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Erste Stunde Corona-Test: So lief der Start der Selbsttests in Schulen im Landkreis Forchheim

Bilanz der Schulleiterinnen und Schulleiter: gut, aber mit Einschränkungen - 12.04.2021 19:38 Uhr

Emma ist Schülerin am Gymnasium Fränkische Schweiz und führte den Selbsttest nach Anleitung via Power-Point-Präsentation durch. 

12.04.2021 © Foto: Gymnasium Fränkische Schweiz


Zuerst die gute Nachricht: "Bei allen Tests, die unsere Schüler und Lehrkräfte heute durchgeführt haben, war das Ergebnis negativ", sagt Martin Horn, Schulleiter der Forchheimer Adalbert-Stifter-Schule. Einen Fall habe es gegeben, bei dem der Test ein "diffuses" Ergebnis gezeigt habe. Der betroffene Schüler wurde aber sofort nachgetestet – mit dann eindeutig negativem Ergebnis.

Doch Horn ist nicht nur aus diesem Grund erleichtert: "Ich habe mir auch Sorgen gemacht, wie die Eltern auf die Testpflicht reagieren", sagt er. Doch der größte Teil habe sich kooperativ gezeigt. "Es gab einige wenige Schülerinnen und Schüler, die aus diesem Grund nicht zum Unterricht gekommen sind und auch einige, die eine Testbescheinigung von einem Testzentrum mitgebracht haben, aber im Grunde haben erstaunlich viele mitgemacht."

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Corona: 600 Schüler aus dem ganzen Landkreis werden in Forchheim und Ebs getestet

An der Abstrich-Station in der Forchheimer Ruhalmstraße sowie im Nebengebäude der Realschule Ebermannstadt können sich seit Dienstag Grundschüler sowie die Schüler der weiterführenden oder berufsbildenden Schulen mittels PCR-Test auf eine mögliche Corona-Infektion testen lassen. Die kostenlose Aktion läuft in Forchheim noch bis 5. März, in Ebs endet sie am 3. März. Rund 600 Schüler haben sich zum Testen angemeldet.


Für die gab es vorab von den Klassenleitern genaue Infos, zum Teil auch Videos zum Ablauf der Tests. Die wiederum absolvierte die Mehrheit der Schüler "sehr konzentriert". Bei manchen kitzelte es in der Nase, so dass sie niesen mussten, manchen stiegen auch die Tränen in die Augen. "Aber das waren auch schon alle Begleiterscheinungen", sagt der Rektor der Grund- und Mittelschule. Für ihn und seine Kolleginnen und Kollegen ist klar: "Diese Tests ermöglichen es, dass wir wenigstens etwas ruhigeren Gewissens in den Präsenzunterricht starten können."


Hier können Bürger im Landkreis kostenlose Corona-Schnelltests machen


Das sehen auch andere Schulleiterinnen und Schulleiter so. Wenngleich der Aufwand groß sei. Am Gymnasium Fränkische Schweiz hat ein Koordinationsteam neben der Erstellung einer Power-Point-Anleitung ein System entwickelt, das gleich auf den ersten Blick verdeutlichen soll, wer negativ getestet wurde. Das war nötig, weil hier oft die Lehrer zwischen den einzelnen Klassen wechseln und in den älteren Jahrgängen auch die Schüler in den einzelnen Kursen wechseln.

Also bekommen diejenigen, die sich bereits getestet haben, ein farbiges Etikett in ihr Hausaufgabenheft, auf dem ersichtlich ist, wie lang das negative Ergebnis gilt. Das trifft auch auf ältere Jahrgänge zu, die ab und an erst zur zweiten und dritten Stunde Unterricht haben und ihren Test später in einem eigens eingerichteten Testzimmer durchführen. Auch wer die Bescheinigung eines externen Tests mitbringt – und das sind in Ebermannstadt nicht wenige, bekommt den Aufkleber, berichtet Schulleiter Siegfried Reck und weist auf eine weitere Herausforderung hin: "Die Tests aus einem externen Testzentrum gelten 48 Stunden." Also kann es auch vorkommen, dass jemand Samstag getestet wurde. Das negative Ergebnis gilt damit nur noch für Montag. Dienstag muss derjenige eine neue Bescheinigung vorlegen. Und: Auch das muss pro Schüler vermerkt werden.

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Kundgebung in Nürnberg: Eltern fordern inzidenzunabhängige Öffnung von Schulen

"Kein Lockdown für Kinderrechte": Zum zweiten Mal hat die Initiative Familien am Samstag zu einer Kundgebung in Nürnberg aufgerufen. Etwa 170 Menschen forderten bei der Mahnwache, dass Bildungseinrichtungen unabhängig von den aktuellen Inzidenzzahlen geöffnet werden sollten.


Gerade das symbolisiert auch den Aufwand, den die Tests der Schüler mit sich bringen. "Die Organisation ist nicht ohne", findet auch Jürgen Kretschmann, Schulleiter der Georg-Hartmann-Realschule in Forchheim. Dazu die Infektionsgefahr im Klassenzimmer, in dem für den Test alle – wenngleich nur kurz und bei geöffnetem Fenster – die Masken abnehmen. "Natürlich würden wir uns wünschen, dass wir Unterstützung bekämen", sagt er, fragt sich aber, welcher Art diese sein könnte. "Selbst wenn wir vor der Schule ein Zelt aufbauen, bräuchten wir Personal, das die Tests begleitet."

Die beste Lösung für ihn: "Die Tests mit nach Hause geben" und dann vielleicht mittels eidesstattlicher Erklärung der Eltern zumindest die Sicherheit erhöhen, dass sie dort ordnungsgemäß durchgeführt werden. Das findet auch Ingrid Käfferlein, Direktorin des Forchheimer Herder Gymnasiums. Denn für sie überwiegt ein Vorteil: "Wenn jemand zu Hause positiv getestet wird, saß er vorher nicht im Schulbus oder hat sich mit seinen Klassenkameraden ausgetauscht." Sie würde den Eltern vertrauen, dass sie in Eigeninitiative zum Wohl ihrer Kinder die Tests ordnungsgemäß durchführen.

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Forchheim: So sieht es in der neuen Impfstraße aus

Barrierefreier Zugang, Anmeldung, Impfstraße und Nachbeobachtungsraum: Im Forchheimer Impfzentrum in der Don-Bosco-Straße gibt es nun mehrere neue Impfzimmer und angepasst Abläufe. So sieht es im Impfzentrum aus.


Wenngleich ihre Schule momentan eine Sonderstellung im Landkreis einnimmt, denn hier finden keine Selbsttests, sondern so genannte Spucktests statt. Diese wurden im Rahmen einer Studie vor allem in Erlangen ausprobiert. Im März wurden sie auch an der Georg Hartmann Realschule durchgeführt. Dafür hatte die Schule Dr. Stefan Rohmer gewonnen, der auch die Spucktests am Herder Gymnasium organisiert.

Dazu muss jeder Schüler in ein Tütchen spucken und dies beim Arzt, der dafür ebenfalls in die Schule kommt, abgeben. Der untersucht noch vor Ort jede einzelne Probe. Auch hier hieß das Ergebnis am ersten Tag: "Alle Proben negativ." Für die Schulleiterin, die seit September immer wieder auf dieses Angebot zurückgegriffen hat, liegen die Vorteile klar auf der Hand: Die Geheimhaltung werde gewahrt und die Lehrkräfte aus der Verantwortung genommen.

Die Belastung, der die Lehrer bei den Selbsttests der Schüler ausgesetzt sind, stört auch andere Schulleiter. "Es ist machbar", sagt Karlheinz Schoofs, Direktor des Forchheimer Ehrenbürg-Gymnasiums. Doch es brauche dazu ein Impfangebot für alle Lehrkräfte der weiterführenden Schulen. Zwar haben sie nur die Aufgabe, die Selbsttests aus der Ferne zu begleiten. "Aber es kann immer mal vorkommen, dass sie unterstützen und damit näher heran müssen."

Was ihn ebenfalls umtreibt: "Wenn einer der Tests positiv ausfällt." Das kam auch am EGF am ersten Tag nicht vor – was auch für die Qualität der Tests spricht, findet Schoofs. Doch es werde wohl in Zukunft Fälle geben. Der Ablauf ist dabei genau geregelt, die Schüler sensibilisiert, dass jeder verantwortungsvoll mit einer solchen Situation umgehe.

Doch auch wenn der Rest der Klasse bis zum Ergebnis des folgenden PCR-Tests weiter unterrichtet wird, steht im Falle eines dann ebenfalls positiven Ergebnisses die Quarantäne der ganzen Klasse im Raum. Trotz Abstand, Lüften und Masken. Das bestätigt Holger Strehl, Pressesprecher des Landratsamtes.

Vielleicht aber kommt es so schnell gar nicht so weit. Denn im Landratsamt beobachtet man die Entwicklung der Inzidenzwerte mit Sorge und denkt bei einem weiteren Anstieg darüber nach, die 100er-Inzidenz-Notbremse schon vor Freitag zu ziehen. "Es steht im Raum, aber noch ist nichts entschieden", bestätigt Strehl.

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