Gerichtsverfahren

Eine Schwerverletzte und ein zerstörtes Schaufenster nach Unfall bei Tuningtreffen in Forchheim

21.7.2021, 14:00 Uhr
Das Schaufenster des Schuhgeschäftes wurde bei dem Unfall in alle seine Einzelteile zerlegt. Schlimmer waren aber die Verletzungen, die der Unfallfahrer seiner jüngeren Freundin zufügte. Sie war rückwärts in das Schaufenster gestürzt.

Das Schaufenster des Schuhgeschäftes wurde bei dem Unfall in alle seine Einzelteile zerlegt. Schlimmer waren aber die Verletzungen, die der Unfallfahrer seiner jüngeren Freundin zufügte. Sie war rückwärts in das Schaufenster gestürzt. © Archivfoto: Philipp Rothenbacher

Neben der Anklage der fahrlässigen Körperverletzung kam auch eine versuchte Nötigung hinzu, weil der 36-jährige Fahrer dem Opfer gedroht hatte, wenn sie nicht schweige, werde es in "einem totalen Krieg enden".

Rückblick: Donnerstag Abend im Süden der Stadt. Auf einem Supermarkt-Parkplatz trifft sich nach Ladenschluss die Tuning-Szene. Auch Jonas (alle Namen geändert) mit seinem aufgemotzten Audi ist gekommen. Mit seiner Freundin hört er bei offenen Türen Musik. "Wir haben geredet und gelacht." Irgendwann beginnt es zu regnen. Man beschließt, den Standort zu wechseln und mit dem Wagen auf einen Parkplatz gegenüber auszuweichen. Dort will Jonas unter ein Vordach fahren, damit die Boxen trocken bleiben. Als er mit seinem Pkw in die Parklücke fährt, wartet seine Freundin auf dem Gehweg dahinter. Sie will das Manöver mit dem Smartphone filmen, um den Clip bei Instagram hochzuladen.

Doch dann geschieht das Unglück. Jonas gelingt es nicht mehr, rechtzeitig zu bremsen. Mit der Fahrzeugfront trifft er sie. Sie stürzt rückwärts in das Schaufenster. Dadurch wird Einbruch-Alarm ausgelöst, die Polizei kommt. Durch den Aufprall und den Sturz bricht sie sich ein Schienbein, ihr reißen mehrere Bänder im Knie, und sie hat Schürf- und tiefe Risswunden am Oberschenkel. Weil ein Nerv durchtrennt wurde, leidet sie bis heute an den Folgen. Vier Operationen hat sie hinter sich, eine fünfte kommt im Herbst auf sie zu.

Erst auf den letzten Metern des Prozesses kann sich Jonas zu einem Geständnis durchringen. Bis dahin behauptet er, wohl nicht aus taktischen Erwägungen, wie sein Verteidiger Christian Barthelmes betont, sondern aus echter Überzeugung, die Bremsen hätten versagt.

Dabei kann ihm Mario Wenderoth durch umfangreiche Tests auf dem Prüfstand nachweisen, dass mit den Bremsen alles in Ordnung war. Der Unfallanalytiker aus Erlangen errechnet auch, dass Jonas nicht mit der von ihm angegebenen Schrittgeschwindigkeit seine Freundin angefahren hat, sondern mit mindestens 12 Stundenkilometern. Gebremst hat er nicht. Ob er vom Pedal abgerutscht ist oder die Lage falsch einschätzte, konnte nicht mehr geklärt werden.

Die Verhandlung krankte etwas daran, dass es ganz viele Videos hätte geben können. Tatsächlich aber gibt es kein Einziges. Der Parkplatz wurde nicht videoüberwacht. Keiner der Zeugen hatte etwas gefilmt. Das Filmchen der Freundin, das den Unfall live gezeigt hätte, wurde kurz nach dem Vorfall einfach gelöscht.

Es krankte aber auch daran, dass Jonas seinen Fahrfehler lange nicht zugeben wollte. Darüber zerbrach die Beziehung mit seiner Freundin, der der Unfall selbst und die Verletzungen nichts ausgemacht hätten. Es kommt soweit, dass Jonas sie mit Mails, SMS und Sprachnachrichten belästigt und ihr sogar droht. Dann ist von ihrer "letzten Chance" die Rede und von einem "totalen Krieg", in dem alles enden werde. "Das ist eine glasklare versuchte Nötigung", so Staatsanwältin Carina Distler.

Am Ende wird der Fahrfehler vor Strafrichterin Silke Schneiders richtig teuer. Jonas muss nicht nur die 2400 Euro Geldstrafe zahlen und hat rund 4000 Euro Sachschaden am eigenen Wagen. Für den machte Jonas übrigens die Feuerwehr Forchheim und den Abschleppdienst verantwortlich. Auch die Gerichts- und Anwaltskosten muss er berappen.

Möglicherweise meldet sich auch noch die Versicherung des Schuhgeschäftes, dessen Schaufenster er in seine Einzelteile zerlegt hat. Am schlimmsten für den gelernten Kfz-Mechaniker dürfte aber sein, dass er insgesamt fünf Monate auf seine Fahrerlaubnis verzichten muss. Ob er sie danach wiederbekommt, das hängt von der Führerscheinstelle ab.