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Ein Deutscher Meister aus Wüstenstein

Noah Lämmlein kam beim Fahrrad-Trial am besten mit dem Dauerregen zurecht - 28.09.2020 17:04 Uhr

Meterhohe und anspruchsvolle Hindernisse, die zudem vom Dauerregen entweder klatschnass oder aufgeweicht waren, mussten die Trial-Fahrer bewältigen. Noah Lämmlein gelang das von allen deutschen Talenten der U15 mit Abstand am besten.

28.09.2020


In vielen Sportarten ist es schlecht, wenn man sprichwörtlich "keinen Fuß auf den Boden bringt". Beim Fahrrad-Trial ist es genau umgekehrt: Wer da die Pedale verlassen muss, bekommt Strafpunkte. Noah Lämmlein vom MSC Fränkische Schweiz hat das am Wochenende bei schwierigsten Bedingungen in Schönborn (Brandenburg) viel seltener machen müssen als die Konkurrenz und ist deshalb mit großem Vorsprung Deutscher Meister geworden.

Für den noch Zwölfjährigen ist es in der U15 die erste "richtige" Deutsche Meisterschaft, denn in den jüngeren Klassen gibt es diesen Titel noch nicht, da kann man maximal Deutschland-Cup-Sieger werden, was Noah schon zweimal geschafft hat.

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Beinharter Parcours über Stock und Stein: Fahrrad-Trial in der Fränkischen

Geschicklichkeit, Kraft und Konzentration waren am Wochenende nahe Forchheim bei der Ostdeutschen Meisterschaft in den Trial-Prüfungen gefragt. Mit dem Fahrrad über einen Hindernisparcours aus Stock und Stein - das war die Aufgabe.


Dass der Schüler bei seinem Einstieg in die U15 gegen die teils doch ältere Konkurrenz gewann, ist schon nicht so selbstverständlich, doch dass er mit 930 von 1080 möglichen Punkten die Rivalen um 110 Zähler distanzierte, ist in der Tat eine Meisterleistung.

Der Champion selbst gibt sich aber recht bescheiden. "Mir macht es halt nichts aus, im Regen zu fahren und es macht mir sogar Spaß", sagt er zu dem Umstand, dass es während seines Wettkampfs wie aus Eimern schüttete. Anderen bereitete das mehr Probleme, selbst Weltmeisterin Nina Reichenbach rutschte in ihrer letzten Runde bereits am ersten Tor ab und landete im Morast.

Ein solches Missgeschick blieb Noah Lämmlein erspart, auch wenn er in den drei Durchgängen, für die er insgesamt dreieinhalb Stunden Zeit hatte, nicht alle Sektionen fehlerfrei schaffte und auch an einigen Hindernissen scheiterte. "Das lag schon an den rutschigen Hindernissen, unter normalen Umständen wären alle zu schaffen gewesen", betont er. Der Parcours sei fair gewesen und eher auf "technische" Fahrer ausgerichtet gewesen und weniger auf Kraftprotze, so dass er als einer der Jüngeren keine Nachteile hatte.

Gute Gründe für die Dominanz

Im Gegenteil: Selbst Konkurrenten, "mit denen ich mich sonst schon battle (Anmerkung der Redaktion: hart bekämpfe) und wo es oft eng zu geht", lagen weit zurück.

Gründe für die Dominanz gibt es jedoch, wie der Zwölfjährige berichtet. Denn sein Wohnort Wüstenstein ist sozusagen ein Trial-Paradies: Dort befindet sich das Trainingsgelände des MSC Fränkische Schweiz. Zwar ist nur einmal die Woche offizielles Training unter Horst Hopfengärtner, aber für Noah und seinen elfjährigen Bruder Julian ist es nur ein Katzensprung, wenn sie miteinander üben wollen. Und natürlich pushen sich die Brüder gegenseitig, trainieren "zwei- bis dreimal die Woche" zusätzlich, wie Noah sagt.

Training mit dem Profi

Und noch einen Trumpf haben die Lämmleins im Ärmel: Alle 14 Tage gibt es ein Spezialtraining beim mehrfachen Deutschen Meister Jonas Friedrich. Dafür fahren ihre Eltern die beiden Brüder jedes Mal ins 250 Kilometer entfernte Sinsheim.

"Das bringt schon einiges, mit so einem Profi zu trainieren", gesteht Noah. Schnellkraft, Konzentration und Technik sind gefragt, wenn es auf die Strecken geht. Nur zwei Minuten Zeit hat man pro Sektion. Die Bodenberührung mit einem Fuß bringt einen Abzug von zehn der möglichen 60 Punkte, muss man beide Füße absetzen oder gar absteigen, ist die ganze Sektion verloren.

Während Noah den Parcours im Griff hatte, kämpfte sein jüngerer Bruder mit den Hindernissen und dem Zeitlimit. Er legte am Ende als Neunter einen guten Mittelfeldplatz bei der U13 hin. In der gleichen Klasse der Mädchen wurde Lina Knauer aus Hiltpoltstein Vierte, mit nur zehn Punkten Unterschied zur Drittplatzierten.

Zwei Debütanten

Bei den älteren Schülern waren neben Noah Lämmlein noch drei weitere Fahrer vom MSC Fränkische Schweiz am Start. Timo Pristownik aus Hiltpoltstein wurde bei seinem DM- Debüt immerhin Achter. Felix Milke aus Egloffstein feierte ebenfalls Premiere bei einer "Deutschen" und belegte Platz neun in der U 17. Luis Knauer aus Hiltpoltstein, 2019 erstmals dabei, fuhr in der gleichen Klasse auf Rang sieben.

HOLGER PETER

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