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Ein Forchheimer will im Biathlon für Furore sorgen

Der 15-jährige Felix Auerswald zählt schon zu Bayerns Spitze und träumt vom Weltcup - 17.02.2021 18:00 Uhr

Glücksfall: Heuer konnte Felix Auerswald sogar einmal auf Schnee direkt vor der Haustür trainieren. Die Einheit am Dienstag war allerdings die vorerst letzte am Kratzer Steinbruch. Denn schon gestern ließ das Tauwetter die weiße Pracht wieder verschwinden.

17.02.2021 © Foto: Stefan Hippel


Der heute 15-jährige Felix Auerswald hat es als kleines Kind wie viele andere gemacht: Von Fernsehübertragungen animiert, schoss er mal auf imaginäre Scheiben oder sprang im Wohnzimmer von der "Schanze". Während es die meisten dabei belassen, brachte Felix seine Eltern dazu, ihn beim Skiclub Bischofsgrün anzumelden.

Und tatsächlich versuchte er sich zunächst im Skispringen. Aber dieses Kapitel dauerte nicht allzu lange, Skisprungschanzen sind eher rar gesät und bedeuten weite Fahrten fürs "Eltern-Taxi". Langlaufen hingegen kann man überall trainieren, auch ohne Schnee mit Skirollern auf Radwegen beispielsweise.

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Er blieb beim SC Bischofsgrün, obwohl der Verein keine Biathlonabteilung besitzt. Die gibt es zehn Autominuten entfernt in Neubau (Fichtelberg), wo Felix und seine vier Jahre jüngere Schwester Laura nun seit Jahren dreimal wöchentlich trainieren.

Training trotz Lockdown

Lohn des Trainingsfleißes: Beide zählen zum bayerischen Landeskader und durften daher ungeachtet des Lockdowns durchgängig trainieren. Gerade für Felix war das wichtig, denn er ist heuer in die Altersklasse 16 aufgerückt – und da steht eine wichtige Veränderung an: die Umstellung vom Luftgewehr auf die Kleinkaliberwaffe, wie sie auch die Erwachsenen benutzen. "Das ist eine gewaltige Umstellung, das Kleinkaliber hat einen deutlich stärkeren Rückstoß, man muss jeden Schuss nachhalten. Außerdem ist das Ziel nun 50 statt bisher zehn Meter entfernt", berichtet der 15-Jährige.

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Dieser Wechsel ist ihm nach eigenen Worten schon einigermaßen gelungen, "auch wenn ich anfangs einige Male mehr Fehler als gewohnt hatte", wie er einräumt. Wo er aktuell wirklich steht, kann er nicht so recht sagen.

Denn richtige Wettkämpfe oder gar Meisterschaften hatte es in diesem Winter nicht gegeben, bis auf einen noch im Oktober. Ansonsten lediglich interne Testrennen, allesamt nur auf bayerischer Ebene.

Echte Vergleiche fehlen

Im März steht noch ein bundesweiter Wettkampf in Ruhpolding im Kalender – ob der wirklich ausgetragen werden darf, steht in den Sternen. In den bayerischen "Trainings-Wettkämpfen" zählte Felix wie im Vorjahr zu den Top Drei, doch die Vergleiche mit den nationalen Konkurrenten fehlen ihm schon.

Reine Nervensache: Inmitten der Konkurrenten muss Felix Auerswald am Schießstand die Nerven behalten.

17.02.2021 © Foto: privat


Denn schließlich hat er ein großes Ziel: "Es wäre schon mein Traum, in den Weltcup zu kommen." Schon jetzt, da die Mittlere Reife bevorsteht, informiert er sich über Jobs im Staatsdienst: Zoll, Polizei und Bundeswehr sind ja häufig die Arbeitgeber von Spitzensportlern in Deutschland, die im Frühjahr in aller Regel ihre Auswahlverfahren starten. Er wäre mit dann 16 zwar recht jung, aber Magdalena Neuner beispielsweise wurde im gleichen Alter aufgenommen.

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Solche "Goldhamster" fehlen dem deutschen Team im Moment. Zuletzt drängten auch keine Ausnahmetalente aus dem Nachwuchs nach. Was sind die Gründe? Für Felix Auerswald liegt auf der Hand, dass beispielsweise Norwegen eine deutlich größere Auswahl hat. In Deutschland gibt es in allen Jugendklassen vielleicht 400 Aktive, im weltweit führenden Norwegen starten bei großen Events 1500. Und vielleicht setze der deutsche Verband zu sehr auf die altgedienten Kräfte und gebe den Jungen zu selten eine echte Chance auf der internationalen Bühne.

Weite Anreise

Um das einmal zu ändern, skatet Felix Auerswald wöchentlich seine 90 Kilometer (zuletzt ging das wunderbar direkt vor der Haustür) und feuert 250 bis 300 Schüsse auf die Scheibe. Im Wechsel fahren seine Eltern mit denen eines Bamberger Sportkameraden die 100 Kilometer (einfache Wegstrecke) ins Fichtelgebirge. Denn die Nationalmannschaft soll ja nicht nur ein Traum bleiben.

HOLGER PETER

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