung der Trasse am rechten Ufer der Wiesent über Reuth, Weilersbach und Rüssenbach nach Ebermannstadt befürworteten, obwohl die Orte am linken Wiesentufer doch die bedeutenderen sind.

Ebermannstadt ist heute Stammbahnhof für die "Dampfbahn Fränkische Schweiz", die bis zum Endhaltepunkt Behringersmühle fährt und dabei Triebfahrzeuge wie die "ELNA" einsetzt.

29.05.2021 © Hans von Draminski


Bahnbrücken verbreitert

Die Lokalbahn Forchheim – Ebermannstadt verließ die an der Ludwigs-Südbahn von Bamberg nach Nürnberg gelegene Station Forchheim auf der Südseite und folgte der Richtung der Hauptbahn auf einen Kilometer Länge bis zum Schwedengraben. Für das gemeinsame Gleis der Linie nach Ebermannstadt und der 1892 eröffneten Lokalbahn nach Höchstadt sowie für die Rangiergeleise dieser Bahnen war anschließend an den Bahnkörper der Ludwigs-Südbahn eine eigene Trasse gebaut worden. Außerdem wurden dafür die Bahnbrücken über die Wiesent und den Schwedengraben auf der Hauptlinie verbreitert und die dazwischen vorhandenen Bahndurchlässe verlängert.

Grundlegender Umbau 1937

Ein grundlegender Umbau der Gleisanlagen in Forchheim erfolgte 1937. Danach fuhren die Züge in die Fränkische Schweiz auf der östlichen Bahnhofsseite ab und mussten die Hauptgeleise nicht mehr überqueren. Kurz nach dem Schwedengrabe überschreitet die Bahn den sogenannten Augraben und führt in östlicher Richtung zur Haltestelle Pinzberg, welche an der Staatsstraße von Erlangen nach Ebermannstadt angelegt ist. Im weiteren Verlauf überquert die Bahnlinie vor Gosberg den Hirtenbach, an dessen rechtseitigem Ufer die Haltestelle Gosberg steht. Dann wendet sich die Linie in nordwestlicher Richtung zur Staatsstraße und folgt deren Verlauf bis zur Haltestelle Wiesenthau. Von da führt die Strecke in nördlicher Richtung zur Haltestelle Kirchehrenbach, die in unmittelbarer Nähe der Ortschaft am Verbindungsweg von Kirchehrenbach nach Weilersbach angelegt ist. Jetzt wendet sich die Linie nach Osten, kreuzt den Ehrenbach und führt zur Haltestelle Pretzfeld. Schließlich kreuzt die Bahn einen von Pretzfeld aus in das rechtseitige Gelände des Wiesenttales führenden Ortsverbindungsweg, überschreitet den Hauptarm der Trubach und folgt in nordwestlicher Richtung einem Feldweg. Kurz vor dem Bahnhof Ebermannstadt überquert die Bahn nochmals die Staatsstraße nach Erlangen.

Weiterführung bis Heiligenstadt und Behringersmühle

Nachdem von höchster Stelle die Weiterführung der Bahn in nordöstlicher Richtung angeordnet wurde, trassierte man die Strecke bis über das Wiesenttal und vereinbarte mit den Besitzern der dazwischen liegenden Grundstücke Verfügungsbeschränkungen. Die Weiterführung der Bahn nach Heiligenstadt gelang 1915, bis Muggendorf 1922, bis Gößweinstein 1927 und bis Behringersmühle sogar erst 1930. Später wurden die von Ebermannstadt nach Heiligenstadt und Behringersmühle gehenden Strecken von der Deutschen Bahn stillgelegt. Das Stück von Ebermannstadt bis Behringersmühle wird von der Dampfbahn Fränkische Schweiz (DFS) weiterbetrieben. Vor zehn Jahren ging die Betriebsführung zwischen Forchheim und Ebermannstadt in die Hände der agilis-Verkehrsgesellschaft über. Zur von manchen geforderten doppelgleisigen Hauptbahn zwischen Ebermannstadt und Bayreuth durch das Wiesenttal kam es nie.

Günther Klebes

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