Exklusive Einblicke

Ein Rundgang durch die Großbaustelle Forchheimer Rathaus

12.9.2021, 15:46 Uhr
Architekt Stephan Fabi im künftigen Sitzungssaal des Magistratsbaus.

Architekt Stephan Fabi im künftigen Sitzungssaal des Magistratsbaus. © NNZ

Wohl mehr als 23,4 Millionen Euro wird es kosten und mindestens noch drei Jahre werden vergehen, bis das „Haus der Begegnung“ seine Tore öffnen und das Forchheimer Postkartenmotiv schlechthin wieder für alle Welt sichtbar erstrahlen kann. Derweil bleibt das historische Rathaus im Herzen der Altstadt eine Großbaustelle.

Am Sonntagnachmittag fanden die angekündigten Führungen von Hobby-Fotografen durch alle Rohbau-Etagen des verwinkelten Fachwerk-Prachtbaus statt – im Rahmen eines „Insta-Walks“ für die Fotoplattform Instagram. Einige Stunden zuvor haben die Architekten Stephan Fabi und sein Mitarbeiter Peter Krackler zusammen mit OB Uwe Kirschstein und Bauamts-Projektleiterin Claudia Stumpf den vorab einen exklusiven Einblick gegeben.

Das verhüllte Haus

Von außen haben allenfalls Christo-Fans ihre Freude am teilverhüllten eingerüsteten Rathaus. Weit spektakulärer dagegen die Atmosphäre im Inneren des über 600 Jahren alten Prachtbaus, der unter der baulichen Flickschusterei vergangener Jahrzehnte gelitten hat. Es geht durch den Haupteingang und schon der Geruch in der Markthalle lässt offene Geschichte atmen: Die Zwischendecke wurde entfernt, ebenso das Treppenhaus und die Mauern aus den 1960er Jahren. „Damit man den ursprünglichen Bauzustand wieder sieht“, sagt Architekt Fabi.

Künftig wird unter der fünf Meter hohen Decke genug Platz für Veranstaltungen, Konzerte und vor allem Empfänge sein. Foyer und Halle sollen gut 300 Besucher fassen können, barrierefrei ausgebaut wie das ganze Gebäude.

Momentan ist es noch das Gegenteil: Der offene Boden birgt Mauerreste und Fundamente des ausgehenden Mittelalters, die später durch transparente Bodenplatten im rückwärtigen Hallenteil einen gut ausgeleuchteten Blick in der Vergangenheit lebendig halten sollen.
Es geht über eine Behelfstreppe eine Etage höher, später wird eine geradläufige Treppe in U-Form sämtliche Ebenen erschließen. Im ersten Stock des Magistratsbaus lässt sich das künftige Trauzimmer für bis zu 50 Gäste erahnen.

Im hinterer Teil schließt sich, so Peter Krackler, „eins der wertvollsten Schmuckstücke“ an: In der „ Bohlenstube“ (wegen Holzbohlen-Vertäfelung) erhält der Oberbürgermeister ein repräsentatives Arbeitszimmer, wo er Ehrengäste empfangen kann. OB Kirschstein lacht: „Hier kann man gerne mal angeben mit allem, was man hat.“

Über Trauzimmer und OB-Büro erstreckt sich ein Veranstaltungsraum für ungefähr 100 Leute, Stadtratssitzungen, Seminare und Co. sollen darin abgehalten werden.

Auf der anderen Seite, wieder im Hauptbau, aber über der Markthalle, dann das wohl größte Schmuckstück: der Rathaussaal. Noch ist hier außer Stützpfeilern und rohen Wänden nicht viel zu erkennen von dem, was es einmal wird: das kulturelle Herz des Rathauses mit einer historischen Rundum-Holzvertäfelung und dem originalen Fußboden aus fränkischem Parkett, auf dem Stühle für bis zu 280 Personen Platz finden. „Im Grunde ist dieser Raum dann unser Holzkistchen“, scherzt Fabi.

Zwischen Magistratsbau und Registratur hängt dort, wo später die Toiletten für den Rathaussaal hinkommen, die barocke Spindeltreppe aus dem 17. Jahrhundert – und zwar frei in der Luft: Sie ist hier oben aufwändig verankert worden, damit unten und im Kellergewölbe gearbeitet werden kann.

Das schiefe Haus

Schließlich geht es hoch in den Dachstuhl. In knapp 18 Metern Höhe erlebt man, was die Generalsanierung eines Hauses, das auf dürftigen Fundamenten steht, wirklich bedeutet: Die Wandfront war schief, neigte knapp 40 Zentimeter weit nach außen und wurde „geradegerückt“ – dank quer in den Dachstuhl eingesetzter Holzbalken mit Druckvorrichtungen, an denen die Zimmerer wie mit Seilwinden so lange kurbeln bis die Wand wieder in exakt senkrechte Position gerückt (beziehungsweise gedrückt) ist.

Wenige Meter unterhalb des Rathaus-Glockenturms haben die Arbeiter eine Plattform auf dem Gerüst errichtet. Sie gewährt eine imposante Aussicht über die Dächer der Altstadt, an der schwindelfreie Zeitgenossen ihre Freude haben. Wem dagegen eher mulmig zumute ist, freut sich weit mehr über den angeschlossenen Baustellen-Aufzug, der einen nach unten bringt.

Das fertige Haus

Am Montag stehen die nächsten Gewerke an. Mit der Entspannung des globalen Holz-Marktes werden auch die Lieferengpässe an Baumaterial für das Rathaus zunehmend gelöst.

Freilich, betont Fabi, sei ein Zeitplan auf einer so großen und vor allem langen Baustelle realistischerweise immer nur eine Momentaufnahme: „Da kann man sich vorbereiten wie man will: Man weiß nie genau, was zum Vorschein tritt, wenn man eine uralte Wand öffnet.“ Derzeit aber sind die Architekten und Projektleiterin Stumpf guter Dinge.

Die besten Werke des Insta-Walks kommen übrigens als Freiluft-Galerie an den Holz-Bauzaun. „Ich denke, diese Fotos werden ein echtes Highlight für alle Forchheimer“, sagt OB Uwe Kirschstein. „Zumindest solange, bis wir hier ganz fertig sind - dann ist das Haus das Highlight.“

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