Donnerstag, 29.10.2020

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Eigenes Wasser ist das wichtigste Gut

Bürgermeister Alwin Gebhardt will mit Natur schonenden Brunnenbohrung Trinkwasserversorgung sichern - 21.08.2020 06:00 Uhr

Nicht hier in der Feuchtwiese, sondern im angrenzenden Wald soll nach Ansicht von Alwin Gebhardt die Bohrung nach Trinkwasser erfolgen.


In der ersten Planung liegt die Bohrstelle in einer biotopkartierten Feuchtwiese, der hinführende Wirtschaftsweg wäre – um ihn als Zufahrt zu ertüchtigen – nach erheblichen Erdbewegungen mit 500 Tonnen Stein zu befestigen, schätzt Gebhardt. Dies sei mit einer auf dem gleichen Horizont – aber im Waldgebiet – befindlichen Brunnenbohrung und einer Aufwegung direkt am Waldsaum zu verhindern, zeigt sich der Neubürgermeister überzeugt.

Viele Vorteile

Aussichtsreich stünden die Verhandlungen um das benötigte 25 mal 25 Meter Waldgrundstück. Sollte es zur Einigung kommen – geboten ist ein Mehrfaches des ortsüblichen Quadratmeterpreises – hätte sich die Gemeinde viel Geld erspart, die Wasserversorgung wäre gesichert und das bestehende Landschaftsschutzgebiet bliebe weitestgehend verschont, fasste Alwin Gebhardt die Vorteile zusammen.

Ebenso angestoßen hat das Vorgängergremium mit Kamerabefahrungen die Sanierungen der Abwasserkanäle in Unterleinleiter, eine Aufgabe, die weit über 2026 hinausgehen wird. Alwin Gebhardt bedankt sich auch hier für das umsichtige Vorgehen, ebenso wie die sehr ordentliche Amtsübergabe. "Eine Gerhard-Riediger-Linde ist gepflanzt, Riedigers Bildnis kann der Bürgermeistergalerie im Sitzungsaal angefügt werden", schloss Gebhardt dieses Kapitel.

An einem der wohl heißesten Sommertage stand Alwin Gebhardt für die Befragung zur Verfügung – wenn auch als "nebenamtlicher" gewählt, steht der Bürgermeister rund um die Uhr im Dienst – das machte er am Sonntagnachmittag deutlich, an dem sich nach dreieinhalb Stunden in der Kanzlei noch das Brautpaar der vergangenen Woche ankündigte; die "Deko" von der Trauung war noch abzuholen.

Angenehmste Aufgaben

Damit war die Frage: Was gefällt Dir bisher am besten? auch gleich beantwortet. Vier Trauungen, die Vorgespräche, das Schreiben der Reden waren für den Gemeindeoberen die angenehmsten, gleichzeitig aufregendsten Aufgaben, selbst wenn ihm als einstigen Ministranten und späterem "Hilfsmesner" feierliche Zeremonien dieser Art geläufig sind. Die Verabschiedung der Schulleiterin Uta Welzbacher war auch so eine Gelegenheit, persönliche Gedanken einfließen zu lassen.

Die Annahme der Bürgersprechstunden – vom Vorgänger noch beklagt "Da kam kaum Jemand" – bereiten Gebhardt viel Freude. "Sechs bis acht Leute sind immer da, darunter junge Familien, die seit Jahren nach einem Bauplatz suchen." Auf dem Fuß folgen musste die Frage: Was gefällt Dir überhaupt nicht? "Diese schwierige Frage hat mich am längsten beschäftigt", bekannte Alwin Gebhardt, "obwohl das ganz und gar nicht meine Art ist, muss ich sie mit dem einzigen Wort – Nichts – beantworten."

Und wie reagiert die Familie auf die Umstellung? "Als Geschiedener mit einem erwachsenen Sohn bin ich in der Zeiteinteilung sehr flexibel, freilich höre ich von Familie und Freunden: Jetzt hast du gar keine Zeit mehr. Ich finde trotzdem Möglichkeiten, wichtige Kontakte zu pflegen."

Als Alwin Gebhardt Mitte Mai die konstituierende Ratssitzung beendete, bestätigten die Ebser Verwaltungsfachleute dem neuen Gemeindechef einen "souveränen Auftritt" – der Termin für ein "Bürgermeisterseminar" war bis dahin nicht zu bekommen. Zur Frage nach den 100 Tagen: Hast Du dir das Amt so vorgestellt, wie du es jetzt erlebst?, sagte der hauptberufliche Bezirks-Vertriebsleiter des Malteser Hilfsdienstes Bamberg, viele Aufgaben fielen ihm sehr leicht, weil sie in Themen wie Personalführung, Sitzungsplanung- und Ausführung, strategischen Überlegungen zur Entwicklung, Teamführung und Kommunikation seinen tagtäglichen Aktivitäten gleichen.

"Ich bin in der Landwirtschaft neben dem Misthaufen aufgewachsen, die erste Lehre war – der Mist muss raus – und niemals aufgeben, bevor alles erledigt ist", diese Arbeitshaltung ist Alwin Gebhardt ebenso wie der Erhalt der eigenen Wasserversorgung zum Hauptanliegen geworden. Mit dem Stöbern im Gemeindearchiv hat sich das Treffen auf vier Stunden ausgedehnt. Bei der Suche nach einem NN-Artikel von 1968 blieb Gebhardt akribisch bis zur letzten Kladde und siehe da war der Bericht: Clubtrainer Max Merkel wird hier eines von 35 Ferienhäusern bauen . . . Näheres wird demnächst auf einem anderen Blatt der Nordbayerischen Nachrichten zu lesen sein.

MARQUARD OCH

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