Ein Schritt weiter

3.7.2016, 06:00 Uhr
Das Kolpinghaus soll zum Kulturzentrum umgebaut werden.

Das Kolpinghaus soll zum Kulturzentrum umgebaut werden. © Horst Linke

Franz Noffke, Stadtrat der Republikaner, stellte gleich zu Beginn der Sitzung kategorisch fest: „Wir werden auf jeden Fall den Weg eines Bürgerbegehrens gehen.“ Denn ein Kulturzentrum Kolpinghaus werde nach dem Königsbad „ein weiteres finanzielles Desaster“.

Auch andere Stadträte fragten immer wieder nach der „Wirtschaftlichkeitsanalyse“, welche die Stadt im Januar 2016 in Auftrag gegeben hatte. Die Analyse liegt vor, wurde dem Stadtrat aber noch nicht gezeigt. Auf mehrmaliges Nachfragen (unter anderem von Manfred Hümmer, Heike Schade und Günther Bundgaard) sagte Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD): „Ich möchte erst wissen: Was wollen wir? Und erst danach die Kosten berechnen lassen.“ Denn „wenn ich nicht weiß, ob ich zwei oder drei Räume habe“, nütze die ganze Analyse nichts. Mit anderen Worten: Die bisherige Analyse hält Kirschstein nicht (mehr) für aussagefähig. Trotzdem soll sie dem Stadtrat, der dies ausdrücklich beschloss, bald vorgelegt werden.

Ein anderes drängendes Problem für viele Stadträte sind die Eigentumsverhältnisse. Das Kolpinghaus gehört dem Kolpingverein. Laut CSU-Sprecher und Kolpingvorstandsmitglied Udo Schönfelder „werden wir nicht Eigentümer“. Lediglich ein Erbbaurecht sei denkbar, die Frage der Dauer (25, 50, 99 Jahre?) aber noch offen. Auch bei dieser Frage hakten mehrere Stadträte mehrfach nach, ehe Kirschstein erklärte, Rechtsrat Till Zimmer habe bereits mit dem Kolpingverein verhandelt und als nächstes werde er selbst in die Verhandlungen mit eintreten.

Verpflichtung oder nicht?

Das Kolpinghaus als Kulturzentrum an sich stellte Erwin Held (FW) nochmal in Frage: „Ich habe Zweifel, ob das passt. Muss es unbedingt das Kolpinghaus sein?“ Man könne doch auch die Jahnhalle erwerben und ertüchtigen. CSU-Rat und Kolpingvorstandsmitglied Thomas Werner meinte, die Stadt habe gegenüber dem Kolpingverein „eine Verpflichtung“, weil hier viele Jahre Kulturveranstaltungen abgehalten wurden. Dem widersprach Albert Dorn (SPD) entschieden: „Das ist ein privater Verein. Die Stadt hat dem Verein gegenüber überhaupt keine Verpflichtung.“ Dorn sorgte sich, wie auch Parteifreund Reinhold Otzelberger und andere, viel mehr um die ausreichende Dimensionierung des künftigen Kulturtempels. Auf ihr Drängen hin wurde in den Beschluss noch einmal, wie schon im Februar 2015, aufgenommen, dass der große Saal „bis zu 800 Sitzplätze“ haben und teilbar sein muss.

Nun werden die Unterlagen ausgearbeitet, mit denen ein bereits beauftragtes Büro aus Ingolstadt im Herbst einen europaweiten Realisierungswettbewerb ausschreiben wird. Was die interessierten Architekten dann abliefern, kann — und das ist durchaus gewollt — alle bisherigen Vorstellungen über den Haufen werfen.

Bis zu vier Säle sind im Gebäude herzustellen, meint das Bauamt. Außerdem elf Proberäume von 17 bis 80 Quadratmetern für unterschiedliche Nutzer. Die städtische Sing- und Musikschule soll hier ihre Heimstatt erhalten, die Tanzschule weiter als Mieter bleiben können. An der Südseite soll ein barrierefreies Foyer mit Barbereich angebaut werden, außerdem wird es einen Aufzug geben, der alle fünf Geschosse barrierefrei erschließt. Parkplätze sollen im Umfeld bis zu 400 Meter Entfernung (Paradeplatz) mitgenutzt oder neu hergestellt werden.

Der große Saal, so der erklärte Wunsch, soll durch einen Umbau der Bühne funktional so auf einen modernen Stand gebracht werden, dass er „zukünftig als echter Theatersaal funktionieren“ kann. Dazu passt natürlich der geplante Umzug des Theatersommers Fränkische Schweiz in sein neues Hauptquartier Forchheim.

Der Realisierungswettbewerb wird rund 100 000 Euro kosten, sagte Claudia Stumpf vom Bauamt. Dafür fließen von der Regierung von Oberfranken vermutlich rund 60 Prozent an Zuschüssen. Ohne den Wettbewerb käme der Umbau des denkmalgeschützten Kolpinghauses überhaupt nicht in den Genuss von Zuschüssen. Die Schätzungen, wie viel der Umbau letztlich kostet, schwanken zwischen zehn und 20 Millionen Euro. Inklusive Zuschüssen.

Am Ende stimmte neben Franz Noffke nur Reiner Büttner (SPD) dagegen.

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