Sonntag, 17.11.2019

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Erfolgsautorin rät in Forchheim: "Trotz allem leben"

Lesung mit Tessa Korber in der Stadtbücherei - 16.10.2019 10:00 Uhr

Tessa Korber (re.) im Gespräch mit Christine Dorsch (li.). © Udo Güldner


Die in Nürnberg lebende Schriftstellerin, die eigentlich Tessy Jeanette Klier heißt, unterhielt auf Einladung des Hospizvereins für den Landkreis das Publikum mit Kurzgeschichten und einem noch nicht veröffentlichten Roman. „Trotz allem leben“ war das Motto.

Dem Tod ist Tessa Korber schon oft begegnet. In der Familie, als ausgebildete Sterbebegleiterin und während eines Praktikums in einem Bestattungsinstitut. Daraus wurde mit „Gemordet wird immer“ später sogar ein eigener Kriminalroman, bei dem ihre Ehrfurcht vor diesem Handwerk durchscheint.

Wer das Leben begreifen wolle, der versuche es an den beiden Rändern, der Geburt und dem Tod, so Tessa Korber. Zumal der Weg ihrer Kinder zum naheliegenden Kindergarten über den Friedhof geführt habe. Mitten im Leben war sie vom Tode umfangen, möchte man eine mittelalterliche Sentenz zitieren. Noch bevor sie begann, einen Kater sprechen zu lassen, der seinerseits auf dem Pariser Friedhof Montmartre umherstreift.

Zwischen den Gräbern Heinrich Heines und Jacques Offenbachs, die beide einen langwierigen und schmerzhaften Tod erlitten.
Nach dem Katzenliebhaber Pierre Bonnard, der eine um die andere auf Leinwand gebannt hat, hat sie den rotgestreiften Einzelgänger benannt. Der findet eines Tages ein lebloses Mädchen, das nicht auf den Gottesacker gehört – zumindest hat es kein Grab. Er und seine Schnurrbart-Bande ermitteln auf leisen Pfoten...

In der Kurzgeschichte „Das tote Kind“ hat eine 40-jährige Frau jeglichen Lebensmut verloren. Dafür tobt in ihr ein lautlos brüllender, nie verstummender Schmerz. Ein tödlicher Verkehrsunfall hat ihr den Sohn geraubt. Mit seinem Skateboard ist Benni unter die Räder geraten. In der Folge zerbricht an diesem Schicksalsschlag auch noch die Ehe. Es bleiben nur schemenhafte Erinnerungen und flüchtige Gerüche und des Nachts Alpträume. Ihre Welt hat sich aufgelöst. Die Schritte ihres toten Kindes verklingen, der Nachhall seiner Stimme verweht. Sie selbst liegt, erdrückt von Gedanken, in ihrer Bett-Gruft, einsam, verzweifelt und hasserfüllt. Auf den Ehemann Frank, der sich ein neues Leben suchte und auf den Unfallfahrer, der nach dem Aufprall einfach weiterfuhr.

Doch bevor derlei literarische Leichen sich auftürmen, dürfen sich Ulrike Jochemczyk, Henning Hofmeister und Christine Dorsch vom Hospizverein über 750 Euro freuen. Die Summe haben Melanie Weber, Tobias Hammon und Elisabeth Handschuh beim Ostermarkt Eggolsheim mit dem Verkauf selbst bemalter Ostereier und Eierlikörs erzielt und für die gute Sache gespendet.

Dann aber bekommen die Zuhörer eine Kostprobe des noch nicht erschienenen Romans „Freundinnen“. Kein Regionalkrimi um Hauptkommissarin Dürer, die im Nürnberger Rotlichtmilieu und am Bayreuther Festspielhügel über Tote stolpert. Sondern eine ganz alltägliche Geschichte. Darin wollen vier Freundinnen in eine Wohngemeinschaft auf dem Lande zusammenziehen. Ausgerechnet in einem leerstehenden Gasthaus „Zur Fröhlichkeit“. Eine langsam erblindende Lehrerin namens Annabell, eine Tessa Korber Doppelgängerin namens Franziska, die Chaotin, eine gerade verwitwete Hausfrau Luise und eine Powerfrau namens Nora, die bis zum beruflichen Sendeschluss Karriere beim Fernsehen gemacht hat.

Es hätte im Puppenhaus so schön sein können, wenn da nicht eine Krebsdiagnose das Quartett zerschlagen hätte. Plötzlich ist Nora von der Bildfläche verschwunden. Erst später wird ein Brief erklären, was aus der lebenslustigen Rentnerin geworden ist. In der Schweiz hat sie sich von einer Sterbehilfe-Organisation vom Martyrium aus Chemotherapie und Bestrahlung erlösen lassen. Denn am Ende gewinnen stets die Metastasen.

Noras Asche wird dann doch Teil der Senioren-WG. Aus einer stillgelegten Kartoffelmiete im Garten zaubern die Noch-Überlebenden eine Art Gruft für die Urne. Krimis habe sie nie als morbide empfunden, so Tessa Korber. Auch Leichen seien schließlich noch Menschen – nur eben tot. Ein tröstlicher Gedanke.

Udo Güldner

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