Schauspieler und Komparsen gesucht

Ein Toter 1844 auf dem Forchheimer Annafest: Theater greift wahre Geschichte auf

Am Schützenheim des Forchheimer Schützenkellers: Beim Preisschießen der Hauptschützen ereignete sich 1844 ein tragischer Unfall - mit tödlichen Folgen.

Am Schützenheim des Forchheimer Schützenkellers: Beim Preisschießen der Hauptschützen ereignete sich 1844 ein tragischer Unfall - mit tödlichen Folgen. © Eduard Weigert, NNZ

Ein ambitioniertes Bühnenprojekt hat sich das StaTTTheater Forchheim vorgenommen. Bereits im nächsten Sommer soll der „Tod im Kellerwald“ zu sehen sein. Das Stück erzählt die spannende und wahre Geschichte des jüdischen Tuchhändlers Moritz Zeiller. Beim Probeschießen auf dem Forchheimer Annafest tötet er 1844 versehentlich ein Mitglied der Königlich Privilegierten Hauptschützengesellschaft. Danach kommt es zum Pogrom. Nun braucht das StaTTTheater für die Umsetzung die Hilfe der NN-Leser.

Bislang einmaliges Projekt: Tödlichen Kellerwald-Unfall von 1844 aufgreifen

Wer während des Sommers mit offenen Augen durch die Forchheimer Innenstadt gegangen ist, hat Chronos und seine Begleiter sehen können. An verschiedenen Stationen der szenischen Stadtführungen haben sie lokale Geschichte lebendig werden lassen. Vom mittelalterlichen Waffenschmuggel über protestantische Kreuzräuber bis hin zu schwedischen Schlachtenbummlern reicht der Bilderbogen.

Nun haben sich acht Mitglieder des StaTTTheaters an ein großes, bislang einmaliges Projekt gewagt. Es soll es ein Theaterstück an einem einzigen Ort geben. Mit fester Bühne und wechselnden Kulissen, tollen historisierenden Kostümen und an einer ganz besonderen Stelle. Um die wahren Begebenheiten nachzustellen und zu erzählen, was sich 1844 nach dem tödlichen Unfall im Kellerwald zutrug.

Große Recherche: Gab es Mitte des 19. Jahrhunderts schon Bierdeckel?

Das ist für alle Beteiligten eine riesige Herausforderung. Nicht nur weil Schauspielerinnen wie Jasmin Scholz oder Tamara Buchfelder nur in ihrer Freizeit das Theater-Scheinwerferlicht suchen. Es beginnt schon mit der historischen Genauigkeit. Gab es Mitte des 19. Jahrhunderts schon Bierdeckel?

Wie sprach man damals? Was gehörte zum Alltag jüdischer Bürger? Schließlich soll es möglichst authentisch werden, ohne in irgendein Fettnäpfchen zu treten. Da muss jedes Detail stimmen. „Wir haben deshalb recherchiert, recherchiert, recherchiert“, so Anja Glaser.

„Wir spielen natürlich für uns, aber vor allem für unser Forchheim.“ Auch bei den Biedermeier-Kostümen gibt es viel zu tun. Denn die im Fundus des Heimatvereins aufbewahrten Gehröcke und Kleider haben nach fast sieben Jahrzehnten ihre besten Zeiten längst hinter sich. Falls neue Gewänder angeschafft würden, so Stadtheimatpfleger Dieter George, könnte man diese auch für den historischen Annafestzug nutzen.

Fast war ein antisemitischer Lynchmob die Folge

Auf das spannende, aber lange vergessene Ereignis machte der Historiker Rolf Kießling vor zwei Jahren aufmerksam. In einem NN-Artikel erzählte er die Geschichte des in Forchheim angesehenen Juden Moritz Zeiller, der beinahe einem antisemitischen Lynchmob zum Opfer gefallen wäre. Nur eine Schutzhaft rettete ihm das Leben. Sofort waren die StaTTTheater-Gründer Jutta und Ludwig Dafner davon gefesselt, was dem Tuchhändler widerfahren war.

Die Idee zur dramatischen Bearbeitung des Stoffes hatte Dieter George, der Vorsitzende des Heimatvereins, zu dem seit elf Jahren auch das StaTTTheater gehört. Trotz der Corona-Beschränkungen machten sich Horst Vogel, Philipp Groß, Wolfgang Rösch und all die anderen ans Werk. Ein grobes Konzept und einen beinahe fertigen ersten Akt gibt es schon. Eine kleine Kostprobe in Form einer Lesung gab es zu hören.

Die Suche nach dem Spielort und die Frage nach dem Budget

Nun ist das StaTTTheater auf der Suche. Zuallererst nach einem Spiel-Platz. Dabei wurde schnell klar, dass es eine Ideallösung derzeit nicht gibt. Der Traum wäre es, das Theaterstück im Kellerwald aufzuführen. Doch fehlt es dort nicht nur an der Infrastruktur. Manch einer befürchtete, dass grölende Kellerbesucher oder laute Live-Musik stören könnten. Vom Problem der Absperrung, um neugierige Nicht-Zahler fernzuhalten, oder dem ständigen Verkehrslärm gar nicht zu reden.

In zweiter Linie geht es um das Budget, das je nach Aufwand auf eine vier- oder fünfstellige Summe geschätzt wird. Günstiger würde es, wenn man das Sommer-Kultur-Quartier im Königsbad nutzte. Teurer würde es, wenn man eine Idee aufgriffe, auf der Freifläche hinter dem Riesenrad oder auf dem Schlössla-Keller alles ganz neu aufbauen zu wollen. Natürlich nur abseits der Annafest-Tage, in denen weder Raum noch Aufmerksamkeit für das Kultur-Ereignis vorhanden sein dürften.

Wer als Schauspieler oder Komparse mitwirken oder das Projekt finanziell unterstützen möchte, ja wer sogar eine Idee für einen Spielort hat, der kann Jutta und Ludwig Dafner unter der Telefonnummer (0 91 91) 1 57 93 beziehungsweise per E-Mail an statttheater.forchheim@gmail.com kontaktieren.

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