Elf Dinge, die Sie noch nicht über die Kaiserpfalz wussten

5.5.2021, 18:52 Uhr
Nein, der Name ist eigentlich falsch. Die Kaiserpfalz diente als Sitz des Bamberger Fürstbischofs und stammt aus einer viel späteren Zeit (14. Jahrhundert) als die klassische mittelalterliche „Pfalz“. Diese war typischerweise eine Art großer Gutshof, an dem der König und sein zahlreiches Gefolge sowie seine Gäste und ihre Pferde verpflegt werden konnten und übernachteten. Tatsächlich gab es in Forchheim eine Pfalz im frühen Mittelalter (ab 8. Jh.), das belegen Urkunden. Wo die sich aber befand, konnte bislang nicht herausgefunden werden.
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Ist die Kaiserpfalz überhaupt eine Kaiserpfalz?

Nein, der Name ist eigentlich falsch. Die Kaiserpfalz diente als Sitz des Bamberger Fürstbischofs und stammt aus einer viel späteren Zeit (14. Jahrhundert) als die klassische mittelalterliche „Pfalz“. Diese war typischerweise eine Art großer Gutshof, an dem der König und sein zahlreiches Gefolge sowie seine Gäste und ihre Pferde verpflegt werden konnten und übernachteten. Tatsächlich gab es in Forchheim eine Pfalz im frühen Mittelalter (ab 8. Jh.), das belegen Urkunden. Wo die sich aber befand, konnte bislang nicht herausgefunden werden. © Ralf Rödel

Der Gewölbekeller der Pfalz diente lange Zeit als Schießkeller der Polizei, die bis 1989 im Westflügel untergebracht war. Der Raum war dafür gut geeignet, schluckten die dicken Wände doch jeglichen Schall.
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Feiern statt Schießen

Der Gewölbekeller der Pfalz diente lange Zeit als Schießkeller der Polizei, die bis 1989 im Westflügel untergebracht war. Der Raum war dafür gut geeignet, schluckten die dicken Wände doch jeglichen Schall. © Udo Güldner

Eine energetische Sanierung braucht die Kaiserpfalz nicht. Ihre Mauern sind bis zu zwei Meter dick und lassen kaum einen Windhauch durch. In Zeiten ohne moderne Temperierungsanlage kam man im Sommer nicht ins Schwitzen, im Winter dafür umso mehr ins Frieren.
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Hinter dicken Mauern…

Eine energetische Sanierung braucht die Kaiserpfalz nicht. Ihre Mauern sind bis zu zwei Meter dick und lassen kaum einen Windhauch durch. In Zeiten ohne moderne Temperierungsanlage kam man im Sommer nicht ins Schwitzen, im Winter dafür umso mehr ins Frieren. © Roland-Gilbert Huber-Altjohann

Nicht immer wurde pfleglich mit der Kaiserpfalz umgegangen. 1830 entdeckte der königlich-bayerische Kämmerer von Seinsheim zufällig die in Vergessenheit geratenen Wandmalereien. Eine herabgefallene Putzscholle gab den Blick darauf frei. Durch Abklopfen des Putzes kam immer mehr Farbe zum Vorschein, und die in der Folge auf Geheiß des Bayerischen Königs Ludwig I. freigelegten Wandmalereien galten als kleine Sensation. Auch später noch ging man mit dem historischen Gemäuer nicht allzu gut um... Tatsächlich war zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Gespräch, in der Kaiserpfalz, die damals in sehr schlechtem Zustand war, ein Irrenhaus einzurichten oder sie ganz abzubrechen. Das empörte die Forchheimer „Oberen“, sie schlossen sich im Historischen Verein zusammen und erklärten als ihr erstes Ziel, die Kaiserpfalz zu erhalten und darin ein Museum einzurichten. Hat funktioniert!
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Die Entdeckung eines Schatzes

Nicht immer wurde pfleglich mit der Kaiserpfalz umgegangen. 1830 entdeckte der königlich-bayerische Kämmerer von Seinsheim zufällig die in Vergessenheit geratenen Wandmalereien. Eine herabgefallene Putzscholle gab den Blick darauf frei. Durch Abklopfen des Putzes kam immer mehr Farbe zum Vorschein, und die in der Folge auf Geheiß des Bayerischen Königs Ludwig I. freigelegten Wandmalereien galten als kleine Sensation. Auch später noch ging man mit dem historischen Gemäuer nicht allzu gut um... Tatsächlich war zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Gespräch, in der Kaiserpfalz, die damals in sehr schlechtem Zustand war, ein Irrenhaus einzurichten oder sie ganz abzubrechen. Das empörte die Forchheimer „Oberen“, sie schlossen sich im Historischen Verein zusammen und erklärten als ihr erstes Ziel, die Kaiserpfalz zu erhalten und darin ein Museum einzurichten. Hat funktioniert! © Nick Beckett

Der Gymnasiallehrer und 2. Bürgermeister Hans Räbel betrieb maßgeblich den Erhalt der Kaiserpfalz, gründete 1905 den historischen Verein Forchheim und fungierte als 1. Museumsleiter des neuen Museums 1911. Mit der Museumseröffnung wurde ihm auch gleichzeitig die Ehrenbürgerwürde der Stadt Forchheim verleihen. Davon kann eine Museumsleiterin (hier zu sehen: Susanne Fischer mit der Büste Hans Räbels im Arm) heute nur träumen.
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Wer war Hans Räbel, der Namensgeber der gleichnamigen Straße?

Der Gymnasiallehrer und 2. Bürgermeister Hans Räbel betrieb maßgeblich den Erhalt der Kaiserpfalz, gründete 1905 den historischen Verein Forchheim und fungierte als 1. Museumsleiter des neuen Museums 1911. Mit der Museumseröffnung wurde ihm auch gleichzeitig die Ehrenbürgerwürde der Stadt Forchheim verleihen. Davon kann eine Museumsleiterin (hier zu sehen: Susanne Fischer mit der Büste Hans Räbels im Arm) heute nur träumen. © Roland-Gilbert Huber-Altjohann

Bis in die 1980er Jahre hinein gab es in der Kaiserpfalz auch zwei Arrestzellen der Polizei. Wo früher eingesessen wurde, befinden sich heute die Toiletten — die Gitterstäbe an den Fenstern erinnern noch an die einstige Nutzung. Susanne Fischer erinnert sich, dass Anfang der 90er Jahre eines Nachmittags eine brennende Kerze im Innenhof vor der Tür stand und ein Mann herumlungerte. Es stellte sich heraus: Es war ein ehemaliger Häftling, der wohl seiner Zeit hier gedenken wollte.
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Hinter Gittern

Bis in die 1980er Jahre hinein gab es in der Kaiserpfalz auch zwei Arrestzellen der Polizei. Wo früher eingesessen wurde, befinden sich heute die Toiletten — die Gitterstäbe an den Fenstern erinnern noch an die einstige Nutzung. Susanne Fischer erinnert sich, dass Anfang der 90er Jahre eines Nachmittags eine brennende Kerze im Innenhof vor der Tür stand und ein Mann herumlungerte. Es stellte sich heraus: Es war ein ehemaliger Häftling, der wohl seiner Zeit hier gedenken wollte. © Roland-Gilbert Huber-Altjohann

Manche Geschäfte gehen eben vor, besonders wenn es um die Toilette der Fürstbischöfe geht: Nachträglich hat man sie eingebaut und dabei wenig Rücksicht auf die Wandmalereien genommen.
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Tür versus Gemälde

Manche Geschäfte gehen eben vor, besonders wenn es um die Toilette der Fürstbischöfe geht: Nachträglich hat man sie eingebaut und dabei wenig Rücksicht auf die Wandmalereien genommen. © Roland-Gilbert Huber-Altjohann

Das sind die Latrinenschächte der Toiletten, die durch die Außenmauer führen und in einem Becken im Graben enden.
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Wofür sind die kleinen Löcher in der Außenmauer?

Das sind die Latrinenschächte der Toiletten, die durch die Außenmauer führen und in einem Becken im Graben enden. © Roland-Gilbert Huber-Altjohann

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Flüchtlinge in der Kaiserpfalz einquartiert. Die Not und der Hunger waren groß. In der Nachkriegszeit wurde auf jedem grünen Fleckchen Gemüse angebaut und auch im Innenhof der Pfalz wurden fortan Hasen gehalten. Der damalige Museumsleiter Konrad Kupfer war als Ästhet damit nicht einverstanden und mahnte bei der Stadtverwaltung in den 1950er Jahren immer wieder an, doch endlich die Hasenställe aus dem Innenhof zu beseitigen.
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Häschen im Hof

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Flüchtlinge in der Kaiserpfalz einquartiert. Die Not und der Hunger waren groß. In der Nachkriegszeit wurde auf jedem grünen Fleckchen Gemüse angebaut und auch im Innenhof der Pfalz wurden fortan Hasen gehalten. Der damalige Museumsleiter Konrad Kupfer war als Ästhet damit nicht einverstanden und mahnte bei der Stadtverwaltung in den 1950er Jahren immer wieder an, doch endlich die Hasenställe aus dem Innenhof zu beseitigen. © Roland-Gilbert Huber-Altjohann

Im Besitz des Pfalzmuseum befinden sich ca. 9.000 Objekte. Nur ein kleiner Teil davon kann in der Dauerausstellung gezeigt werden, der Rest ist in verschiedenen Depots eingelagert. Jedes Objekt, das im Museum eingeht, wird wissenschaftlich erfasst, dokumentiert, fotografiert und so der Nachwelt erhalten.
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Wie viele Objekte besitzt das Pfalzmuseum?

Im Besitz des Pfalzmuseum befinden sich ca. 9.000 Objekte. Nur ein kleiner Teil davon kann in der Dauerausstellung gezeigt werden, der Rest ist in verschiedenen Depots eingelagert. Jedes Objekt, das im Museum eingeht, wird wissenschaftlich erfasst, dokumentiert, fotografiert und so der Nachwelt erhalten. © Roland-Gilbert Huber-Altjohann

Eines der beliebtesten Ausstellungsstücke im Museum könnte tatsächlich der Tod von Forchheim sein, aber nein, das Skelett stammt vom Walberla. Bei der getöteten Frau handelt es sich um ein Bauopfer. Auf dem Walberla befand sich vom 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. eine keltische, stadtähnliche Anlage. Trotz ihrer hochentwickelten Kultur brachten die „Verwandten von Asterix“ Menschenopfer dar, um die Götter zu besänftigen.
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Der Tod von Forchheim?

Eines der beliebtesten Ausstellungsstücke im Museum könnte tatsächlich der Tod von Forchheim sein, aber nein, das Skelett stammt vom Walberla. Bei der getöteten Frau handelt es sich um ein Bauopfer. Auf dem Walberla befand sich vom 6. bis 4. Jahrhundert v. Chr. eine keltische, stadtähnliche Anlage. Trotz ihrer hochentwickelten Kultur brachten die „Verwandten von Asterix“ Menschenopfer dar, um die Götter zu besänftigen. © Roland-Gilbert Huber-Altjohann