Dienstag, 20.10.2020

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Ebermannstadt: Warnstreik bei Kennametal

Auszubildende werden wegen Sparmaßnahmen nicht übernommen - 15.10.2020 10:15 Uhr

Am Donnerstagmorgen wurde bei Kennametal ein Warnstreik gegen die Sparmaßnahmen zu Lasten der Ausbildung organisiert.

© Stefan Braun


Die Firma Kennametal übernimmt in diesem Jahr in Deutschland keine Auszubildenden und stellt auch keine ein. Diese Maßnahme, die von der in der Schweiz sitzenden Pressestelle des US-Konzerns mit dem Auftragsrückgang unter anderem aufgrund der Corona-Krise begründet wird, stößt bei den Betroffenen in Ebermannstadt auf Unverständnis.

Das Misstrauen ist groß. „Lasst Euch nicht einschüchtern, Ihr habt nicht auf dem Firmengelände und zudem außerhalb der Arbeitszeit demonstriert“, rief der IG-Metall Sekretär Marcel Adelhardt den rund drei Dutzend Mitarbeitern, darunter viele Auszubildende, am Ende der knapp 20-minütigen Kundgebung kurz vor 7 Uhr zu, ehe diese sich auf den Weg zu ihren Arbeitsplätzen machten.

Wurden sie eingeschüchtert?

Adelhardt begründete diesen Appell mit Einschüchterungsversuchen seitens der örtlichen Geschäftsleitung im Vorfeld: „Uns kam da einiges zu Ohren.“ Bereits vor der kurzen Kundgebung hatte der IG-Metall-Vertreter die örtliche Geschäftsleitung mit deutlichen Worten kritisiert: „Die verstecken sich hinter den USA. Dabei hatte die örtliche Geschäftsleitung die Schritte beantragt. Das wird die IG Metall nicht mittragen.“

Dieser Darstellung widerspricht Gaby Mlnarik, Pressesprecherin bei Kennametal in einer schriftlichen Stellungnahme: „Wie viele Unternehmen haben wir weltweit Maßnahmen ergriffen, um uns auf die geringeren Volumina einzustellen, unsere Kosten zu kontrollieren und die Sicherheit unserer Mitarbeiter und Standorte während dieser Krise zu gewährleisten – Maßnahmen unter anderem sind Reisebeschränkungen, Kurzarbeit und Personalabbau.“

Am Donnerstagmorgen wurde bei Kennametal ein Warnstreik gegen die Sparmaßnahmen zu Lasten der Ausbildung organisiert.

© Stefan Braun


Weiter führte Mlnarik an, dass zu den Maßnahmen leider auch gehöre, Teile des Ausbildungsprogrammes vorübergehend anzupassen und in diesem Jahr keine neuen Auszubildenden einzustellen und keine zu übernehmen. Es handelt sich demnach nicht um eine Maßnahme, die speziell auf das Werk in Ebermannstadt gerichtet ist.

Sechs bis sieben Azubis

In den letzten Jahren habe Kennametal in Ebermannstadt jedes Jahr sechs bis sieben Auszubildende eingestellt, „in früheren Jahren waren es sogar 12 bis13“ erklärt der örtliche Betriebsratsvorsitzende Thomas Bauernschmidt zur Anzahl der jungen Leute, die von den Sparmaßnahmen des weltweit agierenden Konzerns betroffen sind.

Die Argumentation von Mlnarik könne man nicht nachvollziehen, sagt Bauernschmidt mit Enttäuschung in der Stimme, „das Unternehmen steht solide da. Es bietet wegen der Pandemie hohe Sozialleistungen. Das letzte Jahr war ein Rekordjahr, jetzt aber bluten die Kleinsten“.

Das Unternehmen verliere dabei einen Teil seiner Identität, denn, so der BR-Vorsitzende: „Die Ausbildung war jahrzehntelang ein Aushängeschild von Kennametal.“ Ob dies in absehbarer Zeit wieder der Fall sein wird? Die Ankündigung von Gaby Mlnarik lässt dies hoffen: „Wir überwachen kontinuierlich Pandemie- und Marktbedingungen und freuen uns darauf, wenn wir zu unserer gewohnten Art und Weise im Rahmen unserer Ausbildung zurückkehren können, sobald die Rahmenbedingungen dies wieder erlauben.“

Die jungen Leute, die in den kommenden Jahren ihre Ausbildung in Ebermannstadt beenden, werden diese Ankündigung mit großem Interesse verfolgen.

Stefan Braun

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