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Dienstag, 07.07.2020

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Eine Suppe wärmt das Herz: Rezept für echten "Pichelsteiner"

Im Jahr 1894 wurde der Pichelsteiner Eintopf erstmals erwähnt. - 11.06.2020 06:00 Uhr

In den „echten“ Pichelsteiner Eintopf kommt Rinderfilet. Wem das zu kostspielig ist, der kann auch Schweinefleisch nehmen, dann ist es allerdings kein Pichelsteiner, sondern ein Gemüsetopf mit Schweinefleisch. © Foto: Sylvia Hubele


Jetzt beginnt die Zeit, in der es früher in den Gärten frisches Gemüse im Überfluss gab. Glücklich, wer ein kleines Stück Land sein eigen nennt, Obst und Gemüse darauf ernten kann. Kennzeichnend für einen gesunden Garten ist das direkte Nebeneinander von Nutz- und Zierpflanzen: Eine solch gemischte Kultur verhindert, dass sich Schädlinge und Krankheiten massenhaft ausbreiten können.

Viele Pflanzenarten fördern sich zudem gegenseitig: Blumenkohl mag Sellerie, Dill wächst gerne zwischen Gurken, Ringelblumen und Studentenblumen vertreiben Fadenwürmer aus dem Boden.

Ein Pichelsteiner Topf ist ein Eintopfgericht, in dem grundsätzlich alles landen kann, was der Garten hergibt. Überhaupt waren die Mahlzeiten, bei denen alle Zutaten in einem Topf landeten, früher weit verbreitet, vor allem in den Zeiten, in denen lediglich ein Kessel über dem offenen Feuer hing. Er wurde 1894 das erste Mal in einem Kochbuch beschrieben.

Ob ein solches Gericht allerdings wirklich schmeckt, hängt von der Qualität und der Art der verwendeten Zutaten ab. Noch um 1900 sahen die Rezepte Rinderfilet vor, zum Anbraten wurde Butter empfohlen. Wer sich die Mühe macht, und den Pichelsteiner selbst kocht, wird schnell feststellen: Er kann in einer halben Stunde fertig sein.

Das frische Gemüse putzen und in mundgerechte Stücke schneiden, ebenso das magere Rinderfilet. Die einzelnen Gemüsesorten werden unterschiedlich schnell gar, daher werden die länger garenden Karotten besonders hauchdünn geschnitten, die Kartoffeln so dünn wie eine Münze, der Sellerie etwas dicker und der Lauch noch ein kleines bisschen dicker.

Dieser Unterschied macht sich geschmacklich deutlich bemerkbar. Wem das Schnippeln mit der Hand zu mühselig ist, nutzt einen einstellbaren Gemüsehobel.

 

Lorbeer, Salz und Piment

 

In einer großen Pfanne die Butter heiß werden lassen. Bitte auch dann nicht weniger nehmen, wenn gerade Abnehmen angesagt ist. Ist die Butter heiß, kommt ein Lorbeerblatt und das Gemüse hinein. Alles wird gesalzen und mit Pfeffer und Piment bestreut. Die Hitze so einstellen, dass das Gemüse zwar brät, aber auf keinen Fall anbrennt. Gelegentlich wenden. Nach fünf Minuten das Gemüse an die Seite schieben und die Fleischstücke dazu geben. Kurz anbraten, dann alles zusammen in einen vorgewärmten Schmortopf füllen. Deckel drauf und auf kleiner Flamme höchstens zehn Minuten schmoren lassen. Gelegentlich umheben. Wir nehmen zum Schmoren gerne die Tajine, einen marokkanischen Lehmkochtopf.

Insgesamt haben Fleisch und Gemüse eine Viertelstunde in Pfanne und Topf verbracht und sich zu einem wohlschmeckenden Gericht verbunden.

Wer es günstiger zubereiten will, tauscht Rinderfilet gegen Schweinefleisch. Dann ist es allerdings kein Pichelsteiner mehr, sondern ein Gemüsetopf mit Schweinefleisch.

Und hier das Rezept mit Zutaten für zwei Personen:

300 Gramm Rinderfilet

100 Gramm Butter

1 dicke Karotte

1 Achtel Sellerie

1 Stange Lauch

2 große Kartoffeln

Lorbeer, Pfeffer, Piment und Salz zum Würzen

SYLVIA HUBELE

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